Am Wochenende ist die METEOR auf ihre letzte Fahrt von Brasilien quer über den Atlantik gestartet. Während der Expedition M219 werden unter anderem mehrere Tiefseeverankerungen geborgen, gewartet und erneut ausgelegt. Diese Messsysteme liefern kontinuierliche Datenreihen über viele Jahre hinweg.

Foto: David Menzel

An Bord sind vor allem physikalische Ozeanograph:innen, die sich mit den großen Strömungssystemen im Atlantik beschäftigen – der Atlantischen Meridionalen Umwälzbewegung (AMOC). 

Foto: Franz Philip Tuchen, University of Miami

Die METEOR trägt einen für die Meeresforschung traditionsreichen Namen. Ende Juni wird sie nach 40 Jahren außer Dienst gestellt.

Foto: Hermann Bange, GEOMAR

40 Jahre Expeditionsgeschichte im Kielwasser

Letzte Forschungsfahrt der METEOR untersucht Strömungen im tropischen Atlantik

1. Juni 2026 / Recife / Kiel. Die METEOR geht auf ihre letzte Fahrt: In Brasilien ist am Wochenendestartet heute die Expedition M219 von Recife nach Emden. Im Mittelpunkt stehen Messungen im tropischen Atlantik, die zeigen sollen, wie sich zentrale Strömungssysteme und der Wärmetransport im Ozean verändern. Außerdem wird im Rahmen der Reise eine neue Messboje vor den Kapverden installiert, die den Austausch zwischen Ozean und Atmosphäre langfristig überwacht. Danach wird das Forschungsschiff mit dem traditionsreichen Namen außer Dienst gestellt.

An seine erste Fahrt mit diesem Schiff erinnert sich Prof. Dr. Peter Brandt, Leiter der Forschungseinheit Physikalische Ozeanographie am GEOMAR noch genau: „Es war meine erste große Expedition, ich war noch Student. Die Fahrt ging während des Südwest-Monsuns ins Arabische Meer im Indischen Ozean. Der Rückweg nach getaner Forschungsarbeit führte gegen den Monsun, aber der Wind war so stark, dass sich die METEOR kein Stück vorwärtsbewegte.“ Das war 1995, und die METEOR absolvierte ihre 32. Fahrt. Heute beginnt die Fahrt mit der Nummer 219, und es wird die letzte Expedition dieser METEOR sein. Ende Juni wird sie nach 40 Jahren außer Dienst gestellt.

Die Reihe von Forschungsschiffen mit diesem Namen reicht mehr als 100 Jahre zurück. Die erste METEOR lief 1915 in Danzig vom Stapel und wurde 1924 zum ersten Forschungsschiff der Reichsmarine. Berühmt wurde sie durch die „Deutsche Atlantische Expedition“ von 1925 bis 1927, bei der erstmals ein ganzes Ozeanbecken systematisch vermessen wurde und unter anderem der Nachweis des Wasseraustauschs zwischen den Strömungssystemen der Nord- und Südhalbkugel erbracht wurde. Die zweite METEOR war von 1964 bis 1985 im Einsatz. Seit 1986 ist nun die dritte METEOR auf Forschungsreisen gewesen, und die vierte METEOR befindet sich im Bau. Das neue Schiff wird vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel betrieben werden.

Expedition M219 – dem Klimasystem des Atlantiks auf der Spur

Ihre letzte Fahrt führt die METEOR wieder einmal quer über den Atlantik, von Recife in Brasilien nach Emden, und damit auf den Spuren der ersten METEOR. An Bord sind vor allem physikalische Ozeanograph:innen, die sich mit den großen Strömungssystemen im Atlantik beschäftigen – der Atlantischen meridionalen Umwälzbewegung (AMOC). Dieses Strömungssystem transportiert warmes Oberflächenwasser nach Norden und kaltes Tiefenwasser nach Süden. Es wirkt wie eine gigantische Heiz- und Kühlanlage des Klimasystems: Sie verteilt Wärme vom Süden in Richtung Norden und beeinflusst so Wetter und Klima weit über den Atlantikraum hinaus. Es gilt als gesichert, dass die AMOC unter der globalen Erwärmung an Stärke verlieren wird. Aber geschieht dies bereits? Und in welchem Ausmaß? Peter Brandt: „Ob die Atlantische Umwälzbewegung bereits schwächer wird, lässt sich nur mit kontinuierlichen Beobachtungen beantworten. Jede einzelne Messreihe ist ein Puzzleteil in diesem globalen Bild.“

Langzeitbeobachtung im tropischen Atlantik

Die Expedition M219 untersucht zentrale Teile des Strömungssystems. Vor Brasilien stehen Schwankungen des Nordbrasilianischen Unterstroms und des tiefen westlichen Randstroms im Mittelpunkt, ergänzend liefern Messungen am Äquator Einblicke in die Ausbreitung von Wassermassen und Signalen vom Rand ins Ozeaninnere. Ein weiterer Schwerpunkt ist die multifunktionale Verankerung nördlich der kapverdischen Insel São Vicente, das Cape Verde Ocean Observatory (CVOO), das unter anderem erfasst, wie der Ozean Kohlendioxid aufnimmt und speichert.

