Die Preisträgerinnen Dr. Agnes Weiner (li.) und Sinikka Lennartz mit Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Die Preisträgerinnen Dr. Agnes Weiner (li.) und Sinikka Lennartz mit Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Sinikka Lennartz wurde für ihre Auswertung der Zeitserienstation Boknis Eck ausgezeichnet, die sie in ihrem Festvortrag noch einmal vorstellt. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Sinikka Lennartz wurde für ihre Auswertung der Zeitserienstation Boknis Eck ausgezeichnet, die sie in ihrem Festvortrag noch einmal vorstellt. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Dr. Agnes Weiner erhielt den Annette-Barthelt-Preis für ihre Doktorarbeit über kryptische Diversität bei planktischen Foraminiferen. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Dr. Agnes Weiner erhielt den Annette-Barthelt-Preis für ihre Doktorarbeit über kryptische Diversität bei planktischen Foraminiferen. Foto: J. Steffen, GEOMAR

24.04.2015

Neue Einsichten zu Unsichtbarem aus dem Meer

Annette Barthelt-Stiftung zeichnet zwei junge Wissenschaftlerinnen für Arbeiten zu Spurengasen und Mikrofossilien aus

24.04.2015/Kiel. Mit dem Annette Barthelt-Preis zeichnet die gleichnamige Stiftung zum nunmehr 26. Mal den wissenschaftlichen Nachwuchs für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Meeresforschung aus. Die diesjährigen Preisträgerinnen, die am 24. April in einer Feierstunde geehrt werden, stammen vom MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Mit dem Preis erinnert die Stiftung an vier junge Wissenschaftler des damaligen Kieler Instituts für Meereskunde, die am 18. März 1987 bei einem Terroranschlag in Dschibuti ums Leben kamen.

Leider geht es auf unserem Planeten in vielen Regionen alles andere als friedvoll zu. Ob Syrien, Ukraine oder Paris: Fast täglich sterben Menschen irgendwo auf der Welt in Kriegen oder bei Terroranschlägen. Oft sind die Opfer unbeteiligte Zivilisten, wie auch vor 28 Jahren in Dschibuti. Damals explodierte ein Sprengsatz in einem Café in der belebten Altstadt der afrikanischen Hafenstadt. Dreizehn Menschen starben, 41 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten waren auch vier junge Wissenschaftler des damaligen Kieler Instituts für Meereskunde (IfM): Annette Barthelt, Marco Buchalla, Hans-Wilhelm Halbeisen und Daniel Reinschmidt. Weitere Wissenschaftler erlitten schwere Verletzungen, deren Folgen sie bis heute belasten. Sie alle wollten mit dem Forschungsschiff METEOR für eine wissenschaftliche Expedition in den Indischen Ozean gehen. Am Abend vor dem Auslaufen hielten sie sich zufällig in dem Café auf und wurden so Opfer des Anschlags.

Zum Gedenken an die Tat gründeten Überlebende, Angehörige und Freunde die Annette Barthelt-Stiftung e.V. Sie hat zum Ziel, einerseits die Problematik des Terrorismus sowie seine Folgen für die Betroffenen und für die Gesellschaft öffentlich darzustellen. Andererseits fördert sie herausragende wissenschaftliche Arbeiten junger Meeresforscher, die auf Schiffsexpeditionen beruhen. „Letztendlich sind Bildung und Wissen auch wichtige Schutzmechanismen vor Fanatismus und Gewalt“, sagt Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo, Vorsitzender der Stiftung.

Die Preisträger 2015 kommen vom MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Frau Dr. Agnes Weiner erhält den Preis für ihre Dissertation „Genetic diversity, biogeography and the morpho-genetic relationship in extant planktonic foraminifera“, die sie im Fachbereich Geowissenschaften an der Universität Bremen eingereicht hat. Die Arbeit wurde an der Universität Tübingen und am MARUM in Bremen durchgeführt und von Prof. Dr. Michal Kucera betreut. Frau Weiner hat sich mit der Diversität, Verbreitung und Evolution planktonischer Foraminiferen beschäftigt. Foraminiferen sind mikroskopische kleine, einzellige ein Kalkgehäuse bildende, tierische Organismen. Dabei hat sie mit Hilfe von molekulargenetischen Untersuchungen gezeigt, dass einige Arten kryptische Arten sind, die sich morphologisch nicht, genetisch aber sehr wohl unterscheiden, während andere Arten sehr konservativ sind und auch über weite geographische Distanzen und Tiefen unverändert bleiben. Sie hat außerdem nachgewiesen, dass Artbildung auf engstem geografischem Raum über die Tiefenzonierung stattfinden kann, z.B. innerhalb der Wassersäule im oberen Pelagial und in der Tiefsee. Frau Weiner ist zur Zeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am MARUM, Universität Bremen.

Die zweite Preisträgerin in diesem Jahr ist Frau Sinikka Lennartz, die für ihre Masterarbeit mit dem Titel “Time Series Analysis and Development of a 1D Box Model to Simulate Trace Gas Concentrations at the Time Series Station Boknis Eck, Baltic Sea”, ausgezeichnet wird. Die Arbeit, die sie an der Technischen Universität Braunschweig eingereicht hat, wurde am GEOMAR durchgeführt und von Prof. Dr. Herrmann Bange (GEOMAR) und Prof. Dr. Harald Biester (TU Braunschweig) betreut. Frau Lennartz hat Langzeittrends an der Zeitserienstation Boknis Eck (südwestliche Ostsee) im Zeitraum 1957-2013 statistisch ausgewertet. Außerdem hat sie ein Modell zur Simulation der Spurengaskonzentrationen von Methan und Lachgas im Oberflächenwasser erstellt. Aufgrund ihrer Ergebnisse deutet vieles darauf hin, dass die klimarelevanten Spurengase Methan und Lachgas zukünftig verstärkt emittiert werden könnten. Frau Lennartz ist derzeit Doktorandin am GEOMAR.

Die Preise sind mit einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsstipendium in Höhe von jeweils 3.000 Euro verbunden. Beide Preisträger stellen ihre Arbeiten im Rahmen des Festaktes vor.

Im Rahmen der Preisverleihung wird Prof. Dr. Thorsten Reusch vom GEOMAR in seinem Festvortrag auf die Bedeutung und Zukunft der marinen Aquakultur als Element der Ernährung der Weltbevölkerung geben.

 

Bildmaterial in höherer Auflösung:
Die Preisträgerinnen Dr. Agnes Weiner (li.) und Sinikka Lennartz mit Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Kontakt:
Dr. Andreas Villwock (Kommunikation & Medien), Tel: 0431-600-2802, presse(at)geomar.de 

 

 

Dateien:
pm_2015_18_Annette-Barthelt-Preis.pdf45 K