Bergung der „Porcupine Abyssal Plain Observatory“ (PAP) Messboje im Atlantik. Foto: Timm Schoening, GEOMAR

Messboje des PIRATA Netzwerkes im tropischen Atlantik. Foto: Martin Visbeck, GEOMAR.

Ausbringen der ozeanographischen Verankerung am Cape Verde Ocean Observatory (CVOO). Foto: Toste Tanhua, GEOMAR.

Mehr Wissen für ein nachhaltiges Management des Ozeans

Neues Strategiepapier von zehn europäischen Forschungsprojekten

27.10.2021/Kiel. Um den Ozean besser zu verstehen, zu schützen, nachhaltig zu nutzen und seine lebenserhaltenden Funktionen zu erhalten, sind verlässliche Informationen über wichtige Prozesse und das Leben im Meer entscheidend. Daher haben sich zehn von der Europäischen Union geförderte Projekte zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Strategiepapier für eine nachhaltige Ozeanbeobachtung und entsprechendes Management zu entwickeln. Die wichtigsten Empfehlungen betreffen die langfristige Finanzierung von Beobachtungen und den Zugang zu standardisierten Daten für verschiedene Nutzungen sowie Kapazitätsaufbau und inklusive politische Prozesse. Die Initiative wurde vom Projekt EuroSea geleitet, das am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert wird.

Von der Luft, die wir atmen, über das Wasser und die Nahrung, die wir zu uns nehmen, bis hin zu den anorganischen Ressourcen und der Energie, die wir nutzen: Der Ozean ist die Grundlage unserer Existenz auf dem Planeten Erde. Die Blue Economy („Blaue Wirtschaft“) – eine umweltgerechte Wirtschaft, die auf den vielfältigen Leistungen des Ozeans aufbaut – hat das Potenzial, sich bis 2030 zu verdoppeln. Allerdings beeinträchtigen menschliche Aktivitäten den Ozean und seine lebenswichtigen Funktionen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung erfordert ein tieferes Verständnis der Prozesse im Meer und der marinen Ökosysteme. Ein solches Wissen beruht auf zuverlässigen, zeitnahen und zweckmäßigen Ozeanbeobachtungen.

Um nutzungsorientierte, interdisziplinäre, effektive und nachhaltige Systeme für Informationen über den Ozean aufzubauen und die Nachhaltigkeit der Blue Economy zu erhöhen, haben sich zehn von der Europäischen Union finanzierte Projekte zusammengeschlossen. Unter der Leitung des Projekts EuroSea entwickelte die Gruppe das gemeinsame Strategiepapier „Nourishing Blue Economy and Sharing Ocean Knowledge. Ocean Information for Sustainable Management“ („Die Blaue Wirtschaft stärken und Meereswissen teilen. Ozean-Informationen für nachhaltiges Management“).

Das Strategiepapier enthält Empfehlungen für fünf verschiedene, miteinander verknüpfte Bereiche:

  • Um eine nachhaltige und angemessene langfristige Finanzierung für kontinuierliche wissenschaftliche Beobachtungen und die Bereitstellung von Informationen in ganz Europa sicherzustellen, empfehlen die Autor*innen, auf eine europäische Rahmenrichtlinie hinzuarbeiten.
  • Um die wachsende Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften zu befriedigen und die Beschäftigungsfähigkeit sowohl im akademischen als auch im industriellen Meeressektor zu verbessern, muss eine neue Generation von „blauem Personal“ angeworben, ausgebildet und über Ländergrenzen und soziale Gruppen hinweg unterstützt werden.
  • Um Wissenslücken in Bezug auf die Ökologie, die biologische Vielfalt, die Empfindlichkeit gegenüber dem Klimawandel und das Potenzial für eine nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen zu schließen, sollten verschiedene Technologien kombiniert werden, um unterschiedliche Arten von Daten zu sammeln und in verwertbares Wissen umzuwandeln.
  • Um die Datenqualität zu verbessern und eine effizientere Nutzung der verfügbaren Informationen zu gewährleisten, müssen globale Standards und Praktiken für die Interoperabilität festgelegt werden.
  • Um den politischen Prozess transparenter und zugänglicher zu machen und öffentliche Beiträge zur Meeresbeobachtung zu ermöglichen, sollten der Bevölkerung mehr Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung angeboten werden.

„Mit ihren Empfehlungen wollen die zehn Projekte aufzeigen, wie die Meereswissenschaften und die Blue Economy die Ziele des Europäischen Green Deals, des Übereinkommens von Paris und der Dekade für eine nachhaltige Entwicklung der Ozeane der Vereinten Nationen unterstützen können“, betont Dr. Toste Tanhua, Meereschemiker am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Koordinator von EuroSea. „Basierend auf unseren unterschiedlichen Perspektiven und Fachkenntnissen wollen wir den Wert unserer wissenschaftlichen und innovativen Aktivitäten so bündeln, dass sie eine hohe gesellschaftliche Wirkung erzielen können.“

Der englischsprachige Policy Brief ist auf der Website des Projekts EuroSea verfügbar:
https://eurosea.eu/download/outputs_and_reports/Horizon-Results-Booster-Policy-Brief-Ocean-Knowledge-September-2021.pdf

Projektfinanzierung:
Die zehn teilnehmenden Projekte wurden durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 (H2020) der Europäischen Union finanziert (EuroSea Grant Agreement: 862626). Das Strategiepapier „Nourishing Blue Economy and Sharing Ocean Knowledge. Ocean Information for Sustainable Development“ wurde mit Unterstützung von Trust-IT Services erstellt, dem Anbieter des Horizon Results Booster, der von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Forschung und Innovation, Referat J5, Common Service for Horizon 2020 Information and Data, finanziert wird.

Kontakt:
Maike Nicolai (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2807, media(at)geomar.de
Nicole Köstner (EuroSea, Projektmanagement & Kommunikation), Tel.: 0431 600-4213, nkoestner(at)geomar.de

Bergung der „Porcupine Abyssal Plain Observatory“ (PAP) Messboje im Atlantik. Foto: Timm Schoening, GEOMAR

Messboje des PIRATA Netzwerkes im tropischen Atlantik. Foto: Martin Visbeck, GEOMAR.

Ausbringen der ozeanographischen Verankerung am Cape Verde Ocean Observatory (CVOO). Foto: Toste Tanhua, GEOMAR.