Andere Kultur, anderes Klima - Forschung zur Küstenökologie in Indonesien sieht manchmal anders aus als in Deutschland. GAME-Teilnehmer lernen mit diesen Unterschieden und miteinander zurecht zu kommen. Foto: GAME
Charles Wai Lug Ma aus Hongkong untersuchte im Sommer 2010 im Rahmen von GAME die Stressresistenz der Grünlippmuschel Perna viridis im Mündungsdelta des chinesischen Perflusses. Die Ergebnisse seiner Arbeit flossen in die globale GAME-Studie ein. Foto: privat
Zu den Gratulanten gehörte auch Dr. Joao Canning Clode aus Portugal. Er hat 2004 an GAME teilgenommen und anschließend in Kiel promoviert. Als Postdoc am Smithsonian Environmental Research Center in Maryland (USA) übernahm er selbst die Betreuung von GAME-Studenten. "GAME changed my live", sagte er während der Feierstunde. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Forschung und Wissenstransfer weltweit

Einzigartiges Studien- und Forschungsprogramm GAME feiert 10. Geburtstag

07.12.2012/Kiel. Studenten der Meeresbiologie forschen für ihre Abschlussarbeiten an globalen Fragestellungen, lernen dabei Kommilitonen aus anderen Ländern und Kulturkreisen kennen, sammeln erste Erfahrungen bei Feldarbeit in fremden Umgebungen und tragen zu einem umfassenden Verständnis ökologischer Zusammenhänge an den Küsten aller Weltmeere bei – all das umfasst das Studien- und Forschungsprogramm GAME am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Heute feiert es seinen 10. Geburtstag.

Der Rückgang der Artenvielfalt, die Invasion einzelner Arten in fremde Ökosysteme oder die Belastung der Meere mit Plastikmüll – fast alle aktuell zu beobachtenden Umweltveränderungen sind nicht regional begrenzt, sondern betreffen den tropischen Pazifik genauso wie den Nordatlantik oder auch die Ostsee. Um Folgen und Auswirkungen dieser Entwicklungen abschätzen zu können, sind daher weltweit vergleichbare Untersuchungen notwendig. Schon vor mehr als zehn Jahren plante der Kieler Meeresökologe Professor Martin Wahl deshalb ein Projekt, bei dem er parallel durchgeführte regionale Studien rund um den Erdball zu einer Gesamtstudie verbinden wollte. Doch zunächst trat Ernüchterung ein: Die angesprochenen Fachkollegen waren oft so stark in nationale Forschungsprogramme eingebunden, dass sie kaum Zeit für den Kieler Vorschlag hatten. Professor Wahl überlegte sich eine andere Lösung: „Studenten sind zeitlich flexibel, sie sind motiviert und hungrig nach Erkenntnissen. Nur beim Geld mangelt es. Wenn wir also Studenten Forschungsaufenthalte in fremden Ländern finanzieren, können sie die notwendigen Experimente rund um den Globus durchführen.“ Aus dieser Idee entstand 2002 das einzigartige Studien- und Forschungsprogramm GAME (Globaler Ansatz durch Modulare Experimente) am damaligen Institut für Meereskunde in Kiel. Heute feierte es als fester Bestandteil des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel seinen zehnten Geburtstag.

Der Ablauf ist mittlerweile bewährt: Jedes Jahr steht GAME unter einem Schwerpunkthema. 2012 war es die Stressresistenz invasiver Arten, 2013 wird es die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll sein. Jeweils im Frühjahr treffen sich bis zu zehn Studierende der Meeresbiologie oder verwandter Fächer aus Deutschland und noch einmal so viele aus den Partnerländern am GEOMAR in Kiel. „Uns war von Anfang an wichtig, nicht nur mit Partnerinstituten in Industrieländern zusammenzuarbeiten, sondern auch Studenten aus sogenannten Schwellenländern wie Indonesien oder Trinidad und Tobago einzubeziehen“, erklärt GAME-Koordinator Dr. Mark Lenz. Alle Teilnehmer bereiten gemeinsam die Experimente zum jeweiligen Schwerpunktthema vor. Nach dem einmonatigen Einführungskurs reisen sie jeweils zu zweit in die Partnerländer und führen dort fünf bis sechs Monate lang die vorbereiteten Experimente durch.

Im Herbst kehren alle Teilnehmer wieder nach Kiel zurück und werten die Ergebnisse gemeinsam aus. Schließlich schreiben die Teilnehmer über ihr Experiment eine Master- oder Diplomarbeit. Mehr als 140 Studierende haben so bereits einen Studienabschluss erlangt. Zusätzlich sind dabei 40 Artikel in internationalen Fachzeitschriften entstanden. Zum GAME-Netzwerk gehören mittlerweile 34 Institute in 25 Ländern. Seit 2010 übernehmen mehrere Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen als Sponsoren, zusammen mit dem GEOMAR, die Finanzierung des Programms. Ein Kuratorium bestehend aus Vertretern von Politik, Gesellschaft und Forschung begleitet GAME als Beratergremium.