Während der Fahrt werden mehrere Tiefseeverankerungen geborgen, gewartet und erneut ausgelegt. Diese mit Strömungs-, Temperatur-, Sauerstoff- und Partikelsensoren ausgestatteten Messsysteme liefern kontinuierliche Datenreihen über viele Jahre hinweg. Zusätzlich installieren die Forschenden Bodenecholote mit Drucksensoren am Meeresboden, die der Bestimmung der AMOC im tropischen Atlantik dienen. Mit umfangreichen Stationsarbeiten werden zudem Daten zu Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff, Nährstoffen, Strömungen und Partikelverteilung im Wasser erfasst.

Neue Messboje: Hightech mitten auf dem Meer

In Mindelo auf den Kapverden (Westafrika) wird die METEOR einen Zwischenstopp einlegen. Dort wird eine neue Messboje an Bord genommen, die anschließend nahe der kapverdischen Langzeitmess-Station CVOO verankert werden soll. Die Boje ist in Kiel am GEOMAR entwickelt und gebaut worden. Sie soll fortlaufend Daten aus dem Ozean und der darüberliegenden Luft gewinnen und an das GEOMAR sowie an kapverdische Institutionen übermitteln. Daraus können die Forschenden ablesen, wie der Austausch von Wärme und Gasen zwischen Atmosphäre und Ozean funktioniert. „Eine vermehrte Aufnahme von CO2 aus der Luft und der daraus resultierenden Versauerung des Ozeans kann sich negativ auf marine Organismen auswirken“, erklärt Dr. Björn Fiedler, chemischer Ozeanograph und wissenschaftlicher Koordinator der Kapverden-Kooperation am GEOMAR. „Mit der neu entwickelten Boje können wir somit nicht nur den Prozess des Gasaustausches näher untersuchen, sondern liefern gleichzeitig wertvolle Daten über das marine Ökosystem in Westafrika, welches für viele Menschen in der Region die Lebensgrundlage darstellt.“

Danach nimmt die METEOR Kurs auf Emden. Für Fahrtleiter Peter Brandt endet dann seine 17. Fahrt auf der METEOR: „Die letzte Fahrt eines für die Meeresforschung so bedeutenden Schiffes als Fahrtleiter zu begleiten – das ist schon etwas Besonderes.“

Expedition in Kürze

Name: M219
Fahrtleitung: Prof. Dr. Peter Brandt
Zeitraum: 30.05.2026 - 28.06.2026
Start: Recife (Brasilien)
Ende: Emden (Deutschland)
Fahrtgebiet: Tropischer Atlantik

An der Expedition M219 sind Forschende und technische Expert:innen aus mehreren deutschen und internationalen Einrichtungen beteiligt. Neben dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel wirken unter anderem die Universidade Federal de Pernambuco (Brasilien), das Lamont-Doherty Earth Observatory (USA), das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM, Universität Oldenburg) sowie das Centre National de la Recherche Scientifique (Frankreich) mit. Unterstützt wird die Fahrt zudem durch den Deutschen Wetterdienst, dessen Bordwetterwarte meteorologische Messungen und Wettervorhersagen für die Expedition bereitstellt.

Männer mit Schutzhelmen an Bord eines Schiffes ziehen eine Kette mit gelben und roten Auftriebskörpern aus dem Wasser

Am Wochenende ist die METEOR auf ihre letzte Fahrt von Brasilien quer über den Atlantik gestartet. Während der Expedition M219 werden unter anderem mehrere Tiefseeverankerungen geborgen, gewartet und erneut ausgelegt. Diese Messsysteme liefern kontinuierliche Datenreihen über viele Jahre hinweg.

Foto: David Menzel

Großes Forschungsschiff , am Kai vertäut

An Bord sind vor allem physikalische Ozeanograph:innen, die sich mit den großen Strömungssystemen im Atlantik beschäftigen – der Atlantischen Meridionalen Umwälzbewegung (AMOC). 

Foto: Franz Philip Tuchen, University of Miami

Forschungsschiff auf dem Meer

Die METEOR trägt einen für die Meeresforschung traditionsreichen Namen. Ende Juni wird sie nach 40 Jahren außer Dienst gestellt.

Foto: Hermann Bange, GEOMAR