Der Ozean nimmt über 90 Prozent der zusäzlichen Wärmeenergie aus der Atmosphäre auf. Eine neue Berechnung zeigt, dass die Menge der Wärmeenergie in den vergangenen 25 Jahren größer war als bisher weitgehend angenommen. Foto: Jan Steffen/GEOMAR (CC BY 4.0)

Der Ozean nimmt über 90 Prozent der zusäzlichen Wärmeenergie aus der Atmosphäre auf. Eine neue Berechnung zeigt, dass die Menge der Wärmeenergie in den vergangenen 25 Jahren größer war als bisher weitgehend angenommen. Foto: Jan Steffen/GEOMAR (CC BY 4.0)

Globale Netto Kohlendioxid-Emissionen in Gigatonnen CO2 pro Jahr. Eine Stabilisierung der globalen Erwärmung bei 1,5 Grad ist noch möglich, aber nur wenn die CO2-Emissionen ab 2020 drastisch sinken und ab Mitte diesen Jahrhunderts netto null sind. Quelle: IPCC „Global Warming of 1.5°C“

Globale Netto Kohlendioxid-Emissionen in Gigatonnen CO2 pro Jahr. Eine Stabilisierung der globalen Erwärmung bei 1,5 Grad ist noch möglich, aber nur wenn die CO2-Emissionen ab 2020 drastisch sinken und ab Mitte diesen Jahrhunderts netto null sind. Quelle: IPCC „Global Warming of 1.5°C“

Beobachtete globale Temperaturänderungen und modellierte Reaktion auf stilisierte anthropogene Emissionen (Globale Erwärmung relativ zu 1850-1900  in Grad Celsius). Grau dargestellt: Zu erwartende Entwicklung der globalen Temperaturanomalien, wenn das oben dargestellte Szenario der Kohlendioxid-Emissionen ab Mitte diesen Jahrhunderts netto null umgesetzt wird. Quelle: IPCC „Global Warming of 1.5°C“

Beobachtete globale Temperaturänderungen und modellierte Reaktion auf stilisierte anthropogene Emissionen (Globale Erwärmung relativ zu 1850-1900 in Grad Celsius). Grau dargestellt: Zu erwartende Entwicklung der globalen Temperaturanomalien, wenn das oben dargestellte Szenario der Kohlendioxid-Emissionen ab Mitte diesen Jahrhunderts netto null umgesetzt wird. Quelle: IPCC „Global Warming of 1.5°C“

2018 | 04

1,5 Grad Globale Erwärmung: Schaffen wir das?

Wie GEOMAR Forscher den IPCC-Sonderbericht bewerten

Der Klimawandel schreitet voran: ein Temperaturrekord jagt den nächsten, das arktische Meereis geht dramatisch zurück, fast alle Gletscher sind auf dem Rückzug und die Meeresspiegel steigen. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es, global betrachtet, bereits ein Grad wärmer geworden. Den größten Anteil daran haben menschliche Aktivitäten: Die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas treiben den Gehalt von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre kontinuierlich in die Höhe. Die Produktion bestimmter Nahrungsmittel, unter anderem von Fleisch, lässt die Methanemissionen steigen. Die zunehmende Entwaldung stellt ebenfalls eine CO2-Quelle dar und senkt darüber hinaus die zukünftige Aufnahme von Kohlendioxid. All dies treibt die Fieberkurve unseres Planeten in die Höhe, wobei über 90 Prozent der durch den Anstieg der Treibhausgase im Klimasystem zurückgehaltenen Wärme von den Ozeanen aufgenommen wurde.

Schon seit vielen Jahren warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor einem weiteren Temperaturanstieg mit unübersehbaren Folgen, wenn es nicht gelingt, die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten drastisch zu verringern. Jenseits von einer globalen Erwärmung von 1,5 bis 2 Grad Celsius erwarten die Forschenden zum Teil irreversible Änderungen wie das vollständige Abschmelzen des Grönlandeises mit einem Meeresspiegelanstieg von 7 Metern. Aber ist es überhaupt noch möglich, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, wie 2015 im Pariser Klimaabkommen vereinbart? Und wenn ja, welche Maßnahmen wären notwendig, um das Ziel zu erreichen?