Im Rahmen eines Festaktes gratulierten heute Kollegen, Förderer, ehemalige, aktuelle und zukünftige Teilnehmer sowie die Kuratoriumsmitglieder dem Programm zum Geburtstag, darunter auch GEOMAR-Direktor Professor Peter Herzig. „Bei GAME können Studenten noch vor dem Master-Abschluss internationale Erfahrungen sammeln. Das ist gerade in einem so international ausgerichteten Wissenschaftszweig wie der Meeresforschung von unschätzbarem Wert für die spätere Karriere“, betonte er.

Kuratoriumsmitglied Nikolaus Gelpke, Meeresbiologe und Herausgeber der Zeitschrift „mare“, ergänzte: „GAME hat mich überzeugt, weil es eine ernsthafte und nachhaltige Form des Wissenstransfers in sogenannte Schwellenländer darstellt. Darüber hinaus schärft das Programm das Bewusstsein junger Wissenschaftler in Deutschland für die Problemstellungen in den Partnerländern.“

Und Kiels Stadtrat Wolfgang Röttgers fasste zusammen: „Das internationale Forschungs- und Ausbildungsprogramm GAME steht für eine Erfolgsgeschichte made in Kiel“

Professor Martin Wahl bedankte sich während der Feierstunde bei allen Förderern und Unterstützern von GAME: „Im Laufe der Jahre ist dank GAME ein weltumspannendes Netzwerk gut ausgebildeter junger Wissenschaftler entstanden. Davon profitieren auch Kiel und das GEOMAR als Ausgangspunkt von GAME. In diesem Sinne hoffen wir, das Programm auch in den kommenden Jahren so erfolgreich weiterführen zu können.“

Hintergrundinformationen:

Mitglieder des GAME Kuratorium: Jens Ambsdorf (Lighthouse Foundation), Uwe Döring (Minister a.D. des Landes Schleswig-Holstein), Nikolaus Gelpke (Meeresbiologe und Verleger der Zeitschrift „mare“), Prof. Dr. Gerhard Graf (Meeresbiologe Universität Rostock), Dr. Wiebke Müller-Lupp (stellv. Vorstandsvorsitzende der Sea & Sun Technology), Sarah Zierul (Wissenschaftsjournalistin)
Aktuelle Förderer von GAME:
GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Brunsbüttel Ports, Fa. Contros, Fa. Hatlapa, Fa. HydroTechnik Lübeck, Fa. HydroBios, Fa. KUM, Lighthouse Foundation, mare-Verlag, Okeanos – Stiftung für das Mee, Fa. Oktopus, Fa. TerraWater

 

Bildmaterial in höherer Auflösung:

Andere Kultur, anderes Klima - Forschung zur Küstenökologie in Indonesien sieht manchmal anders aus als in Deutschland. GAME-Teilnehmer lernen mit diesen Unterschieden und miteinander zurecht zu kommen. Foto: GAME
Charles Wai Lug Ma aus Hongkong untersuchte im Sommer 2010 im Rahmen von GAME die Stressresistenz der Grünlippmuschel Perna viridis im Mündungsdelta des chinesischen Perflusses. Die Ergebnisse seiner Arbeit flossen in die globale GAME-Studie ein. Foto: privat

 

Ansprechpartner:
Jan Steffen (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600 2811, jsteffen(at)geomar.de 

Andere Kultur, anderes Klima - Forschung zur Küstenökologie in Indonesien sieht manchmal anders aus als in Deutschland. GAME-Teilnehmer lernen mit diesen Unterschieden und miteinander zurecht zu kommen. Foto: GAME
Andere Kultur, anderes Klima - Forschung zur Küstenökologie in Indonesien sieht manchmal anders aus als in Deutschland. GAME-Teilnehmer lernen mit diesen Unterschieden und miteinander zurecht zu kommen. Foto: GAME
Charles Wai Lug Ma aus Hongkong untersuchte im Sommer 2010 im Rahmen von GAME die Stressresistenz der Grünlippmuschel Perna viridis im Mündungsdelta des chinesischen Perflusses. Die Ergebnisse seiner Arbeit flossen in die globale GAME-Studie ein. Foto: privat
Charles Wai Lug Ma aus Hongkong untersuchte im Sommer 2010 im Rahmen von GAME die Stressresistenz der Grünlippmuschel Perna viridis im Mündungsdelta des chinesischen Perflusses. Die Ergebnisse seiner Arbeit flossen in die globale GAME-Studie ein. Foto: privat
Zu den Gratulanten gehörte auch Dr. Joao Canning Clode aus Portugal. Er hat 2004 an GAME teilgenommen und anschließend in Kiel promoviert. Als Postdoc am Smithsonian Environmental Research Center in Maryland (USA) übernahm er selbst die Betreuung von GAME-Studenten. "GAME changed my live", sagte er während der Feierstunde. Foto: J. Steffen, GEOMAR
Zu den Gratulanten gehörte auch Dr. Joao Canning Clode aus Portugal. Er hat 2004 an GAME teilgenommen und anschließend in Kiel promoviert. Als Postdoc am Smithsonian Environmental Research Center in Maryland (USA) übernahm er selbst die Betreuung von GAME-Studenten. "GAME changed my live", sagte er während der Feierstunde. Foto: J. Steffen, GEOMAR