Das bemannte Tauchboot JAGO im Einsatz zur Erforschung der biologischen Vielfalt und Ökologie der Tiefsee um Kap Verde während der Expedition POS520. Foto: Uli Kunz / Submaris

Bild des Monats: Juni 2019

Mit JAGO auf Tauchgang

Unser Bild des Monats zeigt das Tauchboot JAGO im saphirblauen Wasser des tropischen Atlantiks. Dort, vor der kapverdischen Küste, begleitete es im Februar 2018 die Forschungsfahrt POS520. Dr. Henk-Jan T. Hoving (GEOMAR), der hinter dem großen Acrylglasfenster zu erkennen ist, leitete die Fahrt. JAGO ist schon seit 1989 im Einsatz und das einzige bemannte Forschungstauchboot in ganz Deutschland. Mit seiner Hilfe können Proben sowohl nahe dem Meeresboden als auch in der Wassersäule genommen werden.  Vor allem aber ermöglicht es JAGO den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, ihre Forschungsobjekte ganz nah und in ihrem natürlichen Lebensraum zu studieren. Dies erweitert nicht nur die Kenntnisse der Forschung über das Verhalten der Tiere im Ozean, sondern stellt auch ein einzigartiges Erlebnis dar. Das Team der POS520, das vor allem in der pelagischen Tiefsee, das heißt in der Wassersäule des offenen Ozeans, vor Kap Verde forschte, nutzte das Tauchboot daher sehr oft.


Die Ökosysteme des Pelagials sind bislang kaum erforscht, da dieses Gebiet sehr groß und die Forschung in der Tiefsee besonders herausfordernd ist. Die Region vor den Kapverden bildet aufgrund der nahe an der Küste beginnenden Tiefsee allerdings eine Ausnahme. Doch auch seine Bewohner sind sehr mobil, ausgesprochen klein oder weisen eine besonders empfindliche Körperstruktur auf. Darum hatte das JAGO-Team speziell für diesen Einsatz zwei neue Systeme zur Probennahme entwickelt, eine Saugpumpe und einen Sammelzylinder, mit denen die Organismen unversehrt aus dem Wasser gesammelt werden können. Diese Systeme sind besonders geeignet für das Sammeln von gelatinösem Zooplankton. Unter den so untersuchten Lebewesen konnte das Team der Expedition erstmals detaillierte Beobachtungen und Aufzeichnungen der Rippenqualle Kiyohimea usagi im Atlantik vornehmen. Bis dahin wurde angenommen, das Tier lebe ausschließlich im Pazifik. Auch andere Arten, wie der durchsichtige Flohkrebs der Spezies Leptocotis, der das Innere seiner Wirte vollständig auffrisst, konnten aufgrund der behutsamen Sammelmethode genauer erforscht werden.


Ein Kranzwasserschöpfer nahm aus verschiedenen Tiefen und zu verschiedenen Tageszeiten Wasserproben, die gefiltert wurden, um eDNA (environmental DNA) daraus zu erhalten. eDNA sind Spuren von Lebewesen im Wasser (Schuppen, Zellen oder anderes organisches Material), die die genetische Identifikation von Lebewesen erlaubt, welche sich an einem vergangenen Zeitpunkt im Wasser aufgehalten haben. Diese Lebewesen zu beobachten oder gar zu fangen ist für den Nachweis ihres Vorkommens also nicht mehr nötig. Daten aus eDNA-Analysen können später mit den Beobachtungen und Netzfängen von JAGO verglichen werden. Die Untersuchungen mit dem bemannten Tauchboot helfen dabei, Gemeinschaften in der tiefen pelagischen Zone, von denen viele aufgrund ihrer fragilen Natur nicht von Netzen erfasst werden können, zu verstehen. Jeder Tauchgang mit JAGO hilft so den Forschern, die Biodiversität und Ökologie noch unbekannter Lebensräume der Tiefsee besser kennenzulernen.


Weitere Informationen:

http://www.oceanblogs.org/capeverde/

https://www.geomar.de/zentrum/einrichtungen/tlz/jago/uebersicht/

https://www.geomar.de/e346580

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Die Rippenqualle Kiyohimea usagi. Foto: Henk-Jan T. Hoving / GEOMAR

Die Rippenqualle Kiyohimea usagi. Foto: Henk-Jan T. Hoving / GEOMAR