Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt „Carbon Removal Atlas“ hat seine neue Plattform, den CDRatlas veröffentlicht.

Screenshot: CDRatlas

Der CDRatlas ordnet ein, was CO2-Entnahme-Methoden wie die Aufforstung von Mangroven leisten können und welche Voraussetzungen für die einzelnen Methoden gegeben sein müssen.

Foto: Matt Curnock, OceanImageBank

Prozessketten für verschiedene CDR-Methoden visualisieren, welche Schritte notwendig sind – von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Überwachung der CO2-Speicherung.

Screenshot: CDRatlas

CDRatlas: Wegweiser für CO2-Entnahmemethoden im Meer und an Land

Neue Onlineplattform macht CDR-Methoden transparent und vergleichbar

02. Februar 2026/Kiel. Wie lässt sich Kohlendioxid (CO2) dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen? Welches Vorgehen ist dabei realistisch, sinnvoll und verantwortbar? Antworten darauf liefert ab sofort der Carbon Removal Atlas (CDRatlas). Die frei zugängliche Online-Plattform wurde unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel entwickelt und bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen zu Methoden der Kohlendioxid-Entnahme. Ziel ist es, fundiertes Wissen für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit, übersichtlich und verständlich aufbereitet, zur Verfügung zu stellen und damit eine verlässliche Grundlage für den Umgang mit schwer vermeidbaren Emissionen zu bieten.

Ob bei der Zementherstellung, in der Stahlindustrie oder der Landwirtschaft – einige Treibhausgasemissionen lassen sich auch bei ehrgeizigem Klimaschutz kaum vollständig vermeiden. Um dennoch die Klimaziele zu erreichen und die Folgen des menschengemachten Klimawandels abzumildern, wird neben der schnellen und drastischen Reduktion der CO2-Emissionen auch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eine wichtige Rolle spielen.

Doch welche Verfahren gibt es? Wie funktionieren sie konkret? Und unter welchen natürlichen, technischen oder rechtlichen Bedingungen lassen sie sich umsetzen? Antworten darauf gibt ab sofort der neue Carbon Removal Atlas (CDRatlas). Die frei zugängliche Online-Plattform stellt Potenziale und Grenzen von CDR-Methoden visuell und interaktiv dar. Dabei stützt sich der CDRatlas insbesondere auf die Ergebnisse von CDRmare, der Forschungsmission der Deutschen Allianz Meeresforschung, und des Forschungsprogramms CDRterra.

„Es gibt keinen Mangel an Ideen zur CO2-Entnahme, aber bislang fehlte eine umfassende Übersicht welche auch die räumlichen Möglichkeiten und Einschränkungen aufzeigt“, sagt Dr. Steffen Swoboda, Projektleiter am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Der CDRatlas hilft dabei die einzelnen Methoden besser zu bewerten und Lücken in unserem Wissen aufzuzeigen.“

Ein Atlas, der Prozesse verständlich macht

Kernstück der Plattform sind detaillierte Prozessketten für verschiedene CDR-Methoden. Sie zeigen, welche Schritte notwendig sind – von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Überwachung der CO2-Speicherung. Fachlich nennt sich das Monitoring, Reporting and Verification (Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung). Im CDRatlas wird dieses Konzept leicht verständlich erklärt und in den jeweiligen Kontext eingeordnet.

Viele der Verfahren sind derzeit noch in der Erprobungsphase. In zahlreichen Workshops haben die Forschenden daher gemeinsam mit Fachleuten aus Industrie und Praxis ausgelotet, wie eine reale Umsetzung aussehen könnte.

Zum Start der Plattform sind die Erhöhung der Alkalinität im Ozean und die Aufforstung von Mangroven im CDRatlas beschrieben. Im Laufe des Jahres werden dann noch Methoden zur Wiederaufforstung von Wäldern, Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS) sowie die Renaturierung von Seegraswiesen und Aquakulturen von Makroalgen folgen.

Karten zeigen, was vor Ort möglich ist – und was nicht

Ob eine CO2-Entnahmemethode sinnvoll umgesetzt werden kann, hängt stark vom Standort ab: von Umweltbedingungen, vorhandener Infrastruktur oder rechtlichen Rahmenbedingungen. Der CDRatlas setzt daher auf die kartenbasierte Darstellung. Nutzer:innen können so auf einen Blick Potenziale aber auch Grenzen der Machbarkeit erkennen. Alle dargestellten Informationen sind mit Quellen hinterlegt. Der CDRatlas selbst stellt keine Rohdaten bereit, sondern verweist transparent auf die jeweiligen Originalquellen.

Ergänzt wird der CDRatlas durch eine Literaturdatenbank die fortlaufend aktualisiert wird. Ergänzend kann ein Newsletter abonniert werden, der wöchentlich über neue wissenschaftliche Veröffentlichungen informiert.

Gemeinschaftsprojekt der Wissenschaft

Der CDRatlas ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Zusammenarbeit verschiedener Forschungseinrichtungen. Neben dem GEOMAR sind unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Leibniz-Zentrum für Tropenforschung (ZMT), die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), das Alfred-Wegener-Institut für Meeres- und Polarforschung (AWI) und weitere Institutionen sowie einzelne Expert:innen beteiligt. Der CDRatlas ist damit ein auf Basis der Bundesförderung gemeinschaftlich getragenes Projekt der wissenschaftlichen Community.

Kontinuierlich wachsendes Werkzeug für Politik und Gesellschaft

Der CDRatlas wird fortlaufend erweitert – inhaltlich wie technisch. Indem Möglichkeiten und Begrenzungen von CO2-Entnahme-Methoden realistisch eingeordnet werden, soll der CDRatlas helfen, informierte, verantwortungsvolle Entscheidungen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu treffen.

„CO2-Entnahme kann Klimaschutz nicht ersetzen, aber sie kann ihn ergänzen“, sagt Steffen Swoboda. „Der CDRatlas legt Chancen, Risiken und offene Fragen transparent offen.“

 

 

Hintergrund:

Das Projekt Carbon Removal Atlas wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert. Die Laufzeit beträgt drei Jahre von März 2024 bis Februar 2027. Der jetzt gestartete CDRatlas wird in dieser Zeit laufend erweitert und aktualisiert.

Screenshot einer Webseite, zeigt einen Küstenabschnitt aus der Luft

Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt „Carbon Removal Atlas“ hat seine neue Plattform, den CDRatlas veröffentlicht.

Screenshot: CDRatlas

Unterwasseraufnahme eines Mangrovenwalds, das verzweigte Wurzelwerk ist sichtbar.

Der CDRatlas ordnet ein, was CO2-Entnahme-Methoden wie die Aufforstung von Mangroven leisten können und welche Voraussetzungen für die einzelnen Methoden gegeben sein müssen.

Foto: Matt Curnock, OceanImageBank

Grafik

Prozessketten für verschiedene CDR-Methoden visualisieren, welche Schritte notwendig sind – von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Überwachung der CO2-Speicherung.

Screenshot: CDRatlas