Aussetzen der KOSMOS-Meskosmen vor Gran Canaria im September 2014. Foto: Ulf Riebesell, GEOMAR

Der Tiefenwasser-Kollektor im Einsatz. Foto: Michael Sswat, GEOMAR

Meskosmen-Experiment im März 2016 auf Gran Canaria. Foto: Ulf Riebesell, GEOMAR

Probennahme an den KOSMOS-Mesokosmen in der Bahia de Gando, Gran Canaria. Foto: Ulf Riebesell, GEOMAR

Prof. Ulf Riebesell beim Meskosmen-Experiment 2011 in Bergen, Norwegen. Foto: Stefan Lehmann, Real TV

04.05.2016

Prof. Ulf Riebesell mit Forschungsförderung des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet

Innovatives Forschungsprojekt zu Chancen und Risiken eines forcierten Tiefenwasser-Auftriebs gefördert

04.05.2016/Kiel. Erstmals geht eine der renommierten Forschungsförderungen des Europäischen Forschungsrates an das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Prof. Ulf Riebesell erhält 2,5 Mio. Euro für ein Projekt, in dem die Auswirkungen eines technisch erzeugten Auftriebs von nährstoffreichem Tiefenwasser in nährstoffarme Oberflächenschichten untersucht werden sollen. Das Verfahren, das natürliche Prozesse nachahmt, könnte zur Entwicklung einer nachhaltigen Fischerei und Aquakultur beitragen.

Zum ersten Mal gewährt der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) einem Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel einen der begehrten „ERC Advanced Grants“. Der Meeresbiologe Prof. Ulf Riebesell erhielt kürzlich die Zusage für eine Förderung in Höhe von 2,5 Mio. Euro für das Forschungsprojekt „Ocean artUp“. Mit Hilfe von Labor- und Freiland-Experimenten, Modellrechnungen und Vergleichsstudien im offenen Ozean wollen Prof. Riebesell und sein Team in den kommenden Jahren die Auswirkungen einer technisch erzeugten Durchmischung der Wassersäule untersuchen. Dieses Verfahren ahmt natürliche Auftriebsereignisse nach, bei denen Nährstoffe aus der Tiefe in die oberen, lichtdurchfluteten, aber weitgehend nährstoffarmen Schichten des Ozeans gelangen und die Bioproduktivität ankurbeln. In den permanent nährstoffarmen, „ozeanischen Wüsten“, die fast 40 Prozent der Meere bedecken, könnte dieses Verfahren die Nahrungsproduktion steigern und zur Entwicklung einer nachhaltigen Fischerei und Aquakultur beitragen. Zudem kann forcierter Auftrieb von Tiefenwasser zur Gewinnung von erneuerbarer Energie genutzt werden und wird ebenso als potenzielle Maßnahme zur Speicherung von Kohlendioxid im tiefen Ozean diskutiert. „Ocean artUp“ soll erstmals eine Datenbasis liefern, auf deren Grundlage sich Nutzen und Risiken der unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten von künstlichem Auftrieb bewerten lassen.

Mit der KOSMOS Mesokosmen-Anlage und dem Tiefenwasser-Kollektor nutzt das Projekt gleich zwei bewährte, am GEOMAR entwickelte und weltweit einzigartige Systeme. Die Freiland-Studien sollen im Rahmen einer Kooperation zwischen der Universität Las Palmas (ULPGC) und der Forschungsstation PLOCAN sowie dem GEOMAR vor Gran Canaria stattfinden. Ergänzt werden die Studien durch eine Schiffsexpedition, auf der ozeanische Wirbel südlich der Kanarischen Inseln untersucht werden sollen. Dort wird nährstoffreiches Tiefenwasser auf natürliche Weise an die Oberfläche gezogen und dadurch die Plankton-Produktion angekurbelt. Dies bietet wiederum ein reiches Nahrungsangebot für Fische – wovon schließlich auch die Fischerei in der Region profitiert. Die Übertragbarkeit der lokalen Beobachtungen auf andere Bereiche des Ozeans wird mit Hilfe verschiedener Modellrechnungen untersucht.

„Die ERC-Förderung gibt uns die Möglichkeit, zu untersuchen, ob ein künstlich erzeugter Auftrieb zur Steigerung der Fischproduktion eingesetzt werden kann. Sehr wichtig ist auch, dass die Förderung uns hilft, Nebeneffekte und Risiken abzuschätzen“, erklärt Prof. Riebesell. „Bisher wissen wir so gut wie gar nichts über die möglichen Auswirkungen auf das Leben im Meer und die entsprechenden Stoffkreisläufe. Erst mit diesem Wissen lässt sich beurteilen, ob ein solcher Eingriff in das komplexe marine Ökosystem ökologisch vertretbar und ökonomisch sinnvoll ist.“

„Wir freuen uns sehr, dass erstmals eine dieser international sehr hoch angesehenen Zuwendungen an das GEOMAR geht“, betont Prof. Peter Herzig, Direktor des GEOMAR. „Die Förderung ist eine eindrucksvolle Auszeichnung für Prof. Riebesell und sein Team. Dass Prof. Riebesell zu den Top-Wissenschaftlern am GEOMAR zählt, hat er schon im Jahre 2012 eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er den renommierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten hat – den höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreis.“

Links:
Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC)
Die Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC)
Plataforma Oceánica de Canarias (PLOCAN)


Ansprechpartnerin:
Maike Nicolai (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2807, presse@geomar.de