Pionier der physikalischen Ozeanographie verstorben
Das GEOMAR trauert um den Ozeanographen Dr. Walter Zenk
Wilhelm Karl Walter Zenk wurde am 8. April 1940 in Köln-Mülheim geboren und wuchs im Rheinland auf. Er studierte in Aachen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule und schloss sein Studium als Elektroingenieur ab. Im Alter von 26 Jahren wechselte er nach Kiel an das Institut für Meereskunde (IfM) und begann als Doktorand in der Meeresphysik bei Günter Dietrich in der Arbeitsgruppe von Gerold Siedler zu arbeiten. 1969 schloss er seine Doktorarbeit „Zur Schichtung des Mittelmeerwassers westlich von Gibraltar“ ab – ein Thema, mit dem er sich während seiner wissenschaftlichen Karriere immer wieder beschäftigte.
Wissenschaftlich hat Walter Zenk sich mit einem breiten Spektrum von Fragen in der physikalischen Ozeanographie beschäftigt. Seine Arbeiten basierten auf insgesamt 40 Forschungsfahrten mit verschiedenen deutschen und internationalen Forschungsschiffen. Bei vielen davon fungierte er als wissenschaftlicher Fahrtleiter. Walter etablierte in Kiel Beobachtungen mit Tiefseedriftern und war maßgeblich an der Entwicklung des internationalen Argo-Float-Programms beteiligt. Er arbeitete an Tiefenströmungen im Nord- und Südatlantik, befasste sich mit der Dynamik ozeanischer Fronten im subtropischen und tropischen Atlantik sowie im südlichen Ozean und studierte den Nordatlantikstrom und die Wassermassentransformation im östlichen Nordatlantik. Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 100 begutachtete Publikationen und Buchbeiträge, von denen eine beachtliche Anzahl nach dem Eintritt in den Ruhestand 2005 entstanden ist und die zunehmend auch historische Aspekte der Meeresforschung in Deutschland beinhalteten.
Walter Zenk war ein international anerkannter Experte und sehr gut vernetzt. Dazu trugen auch mehrere Forschungsaufenthalte am WHOI und SCRIPPS in den USA bei. Seine wegweisenden Arbeiten zu tiefen Wirbeln von Mittelmeerwasser im Atlantik, sogenannten Meddies, die er unter anderem zusammen mit Larry Armi (SCRIPPS, San Diego) in den 1980er Jahren anfertigte, bilden die Grundlage für eine Reihe ähnlicher Studien in ganz verschiedenen Regionen des Weltozeans. Bekannt ist Walter Zenk aber auch für seine Studien zur Tiefenzirkulation im Südatlantik einschließlich der nordwärtigen Ausbreitung von antarktischem Bodenwasser. Er etablierte eine multidekadische Zeitserie zur Erwärmung des Bodenwassers im Südatlantik. Auch nach Beginn seines Ruhestandes hat er sich hervorragend um die Fortführung von Messungen im Vema-Kanal, der Hauptroute für antarktisches Bodenwasser in Richtung tropischer Atlantik, gekümmert und diese Arbeiten noch 2021 mit vielen internationalen Kollegen und Freunden veröffentlicht.
Walter war ein zentraler Akteur am Institut für Meereskunde, der sich für die Weiterentwicklung und Ausrichtung der Meeresforschung in Kiel einsetzte. Er war zentral für die Vereinigung der zuvor getrennten Abteilungen Meeresphysik und Regionale Ozeanographie am Institut für Meereskunde, die dann eine gemeinsame strategische Ausrichtung der beobachtenden physikalischen Ozeanographie ermöglichte. Am Institut war er sowohl für seine wissenschaftliche Expertise als auch für seine persönlichen Ratschläge sehr geschätzt, besonders auch für seine fröhliche und außergewöhnlich hilfsbereite Art.
Unser Beileid gilt seiner Frau Maren und seinen Kindern Cordula, Oliver und Stefanie. Wir trauern um einen geschätzten Kollegen und werden Walter in guter Erinnerung behalten.
Das GEOMAR trauert um Dr. Walter Zenk, der im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Der promovierte Ozeanograph arbeitete und wirkte von 1966 bis 2005 am Institut für Meereskunde (IfM) und den Nachfolgeinstituten.
Foto: GEOMAR