Biologen sortieren am GEOMAR die Überreste aus den Pottwal-Mägen. Foto: Uwe Piatkowski/GEOMAR

Biologen sortieren am GEOMAR die Überreste aus den Pottwal-Mägen. Foto: Uwe Piatkowski/GEOMAR

Schnäbel von etwa 55000 Tintenfischen wurden sortiert und bestimmt. Foto: Uwe Piatkowski/GEOMAR

Schnäbel von etwa 55000 Tintenfischen wurden sortiert und bestimmt. Foto: Uwe Piatkowski/GEOMAR

Darm-Untersuchungen direkt nach den Strandungen. Foto: Rebecca Scott/GEOMAR

Darm-Untersuchungen direkt nach den Strandungen. Foto: Rebecca Scott/GEOMAR

08.08.2018

Untersuchung der Pottwalstrandungen 2016 abgeschlossen

Team des GEOMAR analysierte Mageninhalte der Meeressäuger

08.08.2018/Hannover, Kiel. Zu Beginn des Jahres 2016 strandeten 30 Pottwale in der südlichen Nordsee. Es ist das größte bekannte Strandungsereignis dieser Art, das in der Region bisher registriert wurde. Ein internationales Forschungsteam unterschiedlicher Fachrichtungen schloss sich zusammen, um die möglichen Ursachen zu untersuchen. Es folgte die bisher umfangreichste Untersuchung einer solchen Pottwalstrandung. Im Fachmagazin PLoS ONE veröffentlichten die Forscherinnen und Forscher jetzt die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit. Die Strandungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden von mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung Tierärztlichen Hochschule Hannover unter der Leitung von Professorin Prof. h. c. Dr. Ursula Siebert, Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, untersucht. Biologinnen und Biologen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel unter Leitung des Tintenfischbiologen Dr. Uwe Piatkowski trugen mit Analysen des Mageninhalts der gestrandeten Meeressäuger zu der Studie bei.

Diese Analysen ergaben, dass die Tiere wahrscheinlich in den norwegischen Gewässern, mindestens 1.300 Kilometer vom Strandungsort entfernt und bevor sie in die Nordsee gelangten, zum letzten Mal gefressen hatten. „Ihre mit Abstand bevorzugte Beute ist der Nordische Köderkalmar, eine Tintenfischart, die in der Norwegischen See massenhaft vorkommt, aber in der Nordsee noch nie nachgewiesen wurde. Die Pottwale fanden folglich nicht ausreichend Nahrung, als sie einmal in der flachen Nordsee angekommen waren“, sagt Dr. Piatkowski. Insgesamt fanden die Forscher die unverdaubaren Überreste von mindestens 55000 Tintenfischen in den Mägen der Pottwale, die an den deutschen Küsten der Nordsee strandeten. Mehr als 95 Prozent davon konnten eindeutig dem Nordischen Köderkalmar zugerechnet werden.

Insgesamt fassen die Autorinnen und Autoren in ihrer Studie zusammen, dass kein alleiniger Faktor gefunden wurde, der für die Strandungsreihe im Jahr 2016 verantwortlich ist, sondern sehr wahrscheinlich eine Kombination verschiedener und zusammenfallender Faktoren dazu geführt hat. „In dieser Zeit strandeten auch andere, nicht heimische Arten in der Nordsee. Zudem zeigen andere Untersuchungen, dass die Pottwale zu zwei verschiedenen Gruppen aus verschiedenen Gebieten gehören. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Kombination großräumiger Umweltfaktoren dafür verantwortlich war, dass die Pottwale in die Nordsee gelangt sind“, führt Abbo van Neer, einer der beteiligten Forscher des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, aus.

(Die ausführliche Pressemitteilung finden Sie auf den Webseiten der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)

Originalarbeit:
IJsseldijk, Lonneke L., Abbo van Neer, Rob Deaville, Lineke Begeman, Marco van de Bildt, Judith M.A. van den Brand, Andrew Brownlow, Richard Czeck, Willy Dabin, Mariel ten Doeschate, Vanessa Herder, Helena Herr, Jooske IJzer, Thierry Jauniaux, Lasse Fast Jensen, Paul D. Jepson, Wendy Karen Jo, Jan Lakemeyer, Kristina Lehnert, Mardik F. Leopold, Albert Osterhaus, Matthew W. Perkins, Uwe Piatkowski, Ellen Prenger-Berninghoff, Ralf Pund, Peter Wohlsein, Andrea Gröne, Ursula Siebert (2018): Beached bachelors: An extensive study on the largest recorded sperm whale Physeter macrocephalus mortality event in the North Sea. PLoS ONE, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0201221