Heidi Gonschior (links) hilft bei der Identifizierung von Meeresorganismen unter dem Mikroskop. Foto: S. Dengg, GEOMAR

Heidi Gonschior (links) hilft bei der Identifizierung von Meeresorganismen unter dem Mikroskop. Foto: S. Dengg, GEOMAR

Konzentration und Sorgfalt sind auch bei der Bestimmung der Stoffwechselprodukte von Miesmuscheln gefordert. Foto: S. Dengg, GEOMAR

Konzentration und Sorgfalt sind auch bei der Bestimmung der Stoffwechselprodukte von Miesmuscheln gefordert. Foto: S. Dengg, GEOMAR

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei Lehrerfortbildungen: der direkte Erfahrungsaustausch über praktische Einzelheiten. Foto: S. Dengg, GEOMAR

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei Lehrerfortbildungen: der direkte Erfahrungsaustausch über praktische Einzelheiten. Foto: S. Dengg, GEOMAR

08.04.2013

Ferien oder Fortbildung?

Osterschule für Lehrkräfte am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

08.04.2013/Kiel. Gängigen Klischees zufolge verbringen Lehrkräfte ihre Schulferien bevorzugt mit langen Reisen oder mit süßem Nichtstun zuhause im Garten. Doch wie bei so vielen Vorurteilen sieht die Realität anders aus. Das bewies unter anderem die viertägige „Osterschule für Lehrkräfte zum Thema Ostsee“, die das GEOMAR zusammen mit dem Sonderforschungsbereich 754 der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Beitrag zum Fortbildungsangebot des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)in der zweiten Osterferienwoche veranstaltete.

„Zugegeben, wir hatten bei der Planung anfangs schon Bedenken, ob wir während der Ferien genug Teilnehmer finden werden,“ berichtet Dr. Sally Soria-Dengg, Organisatorin und Leiterin der Lehrerfortbildung am GEOMAR, „Aber innerhalb kurzer Zeit waren alle 12 Plätze vergeben.“

Angelockt fühlten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von verschiedenen Schulen in Schleswig-Holstein durch ein attraktives Programm, das von Einführungen zu physikalischen und biologischen Eigenschaften der Ostsee, über Experimente zu Strömungsverhältnissen oder zum Stoffwechsel der Tiere, bis hin zur Messung von Nähr- und Sauerstoffkonzentrationen reichte. Höhepunkt für die Lehrkräfte war eine eintägige Ausfahrt mit der Littorina, einem Forschungsschiff des GEOMAR. Unter fachkundiger Betreuung der biologischen Lehrassistentin Heidi Gonschior wurden dabei Organismen mit der Dredge vom Meeresboden geholt und nach Art und Größe für die Bestimmungsübungen am nächsten Tag sortiert. Zum Abschluss erstellten alle Teilnehmer gemeinsam erste Entwürfe für Unterrichtseinheiten an denjeweiligen Schulen.

Was aber führt Lehrkräfte dazu, ihre Freizeit für ein solch intensives Arbeitsprogramm zu opfern? Ole Andresen, Lehrer für Chemie und Biologie an der dänischsprachigen A.P. Møller-Skolen in Schleswig, braucht über eine Antwort nicht lange nachzudenken: „Wie oft bietet sich einem schon die Chance, vor Ort an einem Forschungszentrum kostenlos fächerübergreifende Themen und Methoden aus der Meeresforschung kennenzulernen, die man dann später auch noch in seinem Unterricht aufgreifen kann? Manche Dinge, die wir hier gesehen haben, sind relativ einfach in der Schule nachzumachen und bringen auch noch eine Menge Spaß! Und wenn man mal nicht weiter weiß, kennt man jetzt die richtigen Leute.“

Die „richtigen Leute“, das sind in diesem Fall die Mitglieder des Schulprojekt-Teams des GEOMAR, das seit vielen Jahren Programme für Schulen zu verschiedenen Themen der Meeresforschung anbietet. Seit Kurzem ergänzt Katja Pasdzierny, eine Lehrerin des Regionalen Bildungszentrums Wirtschaft, Kiel, das bisher nur aus Wissenschaftlern bestehende Team. Sie ist vom Schleswig-Holsteinischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft mit 50 Prozent ihres Arbeitspensums für zunächst zwei Jahre an das Helmholtz-Zentrum abgeordnet, um insbesondere die gezielte Aufbereitung fachlicher Inhalte für den Schulunterricht pädagogisch zu unterstützen. So soll im Anschluss an die Osterschule überlegt werden, ob und wie man beim nächsten Mal den Bedürfnissen der Lehrkräfte noch besser entgegen kommen kann.

Dass es ein nächstes Mal geben soll, davon sind sowohl Veranstalter als auch Teilnehmer überzeugt. „In den Ferien hat man wenigstens Zeit, solche Dinge konzentriert und mit der nötigen Tiefe anzugehen. Wann hat man diesen Luxus schon während des Schuljahrs?“, so lautet allgemein die Devise. „Erholt? Nö, eher fix und fertig, aber es hat wirklich etwas gebracht!“ Solch erfreuliche Rückmeldungen lassen dann auch wenig Zweifel, ob der nächste Lehrer-Ferienkurs wieder ausgebucht sein wird.

Weitere Informationen auf den Seiten der GEOMAR-Schulprogramme und des SFB 754