Referentin Prof. Dr. Sabrina Speich (links) mit den WEB-Postdocs (von links nach rechts) Marlene Wall, Ivy Frenger, Patricia Handmann, Arielle Imbol, und Michal Grossowicz. Foto: Anja Engel/GEOMAR

Referentin Prof. Dr. Sabrina Speich (links) mit den WEB-Postdocs (von links nach rechts) Marlene Wall, Ivy Frenger, Patricia Handmann, Arielle Imbol, und Michal Grossowicz. Foto: Anja Engel/GEOMAR

Prof. Dr. Sabrina Speich hält die 26. Marie-Tharp-Lecture am GEOMAR.Foto: Anja Engel/GEOMAR

Prof. Dr. Sabrina Speich hält die 26. Marie-Tharp-Lecture am GEOMAR.Foto: Anja Engel/GEOMAR

22.02.2019

Eine gelungene Mischung aus Ozeanbeobachtungen und -modellierung

Prof. Dr. Sabrina Speich hielt 26. Marie-Tharp Lecture for Ocean Research) am GEOMAR.

22.02.2019/Kiel. Der Ozean bedeckt 71 Prozent der Erdoberfläche und ist das vielleicht wichtigste Element unseres Klimasystems. Aufgrund der kontinuierlich ansteigenden Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre  unterliegt auch der Ozean deutlichen Veränderungen. Wo diese Veränderungen stattfinden, wie sie in die Tiefen des Ozeans gelangen und wie sie sich auf das Wetter, das Klima und die Ökosysteme im Meer auswirken, sind Themen der aktuellen Forschung. Prof. Dr. Sabrina Speich von der Ecole Normale Supérieure in Paris untersucht in diesem Zusammenhang vor allem, wie durch verstärkte und koordinierte Ozeanbeobachtungen sowie numerische Simulationen das Verständnis dieser Prozesse zu verbessern ist. Dabei steht insbesondere auch der Nutzen für die Gesellschaft im Mittelpunkt. Diese Woche stellte sie ihre Forschungsarbeiten im Rahmen der Marie-Tharp Lecture Series for Ocean Research am GEOMAR vor.

Prof. Dr. Sabrina Speich studierte zunächst Physik an der Universität in Triest, Italien (Diplom 1989) und promovierte dann 1992 in physikalischer Ozeanographie an der Universität Pierre und Marie Curie in Paris, Frankreich. Danach ging sie als Postdoktorandin zunächst an die UCLA in Los Angeles, USA, ehe sie 1995 als Postdoktorandin ans CNRS nach Paris zurückkehrte. 1995 ging sie als Assistenzprofessorin an die Universität der Westbretagne in Brest, Frankreich, wo sie ab 2009 eine Vollprofessur innehatte. 2014 nahm sie eine Professur für Ozeanographie und Klimawissenschaften an der Ecole Normale Supérieure in Paris an. Im Fokus Ihrer Forschung stehen die Skalen-Wechselwirkungen, insbesondere die Meso- und Submesoskala, im Ozean sowie dessen dynamische Interaktion mit der Atmosphäre.

Besondere Aufmerksamkeit widmet sie den Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Ozeanzirkulation, insbesondere im Atlantik, auf das Erdklima allgemein und auf marine Ökosysteme. Das Besondere bei Prof. Speich ist ihre weltweit hoch anerkannte Expertise nicht nur in der Ozeanmodellierung, sondern auch die Organisation umfangreicher In-Situ-Beobachtungsprogramme. In ihren Forschungsprojekten war sie beispielsweise von Anfang an am internationalen Programm der Argo Profiling Floats beteiligt. Sie koordiniert verschiedene  Beobachtungsprogramme wie GoodHope und BONUS-GoodHope und ist stellvertretende Vorsitzende des Exekutivkomitees der internationalen Initiative South Atlantic Meridional Overturning (SAMOC) und Co-Vorsitzende des Atlantic CLIVAR-Panels. Außerdem ist sie eine der CoPIs des H2020 AtlantOS und der internationalen EREC4A-OA-Projekte und leitet zusammen mit Bill Jones den TAOS-Review (Tropical Atlantic Observing System). Desweiteren ist sie seit 2017 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des GEOMARs.

Im Rahmen der MTLS diskutierte sie, wie sich Messdaten und Simulationen bei der Beobachtung des Ozeans ergänzen, welchen Vorteil eine Kombination beider mit sich bringt und warum die Verbesserung der Ozeanbeobachtungen nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist. Dabei appellierte sie daran, Interessengruppen zu überzeugen, für ein besseres Verständnis der Prozesse, kontinuierliche Beobachtungen im Ozean fortzusetzen und zu einem international koordiniertem Beobachtungssystem, ähnlich dem operationellen Radiosondendatennetz in der Atmosphäre, zu gelangen.

Die „Marie Tharp Lecture Series“ wird vom Women's Executive Board (WEB) des GEOMAR veranstaltet. Dazu lädt das WEB international renommierte Wissenschaftlerinnen ein, die einerseits ihre wissenschaftlichen Arbeiten in Kiel präsentieren, gleichzeitig aber auch als Vorbild für Nachwuchswissenschaftlerinnen dienen. Wie auch bei den vergangenen Vorträgen fand im Anschluss an den öffentlichen Fachvortrag ein Get-Together nur für Wissenschaftlerinnen, erstmals von den Postdoktorandinnen selbst organisiert, statt. Dort können sich junge Forscherinnen mit den erfahreneren Kolleginnen austauschen und mögliche Karrierepfade diskutieren.