Verleihung des Otto‑Krümmel‑Förderpreises 2026: Ausgezeichnet wurden Leonie Scheidereit (2.v.l.) und Hannes Sandberg (3.v.l.) für ihre Bachelorarbeiten an der CAU und am GEOMAR. Es gratulierten Prof. Dr. Katja Matthes (l.) und Dr. Peter Gimpel (r.).

Foto: Pia Steinke, GEOMAR

  

Der Innovation Award ging an Dr. Xiangyu Weng aus dem Forschungsbereich Marine Biogeochemie und sein Team vom Projekt PlastoView.

Foto: Pia Steinke, GEOMAR

Direktorin Katja Matthes gratuliert dem Preisträger. In dem ausgezeichneten Projekt PlastoView wird ein kompaktes, automatisiertes System zur Untersuchung von Partikeln im Wasser entwickelt. Damit sollen Mikroplastik und Plankton direkt in Wasserproben automatisch erkannt, voneinander unterschieden und charakterisiert werden. 

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Zwei herausragende Bachelorarbeiten ausgezeichnet

Otto‑Krümmel‑Förderpreis 2026 geht an Hannes Sandberg und Leonie Scheidereit

14. September 2026 / Kiel. Im Rahmen des GEOMAR Science Days ist heute der Otto‑Krümmel‑Förderpreis 2026 verliehen worden. Ausgezeichnet wurden Hannes Sandberg und Leonie Scheidereit für ihre Bachelorarbeiten an der Christian‑Albrechts‑Universität zu Kiel und am GEOMAR Helmholtz‑Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Der Preis ist in diesem Jahr auf insgesamt 2.000 Euro erhöht worden und wird hälftig von der Gesellschaft zur Förderung des GEOMAR sowie der Reederei Briese gestiftet. Zum zweiten Mal wurde außerdem der Innovation Award des GEOMAR für besondere Leistungen im Technologietransfer verliehen.

Im Rahmen des heutigen GEOMAR Science Day wurde der Otto-Krümmel-Preis 2026 an zwei Studierende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) verliehen: Hannes Christian Sandberg und Leonie Scheidereit haben beide den Studiengang Physics of the Earth System an CAU und GEOMAR mit der Note 1,0 abgeschlossen und sind seit 2025 im Masterstudiengang Climate Physics. Sie teilen sich den diesjährigen Förderpreis, dessen Preisgeld dafür auf insgesamt 2000 Euro erhöht wurde. 

Würdigung von Bachelorabschlüssen

„Mit Hannes Sandberg und Leonie Scheidereit zeichnen wir in diesem Jahr gleich zwei Studierende für ihre herausragenden wissenschaftliche Arbeiten aus“, sagt Dr. Peter Gimpel, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des GEOMAR. „Beide Arbeiten zeigen, wie viel eigenständige Forschung bereits im Bachelorstudium möglich ist. Genau diese Leistungen möchten wir mit dem Otto-Krümmel-Förderpreis sichtbar machen und würdigen.“

„Der Otto-Krümmel-Förderpreis ist eine wichtige Auszeichnung für junge Forschende und zugleich eine Anerkennung ihrer ersten eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten“, sagt Prof. Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR. „Dass wir den Preis in diesem Jahr an gleich zwei Personen vergeben, unterstreicht die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten. Wir freuen uns, dass Hannes Sandberg und Leonie Scheidereit mit ihren Forschungsthemen den wissenschaftlichen Austausch hier bei uns am GEOMAR bereichern.“

Auch Kapitän Klaus Küper von der Reederei Briese, die gemeinsam mit der Fördergesellschaft das Preisgeld stiftet, unterstrich in seiner Video-Botschaft die Bedeutung der Auszeichnung: „Forschung braucht nicht nur gute Ideen, sondern auch die Möglichkeit, diese unter realen Bedingungen umzusetzen. Wir freuen uns, mit der Unterstützung des Otto-Krümmel-Förderpreises junge Forschende auf ihrem Weg zu begleiten. Die Arbeiten von Hannes Sandberg und Leonie Scheidereit zeigen eindrucksvoll, wie aus Beobachtungen auf See und wissenschaftlicher Analyse neue Erkenntnisse über den Ozean entstehen.“

Ozean vor Westafrika wird nach der Auftriebssaison wärmer

Hannes Sandberg zeigt in seiner Bachelorarbeit „Rising Temperatures, Changing Currents: Investigating Late‑Summer SST Trends in the West African Upwelling Region“ („Steigende Temperaturen und veränderte Strömungen: Untersuchung der Trends der Meeresoberflächentemperatur im Spätsommer in der westafrikanischen Upwelling-Region“), dass sich das Meer südwestlich von Kap Blanc im Spätsommer seit 1993 deutlich erwärmt hat. Die Meeresoberflächentemperatur stieg im Mittel um 0,33 Grad Celsius pro Jahrzehnt, im September lokal sogar um bis zu 0,7 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Auffällig ist, dass die Erwärmung vor allem zwischen August und Oktober auftritt, wenn der saisonale Auftrieb nachlässt. Während der eigentlichen Auftriebszeit zeigt sich dagegen kein entsprechender Erwärmungstrend. Die Analysen deuten darauf hin, dass eine stärkere Oberflächenströmung des Mauretanienstroms dabei eine wichtige Rolle spielt: Seit 1993 hat sich die Strömung um etwa 0,01 Meter pro Sekunde pro Jahrzehnt verstärkt und transportiert dadurch vermutlich mehr warmes Wasser aus südlicheren Regionen nach Norden. Auch die untersuchten Wärmeflüsse zwischen Atmosphäre und Ozean sprechen dafür, dass vor allem dieser Transport von warmem Wasser und nicht eine stärkere Erwärmung durch die Atmosphäre vor Ort den beobachteten Trend verursacht. 

