Bunte Farben für den Ozean vor der Haustür
Neues Wandgemälde als Gemeinschaftswerk von Wissenschaft, Schule und Kunst
Verhüllen ließe sich dieses Kunstwerk schlecht, weshalb es heute auch nicht wirklich „enthüllt“ werden kann – zu groß ist die Wand, die sich am Eingang zum Seefischmarkt zwischen Fähranleger und Einkaufsstraße um die Kurve zieht. Einst schlicht gräulich, erstrahlt sie seit einigen Tagen in bunten Farben. Robbe, Dorsch, Strandkrabbe und Seegras leuchten da in Übergröße, dazwischen kleine Quallen, Fische, eine Krone und ein gelbes Unterseeboot. Zur Verfügung gestellt wurde die Fassade von der Markmann Immobilien GmbH & Co. KG.
Die Motive stammen von der Künstlerin Marina Friedrich und den Schüler:innen einer Klasse der Grundschule Kiel-Gaarden mit dem passenden Namen „Quallenklasse“. Sie hatten im Frühjahr in mehreren Workshops mit Wissenschaftler:innen des GEOMAR zu Fragen gearbeitet wie: „Was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche der Ostsee?“ „Welche Tiere und Pflanzen leben dort?“ „Wie schichtet sich Wasser?“ oder „Warum frieren die Tiere im Wasser nicht?“ Aus den Antworten haben die Schulkinder ihre eigenen Unterwasserwelten gestaltet. Diese Arbeiten bildeten die Grundlage für die künstlerische Gestaltung.
„Ich habe die Wand in fünf Flächen im Hochformat unterteilt“, erklärt Marina Friedrich, „sie spiegeln die Themen der Workshops wider.“ Die mittlere Fläche ist den Motiven der Kinder vorbehalten, auf den anderen Teilen hat sie ihre eigenen Entwürfe zu den Meeresthemen mit denen der Kinder verbunden. Wände gestaltet die studierte Illustratorin schon länger, aber dies ist die bislang größte. Innerhalb einer Woche hat sie das riesige Bild auf die Wand gebracht – unterstützt durch die freundlichen Spenden des örtlichen Malereibetriebes Günter Mecklenburg Malermeister und Gerüstbau Vogel, die nicht nur ihre Arbeitszeit, sondern auch Farben und das Gerüst zur Verfügung gestellt haben.
Das Projekt trägt den Titel „Surfacing the Unseen: A Mural for Sustainable Oceans“ – auf Deutsch etwa: „Das Unsichtbare sichtbar machen: Ein Wandbild für einen nachhaltigen Umgang mit dem Ozean“. Und deshalb passt es auch so gut, dass das Kunstwerk am Welttag des Ozeans eingeweiht wird. Dieser erinnert jedes Jahr an die ökologische Bedeutung der Meere und an die Gefahren, denen sie durch Klimawandel, Verschmutzung und Überfischung ausgesetzt sind.
„Wir wollten den Kindern zeigen, wie schön, spannend und schützenswert unsere Ostsee und unsere Meere sind. Mit ihrer Hilfe sollte diese Botschaft dann über das Wandgemälde dargestellt werden. Das Gemälde trägt jetzt hoffentlich dazu bei, die Bedeutung und Vielfältigkeit der Meere und ihrer Erforschung in die Öffentlichkeit zu tragen“, sagt Stephan Juricke, Professor für Theoretische Ozeanographie am GEOMAR. Er hat das Projekt gemeinsam mit Dr. Lara Schmittmann und Dr. Felix Mittermayer-Schmittmann initiiert. Finanziert wurde es durch den EngageComm-Fonds des GEOMAR, mit dem Projekte gefördert werden, die Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch bringen und Forschung außerhalb von Hörsälen, Laboren oder Forschungsschiffen sichtbar machen. In diesem Falle geradezu unübersehbar.
Wissenschaft trifft Street Art: Das neue Wandgemälde an der Einfahrt zum Seefischmarkt ist als Gemeinschaftswerk von Forschenden, Schulkindern und einer Künstlerin entstanden.
Foto: Janne Lene Polei, GEOMAR
Die schlichte weiße Fassade hat sich in ein großes buntes Gemälde verwandelt, auf dem sich allerlei Tiere und Pflanzen der Ostsee tummeln.
Foto: Janne Lene Polei, GEOMAR
Die Illustratorin Marina Friedrich hat für die Wandgestaltung ihre eigenen Entwürfe mit denen der Grundschulkinder verbunden.
Foto: Julia Gehringer, GEOMAR
Was lebt in der Ostsee? Was finden wir am Strand? Stephan Juricke arbeitet mit Kindern der Grundschule Gaarden zu Meeresthemen.
Foto: Charlotte Mertz, GEOMAR
Warum frieren die Tiere im Wasser nicht? Unter Anleitung von Felix Mittermeyer-Schmittmann und Lara Schmittmann machen die Kinder Experimente zu der wärmeisolierenden Fettschicht, dem so genannten Blubber.
Foto: Charlotte Mertz, GEOMAR
Wie erforschen wir überhaupt das Meer? Jana Willim zeigt den Kindern, wie man die Unterwasserwelt zum Beispiel mit einer Tauchausrüstung erkunden kann.
Foto: Charlotte Mertz, GEOMAR