Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo. Foto: M. Nicolai, GEOMAR.

Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo. Foto: M. Nicolai, GEOMAR.

25.04.2014

Der fränkische Korallenversteher

Kieler Geologe Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo feiert 60. Geburtstag

25.04.2014/Kiel. Seine wissenschaftliche Karriere startete der Geologe Wolf-Christian Dullo weit ab vom Meer im fränkischen Nürnberg. Doch seit mehr als 20 Jahren erforscht er insbesondere Korallen, die eines der wichtigsten marinen Klimaarchive darstellen. Viele neue Erkenntnisse über die Geschichte unseres Planeten konnte Prof. Dullo daraus gewinnen. Am 24. April feiert der Professor für Paläo-Ozeanographie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass findet heute an der Kieler Meeresforschungseinrichtung ein Festkolloquium mit zahlreichen Weggefährten aus aller Welt statt.

Meer gibt es auch an Land, jedenfalls ehemaligen Meeresboden, der aus Ablagerungen am Grund früherer Ozeane gebildet wurde. Ob Kreide, Schiefer oder Rotliegendes, alle diese Gesteine stammen aus dem Meer. Insofern ist der Weg zum Meer für einen fränkischen Geologen wie Wolf-Christian Dullo auch nicht weit: Die Gegend um Nürnberg, in der er aufwuchs, besteht aus ehemaligem Meeresboden.

Christian Dullo studierte zunächst  an der Universität Erlangen-Nürnberg Geologie, Petrographie und Paläontologie und setzte seine akademische Laufbahn zunächst auch dort fort. 1991 wurde er zum Professor für Paläo-Ozeanographie am Forschungszentrum für marine Geowissenschaften GEOMAR der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, einem der Vorläuferinstitute des heutigen GEOMAR, berufen. Seit mehr als 20 Jahren erforscht er von der Basis Kiel aus die Meere. Über 20 große Expeditionen in allen Weltmeeren, darunter viele unter seiner Leitung, unternahm er in seinem bisherigen Wissenschaftlerleben. 

Insbesondere die Klimaarchive in Meeressedimenten und vor allem in Korallen sind sein Spezialgebiet. In ihrem Kalkskelett speichern diese zum Teil sehr langlebigen Meeresorganismen Informationen über Umweltbedingungen vergangener Zeiten, lange bevor es Wetteraufzeichnungen heutiger Art gab. Mit Hilfe komplizierter analytischer Verfahren gelang es Dullo, aus dem Kalk der Korallen viele neue Erkenntnisse über natürliche Klimaschwankungen in der Erdgeschichte zu gewinnen. Dabei arbeitete er besonders intensiv mit Kollegen am Centre Européen de Recherche et d’Enseignement des Géosciences de l’Environnement, Aix en Provence, Frankreich zusammen, wo er mehrere Forschungsaufenthalte verbrachte. „Moderne Forschung ist heute fast immer ein Gemeinschaftswerk vieler Wissenschaftler“, erläutert Christian Dullo. „Neben den wissenschaftlichen Inhalten ist es deshalb auch immer eine besondere Herausforderung, Menschen unterschiedlicher Disziplinen und Nationen zusammenzubringen, um so das Wissen über das System Erde zu vermehren“, so Dullo weiter. Für seine Forschungsarbeiten wurde Dullo 2002 mit dem renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

„Professor Dullo ist nicht nur ein international anerkannter und renommierter Paläoozeanograph, er hat sich insbesondere auch um die Weiterentwicklung der Kieler Meeresforschung verdient gemacht“, sagt Prof. Dr. Peter Herzig, Direktor des GEOMAR in seiner Würdigung. „Christian Dullo hat in seiner Zeit als Direktor des Forschungszentrums für Marine Geowissenschaften die Fusion der beiden Meeresforschungsinstitute vorbereitet und so die Basis für das heutige GEOMAR gelegt“, so Herzig weiter.

Neben der Forschung ist Professor Dullo auch seit Jahrzehnten stark in der Lehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel aktiv. Seine Exkursionen in die Schweiz sind bei Generationen von Studenten legendär. „Dort kann man nicht nur Gebirgsfaltung mit Gesteinsformationen aus verschiedensten Erdzeitaltern auf engstem Raum studieren, hier liegt auch das Geschichtsbuch der Meere aufgeblättert vor und lässt sich viel einfacher studieren, als in die Tiefsee vorzudringen“, erzählt Dullo.

Der 60. Geburtstag, den Dullo heute im Rahmen eines Festkolloquiums mit zahlreichen Weggefährten aus aller Welt am GEOMAR feiert, ist natürlich ein Anlass zurückzublicken. Aber für den Korallenforscher ist dies nur eine Zwischenetappe. „Es gibt noch viel zu entdecken und zu enträtseln. Und solange es mir Spaß macht, werde ich meiner Neugier nachgehen und weiter forschen. Darauf freue ich mich!“

Kontakt:
Dr. Andreas Villwock (Kommunikation & Medien), Tel: 0431-600-2802, avillwock(at)geomar.de

Dateien:
pm_2014_23_dullo.pdf167 K