Die Laudatio auf Hannes Sandberg hielt Prof. Dr. Florian Schütte, Professor für Physikalische Ozeanographie am GEOMAR, der die Bachelorarbeit betreut hat.

Neue Messungen zeigen Schwächen gängiger CO2-Berechnungen

Leonie Scheidereit hat in ihrer Bachelorarbeit „Eddy Covariance Air‑Sea CO2 Flux Measurements in the Baltic and North Seas During Winter“ („Messungen des Kohlendioxid-Austauschs zwischen Luft und Meer mit der Eddy-Kovarianz-Methode in Ost- und Nordsee im Winter“) den Luft‑See‑Austausch von Kohlendioxid in Ost‑ und Nordsee mit der Eddy‑Kovarianz‑Methode untersucht. Die Ergebnisse verglich sie mit gängigen Berechnungsverfahren, die den Kohlendioxid-Austausch vor allem anhand der Windgeschwindigkeit abschätzen. Trotz schwieriger Bedingungen während der Winterfahrt, ergaben sich aus ihrer Arbeit wichtige Erkenntnisse für die Messmethode und einen verbesserten Messaufbau. Vorläufige Auswertungen einer Folgemesskampagne mit der ALKOR im Mai und Juni 2025 zeigen deutlich geringere Kohlendioxid-Flüsse als von den gängigen Berechnungsverfahren erwartet. Das deutet darauf hin, dass für die Berechnung des Kohlendioxid-Austauschs in Küstenmeeren neben der Windgeschwindigkeit weitere Einflussgrößen stärker berücksichtigt werden müssen. 

Die Laudatio hielt ihre Erstbetreuerin PD Dr. Christa Marandino, in deren Arbeitsgruppe Trace Gas Air-Sea Exchange Scheidereit bereits seit 2022 mitarbeitet.

Innovation Award 2026: Kompaktes System zur Überwachung von Mikroplastik und Plankton

Im Rahmen des GEOMAR Science Day wurde auch der Innovation Award verliehen. Der Preis wurde durch die Stabsstelle Forschungsförderung und Transfer initiiert und würdigt herausragende Erfindungen mit besonderem Anwendungspotenzial. GEOMAR-Direktorin Professorin Dr. Katja Matthes überreichte Pokal und Urkunde an Dr. Xiangyu Weng, Ingenieur für Automatisierungstechnik und optische Messtechnik im Forschungsbereich Marine Biogeochemie am GEOMAR und sein Team vom Projekt PlastoView.

PlastoView entwickelt ein kompaktes, automatisiertes System zur Untersuchung von Partikeln im Wasser. Damit sollen Mikroplastik und Plankton direkt in der Wasserprobe automatisch erkannt, voneinander unterschieden und charakterisiert werden. 

Das System adressiert zwei zentrale Herausforderungen: Zum einen ist die Messung von Mikroplastik bislang oft zeitaufwendig und arbeitsintensiv, weil Proben genommen, gefiltert und Partikel anschließend im Labor analysiert werden. Zum anderen ist Plankton entscheidend für Nahrungsketten und den Kohlenstoffkreislauf im Meer. Viele etablierte Verfahren liefern jedoch nur Teilinformationen, etwa weil sie nur 2D‑Bilder erfassen oder mit konservierten Proben arbeiten. PlastoView soll eine schnelle, praxisnahe und zuverlässige Analyse direkt vor Ort ermöglichen, zu – eine wichtige Voraussetzung für eine regelmäßige Überwachung von Gewässern, etwa an Kläranlagen, im Gewässermonitoring oder in der Meeresforschung. 

 

 

Hintergrund: Otto-Krümmel-Förderpreis

Mit dem Otto-Krümmel-Förderpreis zeichnet die Gesellschaft zur Förderung des GEOMAR jedes Jahr herausragende Bachelorarbeiten im Bereich der Meeresforschung aus. Ziel ist es, den Bachelorabschluss als eigenständigen und wichtigen Schritt in der wissenschaftlichen Qualifizierung zu stärken. Otto Krümmel (1854-1912) gilt als Wegbereiter der modernen Ozeanographie in Deutschland. Als Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel leitete er viele Jahre die damalige Kieler Forschungsanstalt für Meereskunde, eine Vorgängereinrichtung des heutigen GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.

Vier Personen, zwei Frauen und zwei Männer, die junge Frau und der junge Mann in der Mitte halten je eine Urkunde in der Hand, alle lächeln in die Kamera

Verleihung des Otto‑Krümmel‑Förderpreises 2026: Ausgezeichnet wurden Leonie Scheidereit (2.v.l.) und Hannes Sandberg (3.v.l.) für ihre Bachelorarbeiten an der CAU und am GEOMAR. Es gratulierten Prof. Dr. Katja Matthes (l.) und Dr. Peter Gimpel (r.).

Foto: Pia Steinke, GEOMAR

  

Ein junger Mann mit schwarzen Haaren und asiatischen Gesichtszüge hält einen gläsernen, gravierten Preis in die Kamera.

Der Innovation Award ging an Dr. Xiangyu Weng aus dem Forschungsbereich Marine Biogeochemie und sein Team vom Projekt PlastoView.

Foto: Pia Steinke, GEOMAR

Eine Frau und ein Mann vor einem Hintergrund, der das Meer zeigt

Direktorin Katja Matthes gratuliert dem Preisträger. In dem ausgezeichneten Projekt PlastoView wird ein kompaktes, automatisiertes System zur Untersuchung von Partikeln im Wasser entwickelt. Damit sollen Mikroplastik und Plankton direkt in Wasserproben automatisch erkannt, voneinander unterschieden und charakterisiert werden. 

Foto: Pia Steinke, GEOMAR