Die Ostsee als Zeitmaschine

In der Ostsee sind schon jetzt viele Veränderungen zu beobachten, die anderen Meeresregionen noch bevorstehen. Während sich der Weltozean in den vergangenen 30 Jahren um etwa 0,5 Grad Celsius erwärmt hat, verzeichnen Messreihen in der Ostsee bereits Erwärmung um etwa 1,5 Grad. In der Tiefe herrscht Sauerstoffmangel, einige Zonen gelten bereits als sauerstofffrei. Und der pH-Wert des Wassers erreicht regelmäßig Bereiche, die im Zuge der Ozeanversauerung für tiefere Meere erst im nächsten Jahrhundert erwartet werden. Hinzukommen Überdüngung und Verschmutzung. Forschende betrachten das Brackwassermeer daher auch als „Zeitmaschine“. Gleichzeitig ist die Ostsee eines der am besten erforschten Meere. Die Entwicklung wichtiger Umweltparameter, marinem Leben und Fischbeständen werden seit Jahrzehnten erfasst.

So betreibt das GEOMAR die Zeitserienstation Boknis Eck in der Eckernförder Bucht und führt mehrmals jährlich fischereibiologische Expeditionen in der westlichen und östlichen Ostsee durch. Auch die Kieler Förde untersuchen und beproben die Forschenden regelmäßig. Im Zuge dieses Monitorings entdeckten sie Rippenquallen und andere eingewanderte Arten, die das heimische Ökosystem stark verändern können.

In Benthokosmen, Versuchstanks an der Kiellinie vor dem Aquarium, finden Langzeit-Experiment zu Auswirkungen des Klimawandels auf Lebensgemeinschaften in der Ostsee statt. In ersten Testfeldern und im Labor werden Möglichkeiten für den Erhalt und die Renaturierung von Seegraswiesen untersucht, die sich positiv auf die Artenvielfalt und die Aufnahme von Kohlendioxid im Meer auswirken.

Seit mehr als zehn Jahren widmen sich Forschende des GEOMAR zudem den Munitions-Altlasten aus dem zweiten Weltkrieg. Mehr als mehr als 1,5 Millionen Tonnen lagern am Boden von Nord und Ostsee – eine Gefahr für Mensch und Natur. Neben dem Aufspüren und der Dokumentation der Altmunition entwickeln neue Projekte auch Ansätze zur Räumung und gefahrlosen Vernichtung.

 

Neues zum Thema Ostsee

Forschungsschiff ALKOR auf der Ostsee
14.10.2026

Umweltfolgen mariner Munition in der Ostsee im Fokus

Expedition AL663 untersucht Altmunition gemeinsam mit internationalen Partnern

Zwei Fischkutter an Land, die Farbe blättert vom Rumpf ab
01.10.2026

Historischer Fischereikollaps als Lehrstück für die Gegenwart

Klimawandel, Übernutzung und gesellschaftliche Veränderungen ließen im Mittelalter den Hering im Öresund verschwinden

Luftaufnahme einer Halbinsel, die mit sternförmigen Buhnen ins Meer ragt. Auf der Insel steht ein grün-weiß gestreifter Leuchtturm, im Hintergrund sind grüne Wiesen zu sehen und ein Klärwerk.
28.09.2026

CO2 langfristig binden: Pilotprojekt am Klärwerk Bülk startet

Landeshauptstadt Kiel und Planeteers erproben Verfahren zur Speicherung von Kohlendioxid in der Ostsee, GEOMAR begleitet wissenschaftlich

Ein junger Mann mit kurzem Bart und Glatze steht vor einem Fluss und lächelt in die Kamera. er trägt ein schwarzes Hemd.
24.09.2026

Was fressen die neuen Nachbarn in der Ostsee?

Dr. Paride Balzani erforscht als Humboldt-Fellow am GEOMAR die Ernährung invasiver Flohkrebse in der Ostsee

Drei Personen, zwei Frauen in sommerlicher Kleidung und ein Mann in Uniform stehen vor einem Forschungsschiff im Hafen. Die Gangway ist heruntergelassen.in
24.06.2026

Ministerin Dr. Dorit Stenke zu Besuch auf der ALKOR

Forschung erleben, Zukunft gestalten: Schüler:innen lernen das wissenschaftliche Arbeiten auf einem Forschungsschiff kennen