Ergebnis einer Müllsammlung aus der Kieler Förde. Foto: Aurelia Laubscher.

Ergebnis einer Müllsammlung aus der Kieler Förde. Foto: Aurelia Laubscher.

Tragbare Aschenbecher des ABK. Foto: Nicolas Ory, GEOMAR.

Tragbare Aschenbecher des ABK. Foto: Nicolas Ory, GEOMAR.

Auftakt zur Müllvermeidungs- und Müllsammelaktion mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (3.v.l.) und Vertretern von ABK, Kieler Kanu Vereinigung & Kiel

Auftakt zur Müllvermeidungs- und Müllsammelaktion mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (3.v.l.) und Vertretern von ABK, Kieler Kanu Vereinigung & Kiel

05.07.2019

Kieler Woche Kampagne „Haltet Kiel und Förde kippenfrei“ war ein Erfolg

GEOMAR Forscher mahnen dennoch zu weiteren Anstrengungen

05.07.2019/Kiel. Mehr als drei Millionen Besucherinnen und Besucher – die 125. Kieler Woche war nicht zuletzt aufgrund des guten Wetters ein voller Erfolg. Auch die Bemühungen der Stadt Kiel, die Müllbelastung, insbesondere durch weggeworfene Zigarettenreste in der Kieler Förde zu reduzieren, zeigten eine sehr positive Wirkung, wie Untersuchungen von Forschenden vom GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beweisen. Sie mahnten aber auch, noch weitere Anstrengungen zur Müllvermeidung zu unternehmen.

Auch in diesem Jahr war die Kieler Woche wieder eine riesige Party am Ufer der Förde. Klar, dass bei mehr als drei Millionen Besucherinnen und Besuchern auch mal etwas neben den Abfallkörben landet – oft dann leider aber auch in der Kieler Förde. Achtlos weggeworfene Zigarettenkippen verschandeln nicht nur das Stadtbild, sondern haben auch verheerende Folgen für die Umwelt. Sie sind biologisch nicht abbaubar und gefährlich für Meeresorganismen. Da die Untersuchungen des GEOMAR während der Kieler Woche 2018 zeigten, dass Einwegartikel und Zigarettenkippen in großer Zahl in der Förde gelandet waren, wurde in Zusammenarbeit mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK), der Stadt Kiel und dem GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in 2019 ein Versuch gestartet, die Anzahl der Zigarettenreste, die in der Förde landen, zu verringern. Dazu stellte ABK in diesem Jahr entlang der Wasserlinie 96 Standaschenbecher auf. Das GEOMAR übernahm die „Patenschaft“ über zwei dieser Standaschenbecher, zählte die Anzahl der Kippen in den beiden Standaschenbechern jeden Tag aus und rechnete die Anzahl der Kippen, die in allen Standaschenbechern gesammelt wurden, hoch. 

Vor und während der Kieler Woche haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ABK auf dem Arbeitsboot „Schiermoker“ mit engmaschigen Netzen Müll aus der Kieler Förde gefischt, der anschließend von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom GEOMAR analysiert wurde. Tatkräftige Unterstützung gab es von den Kanuten der Kieler Kanu-Klub Vereinigung und des Kieler Kanu Clubs, die während der Kieler Woche auch an schwer zugänglichen Stellen Abfälle zur Analyse aus der Kieler Förde fischten.

„Zigarettenfilter, Plastikbruchstücke und Verpackungsmaterial machten den größten Teil (73%) des gesammelten Mülls aus. Zigarettenfilter und Verpackungsmaterials waren auch schon vor der Kieler Woche in erheblichen Anzahlen zu finden“, sagt der Projektkoordinator Dr. Nicolas Ory, Meeresbiologe vom GEOMAR. „Plastik- und Glasflaschen, Plastikdeckel sowie Aluminium Dosen, die von den Besuchern mitgebracht wurden, wurden häufig gefunden und machten ~12% des Gesamtmülls aus“, so Dr. Ory weiter. In den entlang der Wasserlinie aufgestellten Standaschenbechern wurden während der Kieler Woche insgesamt 23.213 Zigarettenfilter gesammelt. „Das entspricht dem Inhalt von 1161 Zigarettenpackungen, die nicht in der Kieler Förde gelandet sind“, betont Dr. Catriona Clemmesen-Bockelmann, Fischereibiologin am GEOMAR.

Grundsätzlich nahm die Verschmutzung während der Kieler Woche nicht dramatisch zu, was auf die Maßnahmen wie das Pfandrückgabesystem, die aufgestellten Standaschenbecher und die frei verteilten Umwelt-Aschenbecher zurückgeführt werden könnte. Jedoch macht die Verschmutzung durch Müll, der von den Besuchern mitgebracht wurde, einen erheblichen Anteil des Gesamtmülls aus. „Insgesamt ist die Menge des in der Förde gefundenen Mülls aus unserer Sicht noch zu hoch“, so Dr. Clemmesen-Bockelmann. Das trifft besonders auf die Menge an Zigarettenfiltern zu, die sowohl vor als auch während der Kieler Woche in der Förde landete. „Eine weitere Sensibilisierung über die negativen Auswirkungen dieser Verschmutzung muss betrieben werden, um die Förde ganzjährig sauber halten zu können“, resümiert Dr. Ory.

Die Forschenden vom GEOMAR bedanken sich ganz herzlich beim ABK, der Kanu-Vereinigung Kiel und dem Kieler Kanu Club sowie der Stadt Kiel für die Unterstützung. 

Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de

Dateien:
KielWeek_2019_FinalResults_German_01.pdf3.5 M
pm_2019_31_kiwo-muell_01.pdf122 K