F. S. "POSEIDON" Vorgeschichte, Bau und Ausrüstung

Die "POSEIDON" ist das zweite deutsche Forschungsschiff mit diesem Namen. Von 1902-1945 war der Reichsforschungsdampfer "Poseidon" im Einsatz, hauptsächlich für Fischereiforschung in den europäischen Schelfmeeren bis zur Barentsee. 

Die Vermehrung der Forschungsaufgaben des Instituts für Meereskunde  (jetzt  GEOMAR) in den 60er Jahren führte zu einer Steigerung der Aktivitäten auf hoher See, denen der Forschungskutter "ALKOR" - vor allem im Nordseebereich - allein bald nicht mehr gewachsen war. Daher wurden schon bald Überlegungen angestellt, einen Schiffstyp zu entwickeln, der in Bezug auf Größe und Leistungsfähigkeit zwischen den Forschungskuttern und den großen Schiffen (wie "Meteor", "Anton Dohrn" etc.) einzuordnen war. Die ursprüngliche Absicht, drei gleiche Forschungsschiffe für verschiedene Institute in Serie zu bauen, scheiterte, so daß schließlich zwei Schiffe unterschiedlicher Bauart bei der Schichau Unterweser AG (SUAG) in Bremerhaven in Auftrag gegeben wurden, nämlich die "Victor Hensen" für das Institut für Meeresforschung in Bremerhaven und am 10.9.1974 die "Poseidon" für das Institut für Meereskunde Kiel (jetzt GEOMAR). Dies geschah nach gründlicher Vorarbeit in zahlreichen Besprechungen mehrerer Kommissionen in enger Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Schiffs- und Maschinentechnik (ZSM) in Hamburg, die auch den Bauauftrag erteilte. 

Die Investitionskosten wurden zu 90% durch den Bundesminister für Forschung und Technologie (BMFT) und zu 10% durch das Land Schleswig-Holstein gedeckt. In den Bau der "Poseidon" flossen die Erfahrungen ein, die bei vorhergehenden Schiffsneubauten (vor allem "METEOR") durch die ZSM gesammelt worden waren. Sie wurden durch moderne Technologien ergänzt, so daß dieses Schiff zur damaligen Zeit den letzten Stand der Schiffsbau- und Geräteentwicklung verkörperte. 

Das Schiff ist nach der höchsten Klasse des Germanischen Lloyd und für zeitweise unbesetzten Maschinenraum konzipiert. Es ist als Einabteilungsschiff gebaut und genügt in allen zulässigen Beladungszuständen den hohen Stabilitätsanforderungen. Es besitzt eine sehr wirksame Flossenstabilisierung, die einen Einsatz auch bei Starkwindwetterlagen erlaubt. Durch ein Gillruder wird eine sehr gute Manövrierfähigkeit erreicht. Die dieselelektrische Maschinenanlage wurde mit einer modernen Thyristor-Steuerung versehen. Ursprünglich besaß "Poseidon" zwei MWM-Hauptmaschinen, später wurde wegen der Erweiterung des Einsatzbereiches des Schiffes eine dritte Maschine nachgerüstet. 

Besonderer Wert wurde auf eine gute Schall- und Wärmeisolierung gelegt, so daß der Schallpegel in den Schiffsräumen sehr niedrig liegt. Zur Durchführung der wissenschaftlichen Arbeiten erhielt das Schiff eine moderne Ausrüstung mit einer Vielzahl von Spezialgeräten, wie z.B. einen ausfahrbaren Kragarm, 7 Winden, 2 Kräne und einen schwenkbaren Heckgalgen für 5 t Last sowie eine vielseitig verwendbare Kompakt-Echolotanlage mit Sedimentlot. Die ursprüngliche nautische Ausrüstung ist inzwischen durch eine Satelliten-Empfangsanlage ergänzt worden. Den Forschungsarbeiten dienen 5 Laborräume mit GPS, Inmarsat und e-mail; für die medizinische Betreuung gibt es ein Bordhospital, ein Arzt steht aber nur bei besonderer Anforderung zur Verfügung. 

Für die Einsätze im Tiefseebereich des Atlantiks wurde das Schiff zu Beginn der 80er Jahre mit den entsprechenden Zusatzeinrichtungen versehen. In den letzten Jahren operierte das Schiff fast ausschließlich im Nordatlantik und im Mittelmeer. Die ursprünglichen Arbeitsgebiete wurden 1990 (mit Ausnahme der schweren Geologie) in den europäischen Schelfmeeren von der neuen "ALKOR" übernommen. 

Am 29.03.1999 überquerte die "POSEIDON" im Rahmen eines längeren Einsatzes vor Namibia erstmals den Äquator.