Der Sonderbericht „1.5 Grad Globale Erwärmung“ des Weltklimarats (IPCC), der Anfang Oktober veröffentlicht wurde, greift diese Frage auf. Das Ergebnis: eine sehr rasche und sehr deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen ist notwendig, um das Ziel noch zu erreichen. Sehr wahrscheinlich ist dies aber nur noch mit Hilfe von negativen Emissionen möglich. Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, die aktiv Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen. Diese werden häufig unter dem Stichwort „Climate Engineering“ zusammengefasst. Am GEOMAR beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Oschlies mit der Bewertung solcher Methoden. Im Rahmen des von ihm koordinierten bundesweiten DFG Schwerpunktprogramms „Climate Engineering – Risiken, Herausforderungen, Möglichkeiten?“ bewerten die Forschenden das Potential und mögliche Nebenwirkungen derartiger Techniken.

Der Sonderbericht zum „1,5-Grad-Ziel“ des IPCC

Im Übereinkommen von Paris hatten sich Ende 2015 alle Staaten auf das Ziel geeinigt, die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst auf maximal 1,5 Grad zu beschränken. Doch ist ein solches Ziel überhaupt noch erreichbar und welche Maßnahmen sind dafür notwendig? Diese Fragen sollten mit dem Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) geklärt werden. Der fast 800 Seiten starke Bericht aller drei Arbeitsgruppen des IPCC wurde Anfang Oktober vorgelegt. Das zentrale Ergebnis ist in den rechts abgebildeten Grafiken zusammengefasst. Eine Stabilisierung der globalen Erwärmung bei 1,5 Grad ist noch möglich, aber nur wenn die CO2-Emissionen ab 2020 drastisch sinken und ab Mitte diesen Jahrhunderts netto null sind. Es ist aber kaum realistisch, dass bis dahin alle fossilen Energieträger komplett ersetzt werden können. Dies bedeutet, dass sogenannte „negative Emissionen“ notwendig wären, um zusätzlich CO2 aus dem System zu entfernen. Ferner dürfen bei dieser Betrachtung auch die anderen Treibhausgase, wie zum Beispiel Methan und Stickoxide nicht außer Betracht gelassen werden.

Der Sonderbericht des IPCC „Global Warming of 1.5°C“ (englisch):
http://ipcc.ch/report/sr15/

 

Der Ozean nimmt mehr Wärme auf als vermutet

Die Ozeane nehmen mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärmeenergie auf, die aufgrund steigender Treibhauskonzentrationen in der Atmosphäre entsteht. Forscherinnen und Forscher der University of California, San Diego, der Princeton University, des GEOMAR sowie Kollegen aus Frankreich und China haben jetzt mit einer neuen Methode die bisherigen Berechnungen der Wärme-Aufnahme im Ozean überprüft. Dabei zeigte sich, dass die die Meere in den vergangenen 25 Jahren sogar noch deutlich mehr Wärme aufgenommen haben, als bisher berechnete Durchschnittswerte vermuten ließen.

Die neue Berechnung der Wärmeaufnahme des Ozeans liege mehr als 50 Prozent über dem Wert des jüngsten Berichts des Weltklimarates IPCC und damit am obersten Ende aller bisher erfolgten Abschätzungen, erklärt Erstautorin Prof. Laure Resplandy von der Princeton University. Eine so starke Erwärmung des Ozeans deute darauf hin, dass die Erde empfindlicher auf Emissionen von fossilen Brennstoffen reagiere als bisher angenommen, ergänzt Prof. Andreas Oschlies vom GEOMAR. „Dieses Ergebnis zeigt leider auch, dass wir die Emissionen von CO2 noch schneller und in noch erheblicherem Umfang als im Bericht des Weltklimarats gefordert reduzieren müssen, wenn wir die globale Erwärmung auf 2 oder sogar 1,5 Grad Celsius beschränken und damit die versprochenen Klimaziele einhalten wollen“ fasst Andreas­ Oschlies zusammen. 

www.geomar.de/n6154