Prof. Dr. Susan Lozier. Foto: Sarah Kaehlert, GEOMAR.

Prof. Dr. Susan Lozier. Foto: Sarah Kaehlert, GEOMAR.

Vorsitzende des GEOMAR Women’s Executive Board (WEB) Prof. Dr. Katja Matthes und Prof. Dr. Susan Lozier. Foto: Sarah Kaehlert, GEOMAR.

Vorsitzende des GEOMAR Women’s Executive Board (WEB) Prof. Dr. Katja Matthes und Prof. Dr. Susan Lozier. Foto: Sarah Kaehlert, GEOMAR.

07.07.2017

Globale Ozeanzirkulation im 21. Jahrhundert

US-amerikanische Ozeanographin Prof. Dr. Susan Lozier hält 19. Marie-Tharp Lecture for Ocean Research am GEOMAR

07.07.2017/Kiel. Der Golfstrom im Nordatlantik, der Agulhasstrom an der Südspitze Afrikas, der Humboldtstrom vor der Westküste Südamerikas – sie gehören zu den bekanntesten Meeresströmungen weltweit. Doch sie sind nur Teile eines alle Ozeane umspannenden Systems, das riesige Wassermassen an der Oberfläche, aber auch in den Tiefen der Meere transportiert und dabei große Mengen an Energie auf unserem Planeten umverteilt. So sorgen die Meeresströmungen für Klimaschwankungen von Jahren bis zu Jahrhunderten.

Mit Hilfe vieler Beobachtungsdaten und Modellsimulationen versuchen Ozeanographen, die Mechanismen der ozeanischen Umwälzbewegungen zu verstehen. Eine Expertin auf diesem Gebiet ist die US-amerikanische Ozeanographin Prof. Dr. Susan Lozier von der Duke University, die gestern im Rahmen der Marie-Tharp Lecture Series for Ocean Research (MTLS) am GEOMAR ihre neuesten Ergebnisse vorgestellt hat.

Prof. Lozier studierte zunächst an der Purdue University, West Lafayette, USA (B.A. 1979) und promovierte dann an der University of Washington, Seattle, USA (PhD 1989). Danach ging sie als Postdoktorandin zunächst an die renommierte Woods Hole Oceanographic Institution an der amerikanischen Ostküste, ehe sie 1992 an die Duke University, Durham, USA berufen wurde und dort eine Professorinnenkarriere von der Assistenz- zur Vollprofessur absolvierte. Seit 2012 hat sie dort eine renommierte Garcia-Johnson Professur inne. Susan Lozier wurde für ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet.

Sie ist Fellow der American Meteorological Society (AMS), der American Geophysical Union (AGU) und der American Association for the Advancement of Science (AAAS). 2016 wurde ihr die höchste Auszeichnung der AGU, der „Ambassador Award“, verliehen. 2016 wurde sie am GEOMAR als Exzellenzprofessorin von der Prof. Dr. Werner Petersen Stiftung für ihre wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet. Während ihrer wissenschaftlichen Laufbahn hat sie bereits mehr als 80 Artikel in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht. Sie ist gegenwärtig Präsidentin der Oceanography Society und leitet das internationale Ozeanbeobachtungsprogramm OSNAP (Overturning in the Subpolar North Atlantic Program).

Professor Lozier stellte in ihrem Vortrag faszinierend dar, was über die globale Ozeanzirkulation und insbesondere über die Umwälzbewegungen im Atlantik heutzutage bekannt ist. Dabei beleuchtet sie insbesondere auch die historische Entwicklung und die vielen Überraschungen und Fragezeichen, die es auch heute noch gibt. „Für ein besseres Verständnis der Prozesse fehlen uns insbesondere mehr Beobachtungen aus dem tiefen Ozean“, erläutert Prof. Lozier. „Deshalb haben wir das international koordinierte Beobachtungsprogramm OSNAP konzipiert, das in den kommenden Jahren wichtige Informationslücken schließen soll“, so Lozier weiter. Die ersten Ergebnisse sind bereits sehr vielversprechend und werden im Herbst dieses Jahres zur Veröffentlichung eingereicht. „Wir wissen über den Ozean noch viel weniger als über die Atmosphäre“, erklärt Professorin Katja Matthes vom GEOMAR. „Der Ozean ist aber gerade für anthropogene Klimaänderungen ein wichtiger Faktor, da er ein viel längeres Gedächtnis als die Atmosphäre hat“, so Professorin Matthes weiter. Eine Zusammenarbeit von Physikalischen Ozeanographinnen wie Susan Lozier mit Ozean- sowie Klimamodellierern hier am GEOMAR ist daher essentiell, um die Rolle des Ozeans im Klimawandel besser zu verstehen.

Die „Marie Tharp Lecture Series“ wird vom Women's Executive Board (WEB) des GEOMAR veranstaltet. Dazu lädt das WEB international renommierte Wissenschaftlerinnen ein, die einerseits ihre wissenschaftlichen Arbeiten in Kiel präsentieren, gleichzeitig aber auch als Vorbild für Nachwuchswissenschaftlerinnen dienen. Wie auch bei den vergangenen Vorträgen findet im Anschluss an den öffentlichen Fachvortrag ein Get-Together nur für Frauen statt. Dort können sich junge Forscherinnen mit den erfahreneren Kolleginnen austauschen und mögliche Karrierepfade diskutieren.

 

Links:

www.geomar.de/go/web Die Webseiten des Women's Executive Board