Klimaarchive aus dem Meer

Erst wenn wir die Ozean- und Klimaprozesse der Vergangenheit nachvollziehen können, sind auch begründete Aussagen für die Zukunft möglich. Kontinuierliche und verlässliche instrumentelle Messreihen, selbst von so einfachen Parametern wie Luft- und Wassertemperaturen, gibt es maximal für die letzten 150 Jahre. Viel zu kurz, um Auskunft über langfristige Klimaentwicklungen geben zu können, denn diese spielen sich über Jahrhunderte, Jahrtausende oder gar Jahrmillionen ab. Um an die Daten der Vergangenheit zu gelangen, entnehmen Klimaforscher:innen Proben aus verschiedenen Klimaarchiven der Natur, aus denen die Umweltbedingungen vergangener Zeiten wie Temperatur, Schwankungen des Meeresspiegels oder die Zusammensetzung der Luft und des Ozeans abgeleitet werden können.

 

Was sind natürliche Klimaarchive?

Je nach verwendeter Probenart sind Information über unterschiedliche Klimaelemente möglich, dabei liefern Baumringe und Korallen Werte über relativ kurze Zeiträume, dafür aber in hoher zeitlicher Auflösung. Eisbohrkerne von Eisschilden oder Gletschern können jährliche Unterschiede bis in die Zeit vor 1 Millonen Jahre wiederspiegeln. Marine Sedimente hingegen zeigen eine sehr grobe zeitliche Auflösung, enthalten aber Klimadaten bis weit in die erdgeschichtliche Vergangenheit zurückreichend.

Am GEOMAR werden sowohl Sedimentkerne wie auch Korallenproben untersucht. Ozeanische Umweltbedingungen werden dabei nicht direkt in Sedimenten oder Korallen gespeichert, sondern müssen aufwändig indirekt über sogenannte Proxies bestimmt werden.

Video: Die Geschichte des Pazifiks

Die Expedition SO264 Emperor mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE hatte das Ziel, die klimatischen und ozeanographischen Verhältnisse des Nordpazifiks in der Vergangenheit zu rekonstruieren. Dafür sammelte das Team mit 38 Forschenden aus elf Nationen unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Nürnberg aus der Forschungseinheit Paläo-Ozeanographie des GEOMAR erstmals durchgängig Sedimentproben in weitgehend unerforschten küstenfernen Regionen entlang der Linie der Emperor-Vulkankette.
 

Neues aus der Forschung: Klimaarchive aus dem Meer

For­schungs­schiff MA­RIA S. ME­RI­AN
22.07.2022

Hei­ße Spur bei Ur­sa­chen­su­che für ra­pi­de Eis­schild-In­sta­bi­li­tä­ten in der Kli­ma­ge­schich­te

Wär­mestau im tie­fe­ren sub­po­la­ren Nord­at­lan­tik Aus­lö­ser für so­ge­nann­te Hein­rich-Er­eig­nis­se.

Luftblasen unter Wasser
08.12.2021

Schwä­che­re Oze­an­zir­ku­la­ti­on führ­te zu mehr Koh­len­stoffspei­che­rung

Neue Stu­die zum Sau­er­stoff­ge­halt im Tie­fen­was­ser des Oze­ans wäh­rend der letz­ten Eis­zeit

Das Forschungsschiff Akademik Tryoshnikov in der Inostatseva-Bucht (Novaya Semlya). Quelle: Swiss Polar Institute
06.09.2021

Arctic Century Expedition beendet

Russisch-deutsch-schweizerische Expedition ARCTIC CENTURY kehrte mit wertvollen Proben und Daten zur Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels in der russischen Arktis zurück

Bohrkerne aus dem MARUM-Mebo200 werden an Deck der FS METEOR entnommen. Foto: Christian Rohleder.
30.03.2021

In der Tiefsee ist die letzte Eiszeit noch nicht vorbei

Gashydratvorkommen im Schwarzen Meer reagieren auf postglaziale Klimaänderungen

Aufbereitung von Proben für die Isotopen-Untersuchung in den GEOMAR-Laboren. Foto: Jan Steffen, GEOMAR.
26.03.2021

Wie der Meeresspiegel den globalen Kohlenstoffkreislauf beeinflusst

Kieler Isotopenmessungen ermöglichen neue Einblicke in Karbonat-Ablagerungen am Meeresboden