Überblick über die bisher in der MEMENTO-Datenbank erfassten marinen Lachgas-Messungen. Grafik: MEMENTO

Überblick über die bisher in der MEMENTO-Datenbank erfassten marinen Lachgas-Messungen. Grafik: MEMENTO

20.02.2015

Treibhausgase aus dem Ozean

Eos-Magazin der American Geophysical Union berichtet über Kieler Datenbank MEMENTO

20.02.2015/Kiel. Ihr Anteil an der Erdatmosphäre ist klein, ihr Einfluss auf das Klima ist umso größer. Die Rede ist von Treibhausgasen, ohne die es auf der Erde deutlich kälter wäre und die ein entscheidender Faktor bei Klimaveränderungen sind. Kohlendioxid ist das bekannteste von ihnen. Andere, wie zum Beispiel Methan oder Distickstoffmonoxid (Lachgas), haben einen noch kleineren Anteil an der Luft, sind als Treibhausgase aber auch deutlich wirksamer. Deshalb müssen sie bei Prognosen zu künftigen Klimaentwicklungen ebenfalls berücksichtigt werden. Allerdings sind bisherige Abschätzungen von Methan- und Lachgas-Emissionen aus den Ozeanen mit großen Unsicherheiten verbunden. Das soll eine Datenbank ändern, die Forscherinnen und Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zusammen mit dem Datenmanagement-Team der Kieler Meereswissenschaften (KDMT) ins Leben gerufen haben. In seiner aktuellen Ausgabe stellt das Magazin Eos der American Geophysical Union (AGU) das Projekt der globalen Forschungs-Gemeinde vor.

Der Name der Datenbank lautet MEMENTO. Das ist einerseits ein Akronym für „MarinE MethanE and NiTrous Oxide“, andererseits bedeutet das Wort im Lateinischen „Erinnere Dich“. „Keine Methan- oder Lachgas-Messung sollte vergessen werden, sondern immer allen Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung stehen“, erklärt Projektleiterin Dr. Annette Kock vom GEOMAR. So soll die MEMENTO-Datenbank ein zeitlich und räumlich umfassendes Bild der Methan- und Lachgas-Verteilung im Ozean bieten. „Nur wenn wir diese Verteilung genau kennen, können wir eine verlässliche Abschätzung der Emissionen erstellen und Aussagen über mögliche Veränderungen und potenzielle Entwicklungen treffen“, erklärt ihr Kollege, der Meereschemiker Professor Dr. Hermann Bange. Gerade bei Methan und Lachgas ist eine möglichst breite Datenbasis wichtig, weil die Verteilung sehr stark schwanken kann. „Mögliche Quellen in den Meeren sind die Sedimente flacher Küstengebiete, aber auch Organismen im offenen Ozean. Je nachdem, wo und wann ich messe, kann ich also sehr unterschiedliche Ergebnisse erhalten. Das macht Hochrechnungen bislang schwierig“, erläutert Professor Bange.

Bereits jetzt sind rund 20.000 Methan- und 100.000 Lachgas-Messungen in MEMENTO eingetragen. Die Daten stammen von vielen Schiffsexpeditionen und anderen kurzzeitigen Forschungsprojekten, aber auch von Zeitserienstationen wie Boknis Eck am Ausgang der Eckernförder Bucht oder der Hawaii Ocean Time Series Station im zentralen Pazifik. „Die Werte werden bei uns einem Qualitätscheck unterzogen und sind dann für weitere Untersuchungen über unsere Website abrufbar“, sagt Dr. Kock. Nach dem jetzt veröffentlichten Artikel hoffen die Betreiber auf weitere Wissenschaftler, die ihre Daten bei MEMENTO einstellen. „Schließlich ist es die einzige Datenbank für marines Methan und Lachgas weltweit“, betont Professor Bange.


Ursprünglich wurde MEMENTO durch eine gemeinsame Initiative der Internationalen Programme SOLAS (Surface Ocean Lower Atmosphere Studies) und COST (European Cooperation in Science and Technology) Action 735 ins Leben gerufen. Jetzt wird sie im Rahmen des deutschen Verbundprojekts SOPRAN (Surface Ocean Processes in the Anthropocene) gefördert. Die Datenbank wird vom Datenmanagement-Team der Kieler Meeresforschung (Kiel Data Management Team, KDMT) betreut.