Meerforelle. Foto: Matthias Paulsen.

Meerforelle. Foto: Matthias Paulsen.

Gekennzeichneter Fisch mit Schreibung. Foto: C. Petereit, GEOMAR.

Gekennzeichneter Fisch mit Schreibung. Foto: C. Petereit, GEOMAR.

11.05.2018

Ein fetter Fang für die Forschung

Markierte Meerforelle aus Schleswig-Holstein beißt vor Ærø an

11.05.2018/Kiel. Die Meerforelle ist von Hobbyanglern und Berufsfischern gleichermaßen begehrt. Um die Bestände besser managen zu können, finanziert das Land Schleswig-Holstein am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ein Projekt, das unter anderem die Lebenszyklen und Wanderungsbewegungen der Fische detailliert untersucht. Jetzt wurde erstmals eine nahe der Geltinger Bucht markierte Meerforelle vor der dänischen Insel Ærø gefangen.

Zwar verdeckten nur wenige Wolken die Sonne, aber aus Ostnordost fegte ein kalter Wind über die dänische Insel Ærø, als dort am 12. April 2018 ein Angler am Strand nahe der Stadt Søby seine Köder auswarf. Ob er viel Geduld benötigte, ist nicht bekannt. Doch irgendwann im Laufe dieses Tages biss sie an: Eine wohlgenährte Meerforelle, 43 cm lang und etwa einen Kilogramm schwer. Dass der Angler mit diesem Fang ganz nebenbei auch die Wissenschaft voranbringen würde, hat er wohl nicht geahnt. Dann entdeckte er am Körper des Fisches eine kleine nummerierte Plastikmarkierung. Darauf stand die Kontaktadresse von Dr. Christoph Petereit am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Zusätzlich fand er im Körper des Fischs einen winzigen Transponder. „Es handelt sich um eine der Meerforellen, die wir noch im Jugendstadium in der Lipping Au nahe der Geltinger Bucht untersucht und markiert haben“, erklärt Dr. Petereit, „das ist das erste Mal, dass ein von uns markierter Fische in Dänemark gefangen und uns gemeldet wurde“.

Die Untersuchungen und Markierungen in der Lipping Au und anderen Schleswig-Holsteinischen Fließgewässern sind Teil eines Projekts, das helfen soll, die Bestände der Meerforellen besser zu managen. Meerforellen spielen eine bedeutende Rolle für die küstennahe Stellnetz- aber auch die Sportfischerei in der Ostsee. Seit 2015 finanziert das Schleswig-Holsteinische Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung die Forschungen von Dr. Petereit aus der allgemeinen Fischereiabgabe Schleswig-Holsteins.

Meerforellen laichen in Flüssen und Bächen entlang der Ostseeküste ab. Weil ihr natürlicher Lebensraum durch menschliche Aktivitäten stark reduziert wurde und sie zudem eine große wirtschaftliche Bedeutung haben, werden Meerforellen aber auch künstlich erbrütet und als Brütling oder einjährige Jungtiere in einigen Bächen und Flüssen besetzt. In beiden Fällen bleiben die Fische ein oder mehrere Jahre in den Fließgewässern, bis sie in das Meer abwandern. Mehrmals im Verlauf ihres Lebens können sie zurück in die Flüsse kommen, um dort erneut für Nachwuchs zu sorgen. 

„In einigen der Besatz- und Laichgewässern zählen wir regelmäßig die Bestände der Jungfische. Die nach ein- bis dreijähriger Süßwasserphase abwandernden Individuen nennt man Smolts. Die fangen wir in speziellen Fallen und statten sie mit passiven Transpondern aus. Diese elektronischen Chips sind 23 Millimeter lang und vier Millimeter dick. Jedes Mal, wenn ein Fisch mit einem Transponder an der von uns installierten elektronischen Registrierstation vorbei schwimmt, erhalten wir ein Signal“, erklärt Dr. Petereit. 

Der auf Ærø gefangene Fisch stammte aus einer Fischzucht und wurde im März 2017 in der Lipping Au ausgesetzt. Anfang April 2017 ging er den Kieler Forschern in die Smoltfalle und erhielt den Transponder, bevor er wieder in die Au entlassen wurde. Bis August 2017 blieb er offenbar in der Au, denn er passierte die dort aufgestellte Registrierstation mehr als 20.000-mal. Anschließend wanderte die Meerforelle in die Ostsee, kehrte aber im Oktober schon in die Lipping Au zum Laichen zurück. Im Dezember 2017 lieferte sie auf dem Rückweg in die Ostsee das letzte Signal an der Station Lipping Au. 

„Schon aus den vielen Daten von diesem einzelnen Fisch lassen sich neue Erkenntnisse über das Verhalten von Meerforellen gewinnen. Aber wir hoffen natürlich auf mehr Meldungen. Je mehr Informationen wir über den Verbleib der erwachsenen Exemplare erhalten, desto besser lernen wir ihre Lebensweise kennen. Und desto genauer werden die Informationen, die für ein nachhaltiges Management dieser Fischart dringend gebraucht werden“, betont Dr. Petereit. 

Deshalb bittet er Fischer und Angler gleichermaßen bei gefangenen Meerforellen darauf zu achten, ob sie die kleinen Transponder enthalten. „Wenn ja, bitte bei uns melden, möglichst mit Datum, Position und Größe des Fangs“, sagt der Fischereibiologe. Die Kontaktadresse lautet cpetereit(at)geomar.de.

Kontakt:

Jan Steffen (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2811, presse(at)geomar.de