Probennahme an einem  Stück Fisch aus dem Supermarkt. Die Jugendlichen, die beim Projekt #fischdetektive mitmachen, lernen dabei auch, dass Dokumentation ein wichtiger Bestandteil von Wissenschaft ist. Foto: Jan Steffen/GEOMAR

Probennahme an einem Stück Fisch aus dem Supermarkt. Die Jugendlichen, die beim Projekt #fischdetektive mitmachen, lernen dabei auch, dass Dokumentation ein wichtiger Bestandteil von Wissenschaft ist. Foto: Jan Steffen/GEOMAR

Ist die  Gewebeprobe im Probenfläschchen, kann sie ans GEOMAR geschickt werden. Foto: Jan Steffen, GEOMAR

Ist die Gewebeprobe im Probenfläschchen, kann sie ans GEOMAR geschickt werden. Foto: Jan Steffen, GEOMAR

Reges Interesse der Medien zum Start der #fischdetektive-Challenge. Foto: Sarah Kaehlert, GEOMAR

Reges Interesse der Medien zum Start der #fischdetektive-Challenge. Foto: Sarah Kaehlert, GEOMAR

Ist, wo Scholle (Pleuronectes platessa)  drauf steht, auch wirklich Scholle drin? Diese Frage sollen die #fischdetektive klären. Zeichnung: Signe Kjær.

Ist, wo Scholle (Pleuronectes platessa) drauf steht, auch wirklich Scholle drin? Diese Frage sollen die #fischdetektive klären. Zeichnung: Signe Kjær.

08.06.2017

Achtung, die #fischdetektive sind unterwegs!

Dreiwöchige Kampagne startet am internationalen Tag der Ozeane

08.06.2017/Kiel. Jetzt geht es los: Heute, am 8. Juni, dem internationalen Tag der Ozeane, startet das Citizen-Science-Projekt #fischdetektive seine dreiwöchige Challenge zur Probennahme. Mehr als 300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren haben sich bereits registriert und ein Probennahmekit erhalten. Die gesammelten Fischgewebe-Proben werden an das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel geschickt und dort genetisch analysiert. Ziel des Vorhabens, dass im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, ist es, Art und Herkunft der Fische im deutschen Handel zu bestimmen und zu überprüfen, ob diese auch korrekt deklariert sind. Mit dem Projekt soll zum einen ein Beitrag zur naturwissenschaftlichen Grundbildung aber auch zur Stärkung der Verbrauchermündigkeit der Jugendlichen geleistet werden.

Die Fischerei leistet einen großen Anteil zur Ernährung der steigenden Weltbevölkerung. Aber die Ressource Fisch wird knapper. Schon heute ist mehr als zwei Drittel der weltweiten Fischbestände überfischt. Fangquotenbeschränkungen, Überwachung der Fischereiflotten und die Ausweisung von Schutzgebieten sollen den weiteren Rückgang der Bestände verhindern. Doch woher kommt der Fisch eigentlich, der im Handel und in Restaurants angeboten wird? Lässt sich dies überhaupt nachprüfen? Mit dem im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 Meere und Ozeane geförderten Citizen-Science-Projekt #fischdetektive möchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel insbesondere Kinder und Jugendliche motivieren, sich über Art und Herkunft von Fischprodukten zu informieren und mit Hilfe von eingesandten Proben diese Informationen zu überprüfen. Am 8. Juni, dem Welttag der Ozeane, startet die bundesweite Kampagne, im Rahmen derer die Proben genommen und nach Kiel geschickt werden können.

 

„Unser Ziel ist es nicht, den Handel oder Restaurants an den Pranger zu stellen“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thorsten Reusch vom GEOMAR. „Wir möchten zunächst einmal erreichen, dass sich die Verbraucher von morgen Gedanken über die Herkunft ihrer Nahrungsmittel machen und so einen Beitrag zur naturwissenschaftlichen Grundbildung aber auch zur Stärkung der Verbrauchermündigkeit der Jugendlichen leisten“, so Reusch weiter.

„Mittlerweile haben sich bereits 300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren für das Projekt registriert“, erläutert Dr. Anna Bockelmann, die das Projekt entwickelt hat. „Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer können von heute an mit Hilfe des Probennahmekits, das sie erhalten haben, Fischproben nehmen und zu uns schicken“, so Bockelmann weiter. Dabei sind nur winzige Gewebeproben nötig, um Arten und Bestände mit Hilfe eines „genetischen Barcodings“ zu identifizieren. Diese Analysen werden ab Juli im molekulargenetischen Labor des GEOMAR durchgeführt, spätestens im September liegen dann alle Ergebnisse vor. "Bisher haben sich Teilnehmer aus ganz Deutschland angemeldet, wie wir an den beteiligten Postleitzahlen erkennen können, das alleine ist schon ein Erfolg", so Bockelmann.

„Weil es unterschiedlich schwierig ist, die Begleitinformationen über Art und Herkunft der Probe zu ermitteln, haben wir noch eine Wettbewerbskomponente mit eingebaut“, erklärt Anna Bockelmann weiter. Während des gesamten Aktionszeitraums können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Punkte sammeln. Diese gibt es für das Einsenden von Proben, wobei die Punktzahl vom Kaufort abhängt – denn Supermarkt, Fischladen oder Restaurant machen es unterschiedlich schwer, alle benötigten Informationen zu erhalten. Zusätzlich kann das Punktekonto durch Interaktionen auf der Website www.fischdetektive.de aufgebessert werden. 

Unter den Detektiven, die am Ende auf der Bestenliste ganz oben stehen, werden spannende Preise verlost, zum Beispiel eine Mitfahrt auf einem Forschungsschiff des GEOMAR oder die Möglichkeit, bei der Analyse der Fischproben selbst dabei zu sein. 

„Man kann sich auch jetzt noch zur Teilnahme entschließen. Einfach über unsere Website oder in der Webapp registrieren und los geht’s. Wenige Tage später ist das Probennahmekit da und es kann losgehen“, so Dr. Bockelmann. 

„Unser Ziel sind mindestens 1000 Proben. Das bildet für statistisch signifikante Aussagen dann schon eine gute Grundlage“, so Thorsten Reusch. „Wir sind selber sehr gespannt, wie die Ergebnisse aussehen, denn es gibt bisher so gut wie keine veröffentlichten Daten zum Thema. Für uns hat diese Studie auch Pilotcharakter. Wenn sie gut verläuft, können wir uns durchaus vorstellen, in Zukunft den Bürger stärker in unsere Forschung mit einzubinden“, so Prof. Reusch. Den Kielern liegen auch schon Anfragen aus dem europäischen Ausland vor, die gerne bei einem solchen Projekt mitmachen würden.

Alle Informationen sind auf der Website (www.fischdetektive.de) oder in der Webapp nachzulesen. Hier finden sich auch ein Erklärvideo und jede Woche neue Antworten auf viele Fragen rund um das Thema Fisch. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zeitnah über die Untersuchungsergebnisse ihrer Proben informiert und können dies auch auf der Website verfolgen.

Hintergrundinfo: Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane

Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum – und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Kontakt:

Christine Rutke (Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane), Tel.: 030 308811-70, presse(at)wissenschaftsjahr.de

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de

Dateien:
pm_2017_38_fisch-detekt-III.pdf439 K