Möglicher Ausbruch eines Unterwasservulkans in der Bismarcksee
GEOMAR-Kartenmaterial hilft bei der Einordnung
In der nördlichen zentralen Bismarcksee vor Papua-Neuguinea gibt es derzeit Hinweise auf eine submarine Vulkaneruption. Nach ersten Einschätzungen könnte die Aktivität mit den sogenannten „Titan-Rücken“ in der Nähe der Willaumez-Transformstörung zusammenhängen. Die aktuelle Eruption konnte dank einer neuen regionalen geologischen Karte einem bisher eher unscheinbaren System an vulkanischen Rücken unter Wasser zugeordnet werden.
Neue geologische Karte hilft bei der Einordnung
Die Karte ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Universität Ottawa (Kanada) unter Federführung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Sie entstand im Rahmen internationaler Forschungsarbeiten zur tektonisch aktiven Inselbogenregion vor Papua-Neuguinea und den Salomonen (International Collaborative Research and Training Experience in Marine Geodynamics and Georesources, CREATE). Sie dokumentiert Strukturen des Meeresbodens wie Störungssysteme, Vulkane und Spreizungszonen – Bereiche, in denen neue ozeanische Kruste entsteht. Die Region zählt zu den geologisch aktivsten Gebieten der Erde. Mehrere tektonische Platten treffen dort aufeinander. Erdbeben, Vulkanismus und hydrothermale Aktivität prägen den Meeresboden.
„Unterwasservulkane sind schwer zu beobachten, weil sie oft hunderte oder tausende Meter unter der Wasseroberfläche liegen, und viele sind noch unentdeckt“, sagt Dr. Philipp A. Brandl, mariner Geologe am GEOMAR. „In diesem Fall kann unser detailliertes Kartenmaterial den Beteiligten vor Ort helfen, die aktuellen Ereignisse einzuordnen.“ Möglicherweise handelt es sich um denselben Unterwasservulkan, der bereits 1972 bei einem Ausbruch die Wasseroberfläche durchbrach.
Vulkanische Aktivität unter Wasser hält an
Seit dem 8. Mai steigt über dem betroffenen Gebiet eine Dampf- und Gasfahne auf. Am 12. Mai reichte die Eruptionswolke bis in rund 4.000 Meter Höhe. Das VAAC Darwin (Volcanic Ash Advisory Center) veröffentlichte daraufhin eine Warnung für die Luftfahrt. Bis zum 15. Mai verfärbte sich das Meer auf einer Fläche von mehr als 250 Quadratkilometern – ein Hinweis auf anhaltende vulkanische Aktivität unter Wasser. Auf Bildern des europäischen Erdbeobachtungsdienstes Copernicus sind zudem kleinere Bimssteinteppiche zu erkennen, die sich über eine Länge von bis zu 200 Kilometern west-südwestlich des Vulkans erstrecken.
Keine Gefahr für die Bevölkerung
Da der Vulkan in einer sehr abgelegenen Meeresregion, weit entfernt von bewohnten Küsten liegt, besteht nach aktuellem Kenntnisstand keine Gefahr für die Bevölkerung. Die örtliche Vulkanbeobachtungsstelle (Rabaul Volcanological Observatory, Mineral Resources Authority, Papua-Neuguinea) veröffentlicht regelmäßige Berichte zum Ausbruch. Für die Schifffahrt gilt die Empfehlung, das Gebiet zu meiden.
Ob die aktuelle Eruption tatsächlich vom selben Vulkan wie 1972 ausgeht, ist bislang noch nicht bestätigt. Der Fall zeigt jedoch, wie wichtig langfristige Grundlagenforschung im Ozean ist: Karten und Datensätze, die über Jahre hinweg entstehen, können plötzlich helfen, aktuelle Naturereignisse besser zu verstehen und einzuordnen.
Original-Publikation:
Brandl, P. A., Hannington, M. D., Kraetschell, A., & Sander, S. G. (2024). A New Geological Map of the Marginal Basins of Eastern Papua New Guinea: Implications for Crustal Accretion and Mineral Endowment at Arc–Continent Collisions. Lithosphere, 2024(4).
Das Satellitenbild zeigt die betroffene Region in der Bismarcksee vor Papua-Neuguinea. Zu erkennen sind zwei räumlich getrennte Ausbruchsstellen an der Wasseroberfläche; Wasserdampf wird durch den Wind verdriftet. Große Bereiche des Wassers sind verfärbt, und an der Oberfläche schwimmen großflächige Ansammlungen an hellbraunem Bimsstein.
Satellitenaufnahme vom 22. Mai 2026 (ESA, modified Copernicus Sentinel data, 2026)
Die Stelle des aktuellen Ausbruchs: Links die geologische Karte der Titan Ridges (Brandl et al., 2024), daneben eine bathymetrische Karte. (Zur Vergrößerung auf das Bild klicken)
Illustration: Philipp Brandl, GEOMAR
Bathymetrische Karte mit der Morphologie des Meeresbodens in der Nähe des aktuellen Ausbruchs. Die Bathymetrie wurde in den 2010er-Jahren aufgezeichnet. Damals befand sich die Spitze des Titan Ridge Vulkans in über 400 Metern Wassertiefe.
Illustration: Philipp Brandl, GEOMAR