1991 erreichten die schwedische ODEN (vorne) und die deutsche POLARSTERN als erste konventionalle Schiffe den Nordpol. Teilnehmer der damaligen Expedition treffen sich zum 20. Jahrestag am IFM-GEOMAR Foto: Hannes Grobe, AWI

1991 erreichten die schwedische ODEN (vorne) und die deutsche POLARSTERN als erste konventionalle Schiffe den Nordpol. Teilnehmer der damaligen Expedition treffen sich zum 20. Jahrestag am IFM-GEOMAR Foto: Hannes Grobe, AWI

Auch Kieler Wissenschaftler waren bei der Expedition ARCTIC-91 dabei. Dirk Nürnberg, Jörn Thiede, Heidi Kassens und Robert Spielhagen (v.l.) am Nordpol. Foto: Archiv IFM-GEOMAR

Auch Kieler Wissenschaftler waren bei der Expedition ARCTIC-91 dabei. Dirk Nürnberg, Jörn Thiede, Heidi Kassens und Robert Spielhagen (v.l.) am Nordpol. Foto: Archiv IFM-GEOMAR

07.09.2011

Expedition ins ewige Eis

Symposium zum 20. Jahrestag der Nordpol-Expedition ARCTIC-91 am IFM-GEOMAR

07.09.2011/Kiel. Jahrhunderte lang blieb er ein theoretischer, unerreichbarer Punkt mitten in einer tödlichen Eiswüste – der Nordpol. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichten Menschen den von Mythen umrankten Ort. Doch er blieb schwer zugänglich, so dass auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur atomgetriebene U-Boote oder Eisbrecher der Supermächte USA und Sowjetunion die prestigeträchtige Reise antreten konnten. Die ersten konventionell betriebenen Schiffe mit einem rein wissenschaftlichen Auftrag gelangten schließlich am 7. September 1991 zum Nordpol: die POLARSTERN des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI) und der schwedische Mehrzweckeisbrecher ODEN. An Bord befanden sich auch neun Wissenschaftler aus Kiel, darunter der damalige Direktor des Forschungszentrums GEOMAR Professor Dr. Jörn Thiede. Am Nachfolgeinstitut, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), treffen sich heute über 40 der damaligen Teilnehmer zum 20. Jahrestag der internationalen Nordpol-Expedition ARCTIC-91. „Sie war wohl für alle Teilnehmer ein einschneidendes Erlebnis. Und sie hat der Wissenschaft eine Fülle von Daten geliefert“, erinnert sich Professor Thiede heute.

Diese Daten sind für die aktuelle Arktisforschung von grundlegender Bedeutung. Denn während 1991 der Begriff „ewiges Eis“ noch zur Standard-Beschreibung des arktischen Ozeans gehörte, beobachten die Wissenschaftler in den vergangenen Jahren, wie sich das Eis im Sommer immer weiter zurückzieht. 2011 waren erstmals seit Beginn der Beobachtungen die Nordost- und die Nordwestpassage gleichzeitig befahrbar. „Das schien 1991 noch unvorstellbar“, erinnert sich Dr. Heidi Kassens vom IFM-GEOMAR, die damals ebenfalls zum Kieler Team an Bord der POLARSTERN gehörte. Wie genau sich die Veränderungen in der Arktis entwickeln und welche Auswirkungen das auf die anderen Ozeane beziehungsweise das Weltklima haben wird, das untersuchen aktuell mehrere Wissenschaftlergruppen am AWI und am IFM-GEOMAR zusammen mit internationalen Kollegen. „Die Expedition von 1991 lieferte erstmals grundlegende Daten und Proben direkt aus dem arktischen Ozean“, erklärt der damalige schwedische Expeditionsleiter Prof. Dr. Leif Anderson aus Göteburg. „Diese Daten und Proben sind bis heute Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit zu dieser Region“, ergänzt Prof. Dr. Dieter Fütterer aus Bremerhaven, der 1991 Fahrtleiter auf der POLARSTERN war.

Doch nicht nur die Wissenschaft spielt beim 20-Jahre-Nordpol-Symposium in Kiel eine Rolle. Die Teilnehmer frischen auch viele spannende Erinnerungen auf, darunter die an das nördlichste je ausgetragene Fußballspiel. „Die gemeinsame Arbeit im Eis und das Erlebnis der Fahrt haben zusammengeschweißt. Der Zusammenhalt von damals hilft noch heute bei vielen wissenschaftlichen Vorhaben“, sagt Dr. Heidi Kassens vom IFM-GEOMAR. 

Aktuell ist die POLARSTERN wieder in der zentralen Arktis unterwegs. Am 22. August 2011 hat sie zum dritten Mal den Nordpol erreicht.