Prof. Dr. Erwin Suess. Foto: Nikolas Linke, GEOMAR.

Prof. Dr. Erwin Suess. Foto: Nikolas Linke, GEOMAR.

Prof. Suess überreicht dem GEOMAR zwei historische Schriften. V.l.: Prof. Erwin Suess, Christine Utecht, Prof. Peter Herzig, Prof. Klaus Wallmann. Foto: Nikolas Linke, GEOMAR.

Prof. Suess überreicht dem GEOMAR zwei historische Schriften. V.l.: Prof. Erwin Suess, Christine Utecht, Prof. Peter Herzig, Prof. Klaus Wallmann. Foto: Nikolas Linke, GEOMAR.

Brennendes Gashydrat. Foto: GEOMAR.

Brennendes Gashydrat. Foto: GEOMAR.

30.09.2019

GEOMAR würdigt Prof. Dr. Erwin Suess

Vater der Gashydratforschung feierte 80 Geburtstag

30.09.2019/Kiel. Der ehemalige Direktor des Zentrums für Marine Geowissenschaften, eines der Vorläuferinstitute des heutigen GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, Prof. Dr. Erwin Suess, feierte vor einigen Wochen seinen 80. Geburtstag. Das GEOMAR würdigt das Wirken des Geochemikers, der als einer der Väter der Gashydratforschung gilt, mit einem wissenschaftlichen Festsymposium, zu dem rund 200 Gäste aus aller Welt nach Kiel gekommen sind.

Gashydrate, das „brennende Eis“, sind eine faszinierende Substanz, die im Meeresboden, einige hundert Meter unter der Meeresoberfläche zu finden ist. Seit den Entdeckungen von Erwin Suess Mitte der 90er Jahre weiß man, dass es riesige Vorkommen von Gas-, resp. Methanhydraten gibt. Sie enthalten möglicherweise mehr Methan, als noch in konventionellen Lagerstätten zu finden ist. Als Professor Suess 1996 im Pazifik vor der Küste Oregons große Mengen dieser Substanz an Deck des deutschen Forschungsschiffs SONNE beförderte, war dies eine wissenschaftliche Sensation. Der damalige Direktor des Zentrums für Marine Geowissenschaften (Geomar) in Kiel verhalf dem Institut damit zu internationaler Bekanntheit und über viele Jahre zu einem neuen Forschungsschwerpunkt.

Eigentlich lag der Forschungsschwerpunkt von Erwin Suess über viele Jahre aber bei kalten Quellen im Ozean. Im Gegensatz zu den spektakulären heißen Quellen, den „Schwarzen Rauchern“, die an mittelozeanischen Rücken zu finden sind, kommen die kalten Quellen oft in der Nähe von Subduktionszonen vor, wo eine ozeanische Platte unter eine andere, meist kontinentale geschoben wird. Hier kommt es zu Ausgasungen von Methan verbunden mit der Ansiedelung einer sehr speziellen Tiefseebiologie. Auch Methanhydrate finden sich oft in diesen Regionen. Zur Erforschung dieser Quellen war Erwin Suess weltweit unterwegs, besonders aber im Pazifischen Ozean vor der Westküste Amerikas.

Erwin Suess studierte zunächst Geologie an der Universität Gießen und wechselte dann schon nach dem Vordiplom an die Kansas State University. Er promovierte 1968 an der Lehigh University in Bethlehem, USA. Nach einer Postdoc-Zeit in Hawaii habilitierte er sich 1976 an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel. Nach einem weiteren Auslandsaufenthalt an der Oregon State University, folgte er 1989 einem Ruf an die Universität Kiel. Am Zentrum für Marine Geowissenschaften (Geomar) war er von 1995-1999 geschäftsführender Direktor und wirkte dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005. Er leitete ferner über mehrereJahre den Sonderforschungsbereich 574 „Volatile und Fluide in Subduktionszonen“.  

Während seiner wissenschaftlichen Laufbahn leitete Erwin Suess zahlreiche Forschungsexpeditionen, unter anderem führte er 40 Tauchgänge mit Forschungstauchbooten durch.

Er ist Autor von mehreren Hundert begutachteten wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Für seine Forschungsarbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Gustav-Steinmann-Medaille, dem Elisabeth-Mann-Borgese-Meerespreis und dem Philip Morris Forschungspreis. 

„Ohne Erwin Suess gäbe es das GEOMAR in seiner heutigen Form wahrscheinlich nicht“, sagte Prof. Dr. Peter Herzig zu Beginn des ganztägigen Festsymposium, dass zu Ehren des Jubilars am GEOMAR abgehalten wurde. „Erwin Suess hat den Aufbau des damaligen Zentrums für Marine Geowissenschaften maßgeblich mitgestaltet und so die Basis für die Entstehung des heutigen GEOMAR gelegt“, so Herzig weiter. 

Der seit einigen Jahren in seiner Wahlheimat Oregon lebende Suess freute sich, mehr als 200 Gäste, darunter viele alte Weggefährten und Kollegen, begrüßen zu können. Als Dank überreichte er dem Institut zwei sehr alte, wertvolle geologische Schriften, eine aus dem 16. Jahrhundert und die vom ehemaligen amerikanischen Präsidenten Hoover übersetzte englische Fassung, die dieser gemeinsam mit seiner Frau Anfang des 20. Jahrhunderts angefertigt hat.

Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de

Dateien:
pm_2019_49_suess.pdf128 K