Zwei Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen der Kalkalge Calcidiscus leptoporus. Gezeigt sind jeweils sechs Zellen, die im Labor unter verschiedenen CO2-Bedingungen gehalten wurden. Die linke Aufnahme zeigt die Kalkalge unter CO2-Bedingungen, wie sie heute im Ozean vorherrschen. Die rechte Aufnahme zeigt die Kalkalge unter den CO2-Bedingungen, wie sie bei unverminderten CO2-Emissionen für das Jahr 2100 erwartet werden. Kalkalgen Calcidiscus leptoporus leben als Einzeller. Die Experimente und Aufnahmen wurden am IFM-GEOMAR gemacht. Quelle: IFM-GEOMAR

Zwei Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen der Kalkalge Calcidiscus leptoporus. Gezeigt sind jeweils sechs Zellen, die im Labor unter verschiedenen CO2-Bedingungen gehalten wurden. Die linke Aufnahme zeigt die Kalkalge unter CO2-Bedingungen, wie sie heute im Ozean vorherrschen. Die rechte Aufnahme zeigt die Kalkalge unter den CO2-Bedingungen, wie sie bei unverminderten CO2-Emissionen für das Jahr 2100 erwartet werden. Kalkalgen Calcidiscus leptoporus leben als Einzeller. Die Experimente und Aufnahmen wurden am IFM-GEOMAR gemacht. Quelle: IFM-GEOMAR

30.01.2009

CO2-Ausstoß reduzieren – jetzt!

Kieler Meereswissenschaftler warnen gemeinsam mit Kollegen aus 32 Nationen vor der Versauerung der Ozeane

30.1.2009, Monaco/Kiel - In der heute veröffentlichten „Monaco-Deklaration“ weisen Forscher aus 32 Nationen darauf hin, dass der von Menschen verursachte Kohlendioxid-Ausstoß nicht nur das Klima erwärmt, sondern auch die Ozeane versauert. Das stellt eine enorme Bedrohung für alle marinen Ökosysteme dar. Die Unterzeichner fordern daher rasches Handeln zum Schutz der Meere. Zu den Autoren der Deklaration zählen auch Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Heizen mit Öl, Stromerzeugung mit Kohle, Autofahren mit Benzin: die Menschheit setzt noch immer riesige Mengen Kohlendioxid frei. Dass sie so die Atmosphäre aufheizt, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Doch es gibt noch eine weitere Folge, die weniger bekannt, aber nicht weniger gefährlich ist. Ein Viertel des von Menschen produzierten Kohlendioxids landet in den Ozeanen. Dort verwandelt es sich in Kohlensäure – das Meer wird saurer. Der Säuregrad des Oberflächenwassers ist seit Beginn der Industrialisierung um 30 Prozent angestiegen und hat damit Werte erreicht, die es zuletzt vor mehreren Millionen Jahren gegeben hat. Die veränderten Umweltbedingungen bedeuten eine ernste Bedrohung für die marinen Lebensgemeinschaften.

Im Oktober 2008  trafen sich 220 Experten aus 32 Nationen in Monaco zum 2. Symposium „The Ocean in a High-CO2 World“. Die Teilnehmer waren sich einig: Wenn nicht schnell gegengesteuert wird, könnte sich die Ozeanversauerung noch beschleunigen – mit unabsehbaren Folgen für die Ökosysteme. Um auf die Dringlichkeit des Problems hinzuweisen, verabschiedeten die Konferenzteilnehmer eine gemeinsame Deklaration, die heute veröffentlicht wird. „Dieses Papier spiegelt die tiefe Besorgnis der internationalen Forschergemeinschaft über die drohende Ozeanversauerung wider“, erklärt Professor Ulf Riebesell vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Riebesell gehört zu den Autoren der Deklaration und hatte zusammen mit mehreren Kieler Kollegen die Konferenz in Monaco mit gestaltet.

Die Unterzeichner der Deklaration weisen darauf hin, dass erste konkrete Folgen der Versauerung bereits zu beobachten sind. Da das saurere Wasser Kalk angreift, wird es für Kalk bildende Organismen wie Muscheln, Schnecken, Seeigel, Seesterne, aber auch viele Kleinstlebewesen im Plankton zunehmend schwerer, ihre Kalkschalen und -skelette zu bilden. Sogar die Kalkproduktion der Korallen am Great Barrier Reef hat messbar abgenommen. Steigt der Säuregrad weiter, droht das weltweite Zusammenbrechen ganzer Ökosysteme. Das hätte letztlich auch weitreichende Konsequenzen für die Menschheit. Fischerei und Tourismus wären bedroht, Küstenschutz durch Korallenriffe wäre nicht mehr gegeben, mögliche biologische Rohstoffe für Medizin oder Ernährung könnten verloren gehen.

Daraus leiten die Experten ein zentrale Forderungen an die Politik ab: Der CO2-Ausstoß muss weltweit möglichst schnell und drastisch reduziert werden. Nur so könne der Prozess aufgehalten werden, der von Wissenschaftlern mittlerweile als genauso gefährlich wie die Klimaerwärmung angesehen wird. „Wir müssen alle verfügbaren Optionen nutzen, die fortschreitende Versauerung der Meere aufzuhalten und die marinen Ökosysteme vor den möglichen Konsequenzen zu bewahren", betont Riebesell, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt.


Hintergrundinformationen:
Das Symposium „The Ocean in a High-CO2 World” wurde erstmals im Mai 2004 auf Initiative der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO und des Scientific Committee on Oceanic Research (SCOR) durchgeführt. Das zweite Symposium mit 220 Teilnehmern aus 32 Nationen fand im Oktober 2008 in Monaco statt. Zu den Unterstützern gehörten neben UNESCO-IOC und SCOR dieses Mal die U.S. National Science Foundation, die Prince Albert II. of Monaco Foundation, die Internationale Atomenergieorganisation IAEA, das International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP), die monegassische Regierung sowie der International Council for Exploration of the Seas (ICES).

Ansprechpartner:
Jan Steffen (Öffentlichkeitsarbeit), Tel. 0431 – 600 2811, jsteffen@geomar.de

Dateien:
pm_2009_08_Monaco.pdf38 K