Manganknollen sind Lebensraum für viele sesshafte und mobile Lebensformen. Foto: ROV-Team, GEOMAR (CC BY 4.0)

Manganknollen sind Lebensraum für viele sesshafte und mobile Lebensformen. Foto: ROV-Team, GEOMAR (CC BY 4.0)

05.01.2018

Tiefseebergbau: Folgen für das marine Ökosystem gravierend

Wissenschaftler fordern Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt

05.01.2018/Kiel/Bremen. Nicht zuletzt durch die zunehmende Globalisierung und den vermehrten Einsatz von high-tec Materialien hat sich der Bedarf an seltenen Metallen erhöht. Damit gewinnt auch die Suche nach Erzlagerstätten aus der Tiefsee zunehmend an Bedeutung. So hat sich die Anzahl der Erkundungslizenzen, die bei der Internationen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) eingereicht wurden, in den letzten fünf Jahren verdreifacht. Doch welche Umweltrisiken hätte der Abbau von metallischen Rohstoffen aus der Tiefsee und wie kann ein Abbau möglichst umweltschonend gestaltet werden? Diese Fragen haben Forschende aus elf europäischen Ländern im Rahmen des Projektes MiningImpact untersucht. Ihre Befunde und Einschätzungen wurden heute in einem Beitrag in der internationalen Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Noch immer hält die Tiefsee Überraschungen für die Wissenschaft bereit. So hat sich bis in die Gegenwart die Vorstellung gehalten, dass die großen Tiefsee-Ebenen im zentralen Pazifik sehr gleichförmig und nur dünn besiedelt seien. Ein Irrtum, wie Forscherinnen und Forscher im Rahmen des europäischen Projektes „MiningImpact“ herausfanden: Die ökologische Vielfalt auf den Tiefsee-Ebenen ist enorm, besonders dort, wo viele Manganknollen auf dem Meeresboden liegen.

Manganknollen bestehen nicht nur aus dem namensgebenden Mangan, sondern enthalten neben Eisen begehrte Metalle, wie Kupfer, Kobalt oder Nickel. Rund um die Manganknollen existiert ein sehr spezielles und fragiles Ökosystem, dass bei einem Abbau der Rohstoffe großflächig zerstört würde. Es besteht aus sehr unterschiedlichen auf den Knollen festsitzenden aber auch mobilen Organismen. Die Regeneration des Ökosystems dauerte viele Jahrzehnte bis hunderte von Jahren. Um die marinen Ökosysteme und ihre Biodiversität zu schützen, sind nach Ansicht der Autoren der Studie vorsorgende Regelungen unerlässlich.

Die Forschenden empfehlen deshalb die Einrichtung von Schutzzonen, die mit den Umweltbedingungen und Artengemeinschaften der zukünftigen Abbaugebiete vergleichbar sind. Gefordert werden außerdem zusätzliche Schutzgebiete innerhalb der Lizenzgebiete. Technologien zur Überwachung des Tiefseebergbaus sind nach Ansicht der Autoren bereits vorhanden, allerdings ist ein entsprechender Wissenstransfer zwischen Industrie und Wissenschaft sowie eine Standardisierung der Untersuchungsverfahren notwendig.

Die Maßnahmen richten sich insbesondere an die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA). Sie verwaltet den Meeresboden in internationalen Gewässern außerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (200-Seemeilen-Zonen) einzelner Staaten. Das Abkommen verpflichtet die ISA auch, einen effektiven Schutz der Meeresumwelt vor möglichen Folgen des Meeresbergbaus sicherzustellen. Konkrete Umweltregularien für den Schutz und die Erhaltung der Tiefseeumwelt, einschließlich ihrer biologischen Vielfalt und ihrer ökologischen Integrität, wurden von der ISA bisher noch nicht vereinbart. Die Autoren der Studie sind aber optimistisch, dass ihre Ergebnisse in die derzeit laufenden Arbeiten der ISA mit einfließen. 

Bisher ist ein Tiefseebergbau auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht lukrativ. Um Gewinne zu erzielen, müsste ein Abbau zudem auf mehreren hundert Quadratkilometern Tiefseeboden pro Jahr stattfinden. Hinzu kämen darüber hinaus noch die Kosten für das Umweltmanagement, welches Überwachungs-, Kompensations- und Wiederherstellungstechniken beinhaltet.

Hinweis:
Das Projekt „MiningImpact“, an dem 11 europäische Länder beteiligt sind, wurde im Rahmen der Joint Programme Initiative Healthy and Productive Seas and Oceans (JPI Oceans) mit insgesamt 9,5 Millionen Euro gefördert.

Bildmaterial in höherer Auflösung:
Manganknollen sind Lebensraum für  viele sesshafte und mobile Lebensformen. Foto: ROV-Team, GEOMAR (CC BY 4.0)

Kontakt:
Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de

Dateien:
pm_2018_02_MiningImpact.pdf242 K