Prof. Dr. Ulrich Sommer. Foto: Jan Steffen/GEOMAR

Prof. Dr. Ulrich Sommer. Foto: Jan Steffen/GEOMAR

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums "Aquatic Community Ecology" zu Ehren von Ulrich Sommer. Foto: Jan Steffen/GEOMAR

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums "Aquatic Community Ecology" zu Ehren von Ulrich Sommer. Foto: Jan Steffen/GEOMAR

26.09.2018

Der lange Weg vom Süß- zum Salzwasserbiologen

Prof. Ulrich Sommer geht in den Ruhestand

26.09.2018/Kiel. Mehr als vier Jahrzehnte hat sich Ulrich Sommer mit biologischen Prozessen in Gewässern beschäftigt. Dabei wechselte der österreichische Biologe erst im Laufe seiner Karriere von Süßwasserhabitaten zur Meeresforschung. Der seit 1994 am GEOMAR tätige Professor wird heute mit einem wissenschaftlichen Kolloquium in den Ruhestand verabschiedet.

Wie kommt ein Wiener zur Meeresforschung an die Kieler Förde? Für Ulrich Sommer war dies ein langer Weg. Zunächst studierte er Biologie in Wien und promovierte mit einer Studie zur Primärproduktion benthischer Mikroalgen, die er am Neusiedler See durchführte. In den 80er Jahre arbeitete er am Bodensee und habilitierte sich 1985 in Konstanz. Dann zog es ihn weiter nordwärts an das damaligeMax-Planck-Institut für Limnologie (heute Evolutionsbiologie) in Plön. Das Meer war in Schlagweite, und er nahm auch an Expeditionen mit der Polarstern in die Antarktis teil. 1991 kam dann mit einem Ruf an das Institut für Chemie und Biologie des Meeres in Oldenburg der endgültige Wechsel in die Meeresforschung. 1994 folgte er dann einem Ruf an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und an das damalige Institut für Meereskunde. Im heutigen GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel leitete er über viele Jahre den Forschungsbereich Marine Ökologie.  

Professor Ulrich Sommer hat fünf Bücher und 220 Artikel in internationalen Fachzeitschriften publiziert, die mehr als 10.000-mal zitiert wurden, allein 830-mal im letzten Jahr. Er hat 57 Diplom- und Masterarbeiten, 38 Doktorarbeiten und 6 Habilitationen betreut.

Im Zentrum seiner Forschung standen Ökosysteme, sowohl im limnischen als auch marinen Bereich. Wie wirkt sich Konkurrenz um Nährstoffe und Licht auf die Koexistenz verschiedener Arten aus? Wie funktioniert ein Nahrungsnetz im Wasser? Wie verändert sich das Zusammenspiel der dort lebenden Arten bei Veränderungen der Randbedingungen, wie zum Beispiel im Klimawandel? Warum setzen sich einige eingewanderte Arten durch, andere aber nicht? Schwerpunktmäßig dienten Phyto- und Zooplankton, aber auch benthische Mikroalgen als Modellorganismen für die Beantwortung dieser Fragestellungen. 

In seinen Arbeiten zeigte Ulrich Sommer, dass die zeitliche Variabilität der Umweltbedingungen ein wesentlicher Faktor für die dauerhafte Koexistenz konkurrierender Arten ist. Der Typus phytoplanktonfressender Zooplankter ist entscheidend für die Größenstruktur des Phytoplanktons und unter globaler Erwärmung werden die Plankter kleiner, die Phytoplanktonbiomasse nimmt ab und die Nahrungsbasis der pelagischen Fische vermindert sich daher unter den Bedingungen globaler Klimaerwärmung. 

Mit einem wissenschaftlichen Workshop mit 10 Vortragenden aus fünf Ländern wird das Wirken von Professor Sommer noch einmal gewürdigt. Ehemalige Doktoranden und Postdocs sowie auswärtige Kooperationspartner präsentieren Beispiele, wie Ökosysteme im Wasser durch die Wechselwirkungen zwischen Organismen gestaltet werden und diskutieren diese mit ihrem ehemaligen Mentor.

„Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. Es macht mich auch ein wenig stolz zu sehen, dass sie ihren Weg in der Wissenschaft gefunden haben und nun ihrerseits eine neue Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ausbilden“, sagt Professor Sommer. Er wird als Herausgeber der Zeitschrift „Marine Biology“, Kuratoriumsvorsitzender des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie und Beiratsmitglied des Hanse-Wissenschaftskollegs weiterhin der Forschung verbunden bleiben. 

Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de

Dateien:
pm_2018_60_sommer.pdf121 K