KOSMOS Mesokosmen zur Erforschung der Ozeanversauerung im subtropischen Atlantik vor Gran Canaria. Foto: Ulf Riebesell

Bild des Monats: Juli 2019

Mesokosmen im Einsatz

Unser Bild des Monats zeigt sechs der insgesamt neun KOSMOS-Mesokosmen (Kiel Off-Shore Mesocosms für Ocean Simulations), die am GEOMAR entwickelt wurden und seit 2010 in verschiedenen Meeresregionen im Einsatz sind. Sie befinden sich hier im subtropischen Nord-Atlantik vor der Küste Gran Canarias. Dort forschte 2014 ein internationales Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen des Projekts „Biological Impacts of Ocean Acidification“ (BIOACID).


Die von den Auftriebskörpern gehaltenen 20 Meter langen und 2 m im Durchmesser messenden Kunststoffschläuche muten wie übergroße Reagenzgläser an. Mit dem noch offenen unteren Ende voran werden sie ins Wasser abgelassen. Erst wenn der Kunststoffsack vollständig ausgefaltet im Wasser hängt, werden sie unten mit Sedimentfallen verschlossen. So umschließen sie eine Wassersäule von 55 Kubikmetern, mit allen darin befindlichen Organismen. In den Mesokosmen können Veränderungen unterschiedlicher Umweltfaktoren simuliert und deren Auswirkungen auf die marinen Lebensgemeinschaften untersucht werden.


In Fokus dieses Projekts, das von Ulf Riebesell, Professor für Biologische Ozeanographie am GEOMAR, geleitet wurde, stand die Ozeanversauerung. Aufgrund des erhöhten CO2-Gehalts in der Atmosphäre löst sich immer mehr von diesem Gas auch im Ozean, wodurch dessen pH-Wert sinkt. Dies wirkt sich nachteilig auf viele Organismen aus, mit der Folge, dass sie sich in ihrer ökologischen Nische nicht mehr behaupten können. Andere Arten, zu denen auch einige toxische Algen gehören, profitieren hingegen von einer Versauerung der Meere. Die damit einhergehenden Veränderungen der marinen Ökosysteme betreffen letztlich auch uns Menschen.
Mithilfe der Riesen-Reagenzgläser wird aktuell vor Gran Canaria auch künstlicher Auftrieb von nährstoffreichem Tiefenwasser simuliert. Der Auftrieb des Tiefenwassers fördert das Wachstum von pflanzlichem Plankton an der Basis der marinen Nahrungskette. Das Projekt Ocean artUp (Ocean Artificial Upwelling), das seit 2017 vom Europäischen Forschungsrat mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird, geht der Frage nach, wie effizient das zusätzliche Algenwachstum in der Nahrungskette genutzt wird. Ein besonderes Augenmerk der Forscherinnen und Forscher von Ocean artUp liegt auch darauf, mögliche Risiken und Nebenwirkungen von künstlichem Auftrieb auf die natürlichen Lebensgemeinschaften zu identifizieren und abzuschätzen.


Durch den künstlichen Auftrieb könnten sogenannte „blaue Wüsten“ im Ozean natürlich gedüngt und diese nährstoffarmen Gebiete für die Fischerei nutzbar gemacht werden. Dies könnte helfen, den Fischereidruck auf bereits überfischte Bestände zu verringern. Angesichts einer stetig wachsenden Weltbevölkerung könnte dieser Ansatz auch dazu beitragen, tierisches Protein mithilfe erneuerbarer Energien ohne zusätzlichen Bedarf an künstlichen Nährstoffen und kostbarem Trinkwasser zu erzeugen.

 

Weitere Informationen:


Ozeanversauerung:
https://www.geomar.de/de/news/article/ozeanversauerung-das-andere-co2-problem/
https://www.oceanacidification.de/


KOSMOS:
https://www.geomar.de/en/research/fb2/fb2-bi/infrastructure/kosmos-kiel-off-shore-mesocosms-for-oceanographic-studies/
https://www.geomar.de/de/entdecken/artikel/article/versauerung-im-atlantik
https://www.geomar.de/de/news/article/tiefenwasser-spritze-fuer-eine-lebensgemeinschaft-im-wandel/
https://www.oceanblogs.org/kosmos2014gc/


Ocean artUp:
https://www.geomar.de/de/news/article/prof-ulf-riebesell-mit-forschungsfoerderung-des-europaeischen-forschungsrates-ausgezeichnet/
https://www.geomar.de/de/forschen/aktuelle-projekte/detailansicht/prj/99900050/
https://www.geomar.de/en/research/fb2/fb2-bi/research-topics/ocean-artificial-upwelling/
https://ocean-artup.eu/

<- Zurück zu: Entdecken

Während ihres Einsatzes werden die Meskosmen regelmäßig kontrolliert. Foto: Michael Sswat

Während ihres Einsatzes werden die Meskosmen regelmäßig kontrolliert. Foto: Michael Sswat

Beim Ausbringen der Meskosmen sind viele Menschen beteiligt, um sie sicher am richigen Ort zu platzieren. Foto: Silke Lischka

Beim Ausbringen der Meskosmen sind viele Menschen beteiligt, um sie sicher am richigen Ort zu platzieren. Foto: Silke Lischka