Osmar (Mitte) und Mitschüler bereiten Experimente zur Ozeanphysik vor. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Osmar (Mitte) und Mitschüler bereiten Experimente zur Ozeanphysik vor. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Teilnehmer und Betreuer der Sommerschule des SFB 754. Foto: J. Dengg, GEOMAR.

Teilnehmer und Betreuer der Sommerschule des SFB 754. Foto: J. Dengg, GEOMAR.

Exkursion an die vulkanische Küste zur Artenbestimmung von Meereslebewesen. Foto: J. Dengg, GEOMAR.

Exkursion an die vulkanische Küste zur Artenbestimmung von Meereslebewesen. Foto: J. Dengg, GEOMAR.

07.08.2014

Anregend, herausfordernd und interkulturell

Deutsch-kapverdische Ferienschule des Sonderforschungsbereichs 754

07.08.2014/Kiel/Mindelo. Ferien und Schule, das funktioniert prima zusammen. Das konnten kapverdische und deutsche Jugendliche bei einer zweiwöchigen Sommerschule auf der Inselgruppe im Atlantik erfahren. Gemeinsam lernten sie in Theorie und Praxis viel über Themen wie Meeresströmungen oder Meeresbiologie, aber auch viel über Unterschiede in Kultur und Mentalität. Die Sommerschule wurde auf deutscher Seite von Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 754 „Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean“ organisiert.

Schulhof, morgens um 9 Uhr, 30 Grad im Schatten. In wenigen Minuten Gehentfernung ein einladender Sandstrand mit türkisblauem Meer. Kurz gesagt: Bedingungen, in denen man das Wort „Hitzefrei“ förmlich in flirrenden Buchstaben in der heißen Luft zu lesen meint. Wir befinden uns auf den Kapverdischen Inseln in der Escola Salesiana, einer weiterführenden Schule in der Stadt Mindelo, wo unter dem Titel „Meereswissenschaften für Schüler“ erstmalig ein zweiwöchiger Sommerkurs für kapverdische und deutsche Jugendliche angeboten wird.

„Ich habe mich beworben, weil ich mich sehr für Biologie interessiere, gerne neue Menschen kennenlerne, und dadurch hoffentlich auch mein Englisch verbessere“, fasst der 16-jährige Osmar, einer der 14 kapverdischen Teilnehmer, seine Motivation für diesen Kurs zusammen. Und er fährt fort: „Wir arbeiten jeden Tag sehr viel, aber wir haben auch eine Menge Spaß zusammen.“

Damit hat er eigentlich auch schon die wichtigsten Lernziele der Sommerschule auf den Punkt gebracht, wie Dr. Sally Soria-Dengg, die Organisatorin des Kurses im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 754 der Deutschen Forschungsgemeinschaft am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel bestätigt: „Wir wollen hoch-motivierten und talentierten Jugendlichen eine Herausforderung in mehrfacher Hinsicht bieten: fachlich, indem sie Meereswissenschaften in ihren verschiedenen Facetten kennenlernen, sprachlich, wo es hier wild zwischen Englisch, Portugiesisch und Deutsch hin und her geht, und kulturell, wo sie sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der deutschen und kapverdischen Mentalität entdecken.“

Das breite Angebot reicht von praktischen Experimenten, über Fachvorträge bis hin zu Exkursionen, und spricht Themen wie die Physik der Meeresströmungen, die Gasaufnahme der Ozeane, Fischerei oder die Eigenschaften verschiedener mariner Lebensformen wie Plankton oder Meeresschildkröten an. Unterstützt wird der Kurs von Kollegen des kapverdischen Instituto Nacional de Desenvolvimento das Pescas (INDP) und zwei Lehrkräften der Escola Salesiana und der Heinrich-Heine-Schule Heikendorf, von der auch die deutschen Teilnehmer des Kurses kommen.

„Naja, komisch ist es schon: man fühlt sich hier wie in den Ferien, und eigentlich haben wir ja auch Ferien, aber gleichzeitig arbeitet man doch jeden Tag. So eine richtige Urlaubsgegend ist es hier auch nicht, aber die Leute sind einfach alle gut drauf, und es macht richtig Spaß“, so die gesammelten Eindrücke von Hannah, Paul, Kay und Paulina, den deutschen Teilnehmern. „Aber der erste Abend war so richtig krass: wir waren todmüde von der langen Reise und platzten mitten in ein Volksfest mit Tausenden von Menschen, die alle in Partystimmung waren.“

Inzwischen allerdings fühlen sie sich in Mindelo wie zuhause und wissen, wie man am schnellsten von der gemeinsamen Ferienwohnung zur Schule kommt, in welchem Laden günstiges Brathuhn zu bekommen ist oder wie man sich in den gängigsten Situationen auf Portugiesisch behilft. „Unsere Mitschüler haben uns die wichtigsten Sätze beigebracht. Ich bin aber nicht immer sicher, was Portugiesisch und was davon Kreol ist“, gibt Hannah zu. „Letztendlich ist das aber genauso egal wie die Sprachverwirrungen am Anfang des Sommerkurses, denn innerhalb kurzer Zeit kommt man schon irgendwie klar. 

Und dass sie tatsächlich klar kamen, konnten sie in der gemeinsamen Abschlussveranstaltung demonstrieren, wo sie in  Kurzvorträgen und an mehreren Stationen mit Vorführ-Experimenten den Besuchern zeigen konnten, was sie in den 10 Arbeitstagen gelernt und gemeinsam erlebt haben. „Ich habe aus Versehen gesagt, dass „wir“ das gemacht haben, obwohl ich an dem Tag eigentlich krank war“ fällt Guilherme aus Mindelo im Nachhinein auf. „Ist das schlimm?“ Wohl kaum, im Gegenteil: genau so soll eine gute Sommerschule sein.

Hochauflösendes Bildmaterial:

Osmar (Mitte) und Mitschüler bereiten Experimente zur Ozeanphysik vor. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Teilnehmer und Betreuer der Sommerschule des SFB 754. Foto: J. Dengg, GEOMAR.

Exkursion an die vulkanische Küste zur Artenbestimmung von Meereslebewesen. Foto: J. Dengg, GEOMAR.

Ansprechpartner:

Dr. Joachim Dengg (GEOMAR,), jdengg(at)geomar.de 

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, avillwock(at)geomar.de 

Dateien:
pm_2014_42_sommerschule-2014.pdf462 K