Der WEB-Vorstand vertreten durch Dr. Birgit Quack (li.), Prof. Dr. Katja Matthes (2.v.li.) und Dr. Catriona Clemmesen (re.) begrüßt Prof. Dr. Gabriele Gerlach zur 10. Marie-Tharp Lecture am GEOMAR. Foto: J. Steffen, GEOMAR
Die Vorträge der Marie-Tharp Lecture Series stoßen sowohl bei Forscherinnen als auch Forschern des GEOMAR auf großes Interesse. Foto: J. Steffen, GEOMAR

Gelungene Mischung aus Forschung und Frauenförderung

Marie-Tharp Lecture for Ocean Research am GEOMAR feiert Jubiläum

03.06.2015/Kiel. Tropische Korallenriffe sind gekennzeichnet durch eine extrem große Biodiversität. Doch wie kommt es in einem scheinbar homogenen Lebensraum zu dieser Vielfalt des Lebens? Im Rahmen der Marie-Tharp-Lecture Series am GEOMAR stellte die Biologin Prof. Dr. Gabriele Gerlach von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gestern ein Langzeit-Forschungsprojekt vor, das Antworten auf diese grundlegenden Fragen liefern soll. Es war die zehnte Ausgabe der hochkarätigen Vorlesungsreihe, die neben aktueller Spitzenforschung auch Vorbilder und Anregungen für junge Nachwuchswissenschaftlerinnen bietet.

Die Evolution ist ein Prozess, der sich meist über lange Zeiträume erstreckt. Es gibt aber auch Orte auf der Erde, da befindet sie sich sozusagen auf der Überholspur. Tropische Korallenriffe gehören dazu. Eine geradezu unüberschaubare Vielzahl unterschiedlicher Lebensformen teilt sich einen eigentlich recht überschaubaren Lebensraum. Wie kommt es dazu, dass in diesen Riffen eine besonders hohe Rate von Artenbildungen zu beobachten ist? Und was definiert die unsichtbaren Grenzen, die zum Beispiel verschiedene Populationen derselben Fischart im selben Riff voneinander trennen? Im Rahmen eines Langzeitforschungsprojektes im australischen Great Barrier Reef versucht die Biologin Prof. Dr. Gabriele Gerlach von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg diese Fragen zu beantworten. Gestern stellte sie ihre bisherigen Ergebnisse, aber auch die noch offenen Forschungsfragen, im Rahmen der „Marie-Tharp Lecture Series for Ocean Research“ (MTLS) am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel vor.

Mit diesem Vortrag feierte die MTLS ein kleines Jubiläum, denn es handelte sich um die mittlerweile 10. Ausgabe der hochkarätigen Veranstaltungsreihe. Sie gibt renommierten Wissenschaftlerinnen aus aller Welt die Möglichkeit, ihre Studien am GEOMAR zu präsentieren und vereinfacht den Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern. Gleichzeitig dienen die Referentinnen als Vorbild für den weiblichen Wissenschaftsnachwuchs. „Der Frauenanteil in den Meereswissenschaften ist bis zur Promotion sehr hoch. Doch im wissenschaftlichen Mittelbau und in Führungspositionen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert“, sagt Prof. Dr. Katja Matthes, die Vorsitzende des Women’s Executive Board (WEB) am GEOMAR, das die MTLS organisiert. „Mit den Referentinnen der Marie-Tharp-Lecture Series zeigen wir jungen Wissenschaftlerinnen nicht nur Vorbilder, sondern geben ihnen die Chance, die Referentinnen persönlich kennen zu lernen und sich mit ihnen über ihre Karrierewege auszutauschen.“

Mit der 10. Marie-Tharp Lecture feierte auch das WEB Geburtstag. Der Zusammenschluss von weiblichen Führungskräften am GEOMAR existiert seit Ende Mai 2013. Ziel ist es, mit einem Bündel von konkreten Maßnahmen die am GEOMAR bereits existierenden forschungsorientierten Gleichstellungsstandards in der Praxis umzusetzen und Frauen nachhaltig zu fördern. „Dabei arbeiten wir eng mit den Gleichstellungsbeauftragten zusammen. Ein gemeinsamer Erfolg war beispielsweise die Verabschiedung eines  Gleichstellungsplanes im Frühjahr diesen Jahres“, betont Professorin Matthes.

„Gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gibt es bereits einige Angebote für Frauen in Kiel, wie beispielsweise ein Mentoring-Programm für Meereswissenschaftlerinnen“, sagt Katja Matthes. „Wir wollen, dass motivierte und talentierte Frauen in der Forschung bleiben. Die Berufung von einigen Professorinnen in der jüngsten Vergangenheit ist bereits ein Schritt vorwärts, aber es gibt noch viele weitere Ideen, um die Anzahl von Frauen in Führungspositionen nachhaltig zu erhöhen“, so Professorin Matthes im Ausblick.

Hintergrundinformation: Marie Tharp
Vorbild und Leitfigur der „Marie-Tharp-Lecture Series for Ocean Research“ ist die 2006 verstorbene Geologin und Kartographin Marie Tharp. Die US-amerikanische Wissenschaftlerin hat sich hauptsächlich mit der Vermessung von Meeresböden beschäftigt. Tharp war diejenige, die trotz ungenauer Daten und fehlender Werte eine in höchstem Maße genaue Karte des mittelatlantischen Rückens beziehungsweise der mittelozeanischen Rücken allgemein erstellte. Die ersten Auszeichnungen dafür erhielt jedoch ihr Lebensgefährte, der Geologe Bruce Charles Heezen. Erst Ende der 1990er wurde bekannt, dass es Tharp war, die mit der Entdeckung der Mittelatlantischen Rücken entscheidend zur Akzeptanz der Theorie der Plattentektonik beitrug. Heute ist die erste präzise Karte der Ozeanböden unter dem Namen Heezen-Tharp-Karte bekannt.

Ansprechpartner:
Jan Steffen (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel. 0431/600-2811, presse(at)geomar.de 

Der WEB-Vorstand vertreten durch Dr. Birgit Quack (li.), Prof. Dr. Katja Matthes (2.v.li.) und Dr. Catriona Clemmesen (re.) begrüßt  Prof. Dr. Gabriele Gerlach zur 10. Marie-Tharp Lecture am GEOMAR. Foto: J. Steffen, GEOMAR
Der WEB-Vorstand vertreten durch Dr. Birgit Quack (li.), Prof. Dr. Katja Matthes (2.v.li.) und Dr. Catriona Clemmesen (re.) begrüßt Prof. Dr. Gabriele Gerlach zur 10. Marie-Tharp Lecture am GEOMAR. Foto: J. Steffen, GEOMAR
Die Vorträge der Marie-Tharp Lecture Series stoßen sowohl bei Forscherinnen als auch Forschern des GEOMAR auf großes Interesse. Foto: J. Steffen, GEOMAR
Die Vorträge der Marie-Tharp Lecture Series stoßen sowohl bei Forscherinnen als auch Forschern des GEOMAR auf großes Interesse. Foto: J. Steffen, GEOMAR