Der simulierte „Globale Krisenstab“ befasst sich mit Vorschlägen zur aktiven Bekämpfung des Klimawandels. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Der simulierte „Globale Krisenstab“ befasst sich mit Vorschlägen zur aktiven Bekämpfung des Klimawandels. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Nur noch wenige Bohnen in der Kasse: den Mitwirkenden am Planspiel ist unklar, ob sie das nächste Hochwasser noch überstehen werden. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Nur noch wenige Bohnen in der Kasse: den Mitwirkenden am Planspiel ist unklar, ob sie das nächste Hochwasser noch überstehen werden. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Experimente veranschaulichen die Effekte der Ozeankalkung, die als mögliche Maßnahme gegen Ozeanversauerung und CO2-Anstieg diskutiert wird. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Experimente veranschaulichen die Effekte der Ozeankalkung, die als mögliche Maßnahme gegen Ozeanversauerung und CO2-Anstieg diskutiert wird. Foto: J. Dengg, GEOMAR

10.11.2014

Dem Schulbuch um Jahre voraus

Workshop für Lehrkräfte zum Thema „Climate Engineering"

10.11.2014/Kiel. Der Begriff „Cimate Engineering“ bezeichnet großtechnische Maßnahmen zur Klimaregulierung. Sie werden vermehrt als Alternative diskutiert, falls Energiesparen und die Abkehr von fossilen Brennstoffen den Klimawandel nicht aufhalten sollten. Welche Verfahren stünden überhaupt zur Verfügung? Welche Risiken und Nebenwirkungen hätten diese für den „Patienten Erde“? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Lehrkräfte aus Norddeutschland in einem Workshop, den das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und das Schwerpunktprogramm „Climate Engineering“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft organisiert hatten.

Dem jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC mangelte es nicht an Deutlichkeit. Wenn die Menschheit ihren Ausstoß an Treibhausgasen in die Atmosphäre nicht bald deutlich reduziert, werden die Umweltveränderungen drastisch sein. Infolgedessen fordert der IPCC erhebliche Einsparungen beim Energieverbrauch und die Abkehr von fossilen Energieträgern. Allerdings nimmt er auch auf andere Maßnahmen Bezug, die in der internationalen Debatte zunehmend als potenzielle Notlösungen auftauchen. Warum nicht künstlich Wolken bilden, um einen Teil der Sonnenstrahlung zurück in den Weltraum zu reflektieren? Oder mit Düngung in den Meeren das Algenwachstum fördern, damit mehr CO2 gebunden wird? Solche Konzepte fassen Experten unter dem Begriff „Climate Engineering“ zusammen.

Lehrkräfte aus Schleswig-Holstein, Hamburg und sogar aus dem fernen Berlin nahmen jetzt an einem zweitägigen Workshop in Brodten an der Ostsee teil, der sich intensiv mit Chancen und Risiken dieser „Climate Engineering“ Maßnahmen auseinandersetzte. Organisiert hatten ihn Experten des Schwerpunktprogramms „Climate Engineering“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung koordiniert wird.

„Wir wollen dieses Thema bewusst in die Schulen tragen“, sagt Martin Behrens, der die Schulprojekte des Schwerpunktprogramms betreut. „Noch existieren die meisten Climate Engineering-Maßnahmen nur als Gedankenexperimente oder technische Vorstudien. Doch sie könnten bereits für die nächsten Generationen eine Option sein, zu der sie als Bürger, Wähler oder Konsumenten auf die eine oder andere Art Stellung beziehen müssen.“ Hier könne die Schule bereits frühzeitig sensibilisieren und Jugendliche ermuntern, sich informiert und kritisch mit diesen Fragen auseinander zu setzen, so Behrens weiter.

In einem Mix aus Fachvorträgen, Planspielen, Berichten aus der Unterrichtspraxis und Gelegenheit zur persönlichen Begegnung wurden Inhalte vermittelt und diskutiert, die in Schulbüchern wahrscheinlich erst in einigen Jahren zu finden sein werden. „Spannend für die Schule sind neben der Aktualität auch die fächerübergreifenden Aspekte dieser Themen, die physikalisch-chemische, biologische, ökonomische, juristische und ethische Komponenten haben“, berichtet Isgard Fenske aus ihrer schulischen Praxis am Gymnasium Kronshagen.

Martin Behrens ergänzt: „Wir haben hier im letzten Jahr mit Unterstützung der Schule verschiedene Zugänge entwickelt, die im Schulunterricht genutzt werden können. Dabei sind einige der an diesem Wochenende präsentierten Unterrichtsansätze noch in der Erprobung. Wir sind hier sehr auf die Rückmeldung der Lehrkräfte gespannt.“

Unterstützt wurde die Veranstaltung von Mitarbeitern der Schulprogramme am GEOMAR, die seit vielen Jahren in enger Vernetzung mit Schulen arbeiten, sowie von Kollegen des Deutschen Klimarechenzentrums in Hamburg. Sie zeigten den Lehrkräften u.a. Materialien und Werkzeuge, mit denen sie zusammen mit ihren Schülern aktuelle Daten aus der Klimaforschung bearbeiten und interpretieren können.

Und auch die erhofften Rückmeldungen der Lehrkräfte bleiben nicht aus: „Wir haben schon wieder so viele neue Ideen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll!“, fasst Martin Behrens die beiden Tage zusammen.

 

Kontakt:
Martin Behrens (GEOMAR, SPP 1689), Tel 0431 600-4108, mbehrens(at)geomar.de
Jan Steffen (GEOMAR Kommunikation und Medien), Tel.: 0431 600-2811, jsteffen(at)geomar.de