Istanbul ist die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei und Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen und Medien. Die Metropole mit mehr als 2600-jähriger Geschichte wird durch den Bosporus in einen europäischen und einen asiatischen Teil getrennt. Aufgrund ihrer weltweit einzigartigen Transitlage zwischen zwei Kontinenten und zwei Meeresgebieten, dem Schwarzen und dem Mittelmeer, ist sie einer der wichtigsten internationalen Verkehrsknotenpunkte. Foto: Juraj Patekar / CC BY 2.0

Istanbul ist die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei und Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen und Medien. Die Metropole mit mehr als 2600-jähriger Geschichte wird durch den Bosporus in einen europäischen und einen asiatischen Teil getrennt. Aufgrund ihrer weltweit einzigartigen Transitlage zwischen zwei Kontinenten und zwei Meeresgebieten, dem Schwarzen und dem Mittelmeer, ist sie einer der wichtigsten internationalen Verkehrsknotenpunkte. Foto: Juraj Patekar / CC BY 2.0

Die Nordanatolische Störungszone markiert die Grenze zwischen der eurasischen und der anatolische Erdplatte. Beide schieben sich sehr langsam aneinander vorbei. Zu starken Erdbeben kommt es, wenn sich die Störungszone verhakt. Dann bauen sich tektonische Spannungen auf, die sich irgendwann in einem Moment entladen können. Grafik: Wissensplattform eskp.de, CC BY 4.0

Die Nordanatolische Störungszone markiert die Grenze zwischen der eurasischen und der anatolische Erdplatte. Beide schieben sich sehr langsam aneinander vorbei. Zu starken Erdbeben kommt es, wenn sich die Störungszone verhakt. Dann bauen sich tektonische Spannungen auf, die sich irgendwann in einem Moment entladen können. Grafik: Wissensplattform eskp.de, CC BY 4.0

2019 | 03

Istanbul: Erstmals beweisen Unterwasser-Messungen Erdbebengefahr

Istanbul mit seinen mehr als 15 Millionen Einwohnern liegt genau an der Nordanatolischen Störung, einer Grenze zwischen zwei Erdplatten. Hier kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. Das letzte Beben, das die Stadt getroffen hat, ereignete sich am 22. Mai 1766 - mit verheerenden Folgen. Der Ursprung dieses Bebens wird heute an einem Abschnitt der Nordanatolischen Störung verortet, der im Marmarameer liegt.

Forscherinnen und Forscher des GEOMAR konnten jetzt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich und der Türkei erstmals mit direkten Messungen am Meeresboden nachweisen, dass sich mittlerweile wieder eine erhebliche tektonische Spannung in der Nordanatolischen Störung unterhalb des Marmarameers aufgebaut hat. „Sie würde reichen, um erneut ein Beben der Stärke 7,1 bis 7,4 auszulösen“, sagt der Geophysiker Dr. Dietrich Lange vom GEOMAR. Er ist der Erstautor der Studie, die in der internationalen Fachzeitschrift Nature Communications erschienen ist.

Der tektonische Spannungsaufbau entlang von Störungszonen an Land wird seit Jahren regelmäßig mit GPS oder Landvermessungsmethoden überwacht. Bei Störungszonen am Meeresboden ist dies aufgrund der geringen Eindringtiefe der Satellitensignale unter Wasser nicht möglich. Ausgerechnet der Abschnitt der Nordanatolischen Störung, der ein erhebliches Gefährdungspotenzial für den Stadtkern Istanbuls birgt, liegt aber im Marmarameer.

GeoSEA-Sensoren belegen Spannungsaufbau unter dem Marmarameer
Ob sich die Plattengrenzen dort bewegen oder verhaken, konnte bisher nur indirekt, zum Beispiel mit Beobachtungen von Land, extrapoliert werden. Die Methoden konnten allerdings nicht zwischen einer Kriechbewegung oder der kompletten Verhakung der Erdplatten unterscheiden. Das am GEOMAR entwickelte, neuartige GeoSEA-Systems zur akustischen Abstandsmessung am Meeresboden ermöglichte jetzt erstmals eine direkte Messung der Plattenbewegung im Marmarameer.
„Unsere Messungen zeigen, dass die Verwerfungszone im Marmarameer verhakt ist und sich tektonische Spannungen aufbauen. Das ist der erste direkte Nachweis über den Spannungsaufbau am Meeresboden südlich von Istanbul“, betont Dr. Lange.
„Wenn sich die angestaute Spannung während eines Erdbebens löst, würde sich die Verwerfungszone auf einen Schlag um mehr als vier Meter bewegen. Dies entspricht einem Erdbeben mit einer Magnitude zwischen 7,1 und 7,4“, ergänzt Prof. Dr. Heidrun Kopp, GeoSEA-Projektleiterin und Co-Autorin der aktuellen Studie.

 

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