Anna Niewerth
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Der CDRmare-Forschungsverbund zur CO2-Speicherung tief unter der deutschen Nordsee (GEOSTOR) hat heute zwei neue Sonderfolgen seines (Video-)Podcasts „CCS: Was ist das?“ sowie ein neues Factsheet veröffentlicht, um über Deutschlands begrenzte CO2-Speicherkapazitäten unter der deutschen Nordsee zu informieren.
„Die Bundesregierung will bis zum Ende des Jahres ihre Strategie vorstellen, wie die deutsche Industrie dekarbonisiert werden soll. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Abscheidung und Speicherung schwer und nicht vermeidbarer CO2-Emissionen, wie sie zum Beispiel bei der Zementherstellung und bei der Müllverbrennung entstehen. Die Menge dieser Emissionen ist größer als unsere Speicherkapazitäten unter der deutschen Nordsee. Aus diesem Grund muss sehr gut abgewogen werden, für welche Industriesektoren die geologische CO2-Speicherung unter dem Meer erlaubt werden soll und für welche nicht“, sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann, Koordinator des Forschungsverbundes GEOSTOR und Leiter der Forschungseinheit Marine Geosysteme am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.
Die zentralen Aussagen im Überblick:
Deutschlands CO2-Speicherkapazitäten unter der Nordsee sind begrenzt: GEOSTOR-Vorerkundungen zeigen, dass die statische CO2-Speicherkapazität in Buntsandstein-Lagerstätten seewärts der Küstenzone etwa 0,9 bis 5,5 Milliarden Tonnen CO2 beträgt. Ein großer Teil der potenziellen Speicherstätten ist derzeit jedoch nicht zugänglich, da die Nordsee in diesen Gebieten bereits für andere Zwecke genutzt wird (z. B. Windenergie, Schifffahrt, Militär) oder unter Schutz steht. Um dennoch eine CO2-Speicherung im industriellen Maßstab zu ermöglichen, müssen in den entsprechenden Nordseegebieten Konzepte für eine Mehrfachnutzung des Meeres entwickelt und in der Meeresraumplanung berücksichtigt werden.
Trotz der GEOSTOR-Berechnungen sind die tatsächlich nutzbaren Speicherkapazitäten bislang nicht bekannt. Sie liegen möglicherweise bei circa 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen CO2. Wenn diese angenommene Kapazität im Zeitraum von 2035 bis 2100 genutzt würde, ergäbe sich eine jährliche Speicherrate von 8 bis 23 Millionen Tonnen CO2. Dem gegenüber liegt der geschätzte Speicherbedarf pro Jahr in Deutschland im Jahr 2045 bei circa 8,5 bis 70 Millionen Tonnen CO2. Zudem müssen Kapazitäten vorgehalten werden, um künftig CO2 einzulagern, welches der Atmosphäre durch den Einsatz von BECCS- und DACCS-Technologien entnommen wurde (negative Emissionen). Zum Vergleich: Würde Deutschland pro Jahr 8 bis 23 Millionen Tonnen CO2 unter der deutschen Nordsee verpressen, entspräche die eingelagerte Menge CO2 1 bis 4 Prozent der heutigen CO2-Emissionen des Landes.
CCS nur für CO2-Mengen, deren Entstehung sich nicht vermeiden lässt. Deutschlands begrenzte CO2-Speicherkapazitäten untermauern: Treibhausgasemissionen von vornherein zu vermeiden, ist die wirksamste Klimaschutzmaßnahme und muss bei allen politischen Entscheidungen oberste Priorität haben. Das Einlagern von CO2 im Meeresuntergrund der deutschen Nordsee sollte aufgrund der geringen Speicherkapazität auf jene CO2-Mengen beschränkt werden, die sich grundsätzlich nicht vermeiden lassen (v. a. Zementherstellung und Müllverbrennung) oder der Atmosphäre entnommen wurden (z. B. Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung, Bioenergy with Carbon Capture and Storage, BECCS sowie Direct Air Capture, die Entnahme von CO2 aus der Luft mit anschließender Speicherung im Boden, DACCS). Bis eine CO2-Speicherung im tiefen Untergrund der deutschen Nordsee möglich ist (frühestens ab 2035), könnte Deutschland abgeschiedenes CO2 in Nordsee-Anrainerstaaten exportieren.
Im Gespräch mit Kristin Hamann erläutert Prof. Dr. Klaus Wallmann im Videopodcast den Sachstand zur Kohlendioxid-Speicherung unter dem Meer und gibt Handlungsempfehlungen.
Foto: Starboard Visuals
Deutschlands Speicherkapazitäten unter der Nordsee sind begrenzt. Aus diesem Grund müsse sehr gut abgewogen werden, für welche Industriesektoren die geologische CO2-Speicherung unter dem Meer erlaubt werden soll und für welche nicht, sagt Prof. Dr. Klaus Wallmann im Podcast.
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Den Podcast „CCS: Was ist das?“ gibt es inzwischen seit 13 Folgen; die beiden neuesten Folgen wurden erstmals als Videopodcast produziert.
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