Ostsee-Forschung unter Segeln
GEOMAR startet Expeditionen mit der Malizia Explorer
Wie lässt sich wissenschaftliche Forschung mit nachhaltiger Schifffahrt verbinden? Die Antwort liegt am Anleger des GEOMAR in Kiel: Dort hat am Donnerstag die Malizia Explorer festgemacht, ein 26 Meter langes Segelschiff, das speziell für wissenschaftliche Expeditionen umgebaut wurde. Gemeinsam mit Profisegler und Team-Malizia-Skipper Boris Herrmann stellten Wissenschaftler:innen des GEOMAR heute die ersten für die Ostsee geplanten Forschungsfahrten des Schiffes vor.
„Die Zusammenarbeit mit Team Malizia verbindet exzellente Forschung mit einer starken Botschaft für den Schutz des Ozeans“, sagte Prof. Dr. Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR. „Mit der Malizia Explorer können wir Meeresgebiete auf besonders klimafreundliche Weise erreichen und gleichzeitig Menschen für den Schutz und die Bedeutung des Ozeans begeistern.“
„Ich bin seit vielen Jahren auf den Weltmeeren unterwegs und beobachte die Veränderungen, ganz augenscheinlich die Veränderungen im Eis, aber auch Teppiche von Sargassum, die sich neu auf dem Atlantik bilden. In die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft sind wir reingewachsen. Ein Forscher vom GEOMAR hat bei einem Segelrennen Daten gesammelt, das wollten wir auch machen. Über die Jahre haben wir verstanden, warum das Datensammeln relevant und interessant ist. Daraus ist auch die Idee der Malizia Explorer entstanden“, erzählt Boris Herrmann über die Entstehung der Kooperation zwischen Team Malizia und GEOMAR.
Langjährige Partnerschaft für Wissenschaft und Ozeanschutz
GEOMAR und Team Malizia arbeiten bereits seit vielen Jahren zusammen. Schon an Bord der Rennjacht des Teams sammeln Sensoren während internationaler Regatten wichtige Daten über den Zustand des Ozeans. Seit dem Stapellauf der Malizia Explorer im Jahr 2025 ist das GEOMAR zudem wissenschaftlicher Partner des Forschungsschiffes.
Nach mehreren Monaten im Südpolarmeer beginnt nun ein neues Kapitel: Erstmals finden wissenschaftliche Expeditionen der Malizia Explorer in der Ostsee statt. Das Schiff bietet Platz für eine dreiköpfige Segelcrew und bis zu acht Wissenschaftler:innen. An Bord befinden sich Labor- und Lagermöglichkeiten für Proben, ein Beiboot für Arbeiten in Küstennähe sowie ein Kran zum Ausbringen wissenschaftlicher Geräte.
Drei Fahrtabschnitte in der westlichen Ostsee
Vom 9. bis 24. Juli 2026 leitet das GEOMAR drei Forschungsfahrten in der westlichen Ostsee. Auf dem ersten und dritten Fahrtabschnitt untersuchen die Forschenden Seegraswiesen in der Kieler sowie der Mecklenburger Bucht und vor der Küste Süddänemarks. Sie erfassen Zustand und Ausdehnung der Unterwasserpflanzen und entnehmen Sedimentkerne, um ihr Potenzial als natürlichem Kohlenstoffspeicher zu bestimmen.
Der zweite Fahrtabschnitt konzentriert sich auf Mikroalgen, das sogenannte Phytoplankton. Diese winzigen Organismen bilden die Grundlage mariner Nahrungsnetze und spielen eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf. Die Forschenden wollen untersuchen, wie sich Artenzusammensetzung und Aktivität der Mikroalgen als Indikatoren für den Zustand der Ostsee nutzen lassen und welchen Beitrag sie zur Aufnahme von Kohlendioxid leisten. Die Arbeiten liefern Daten für die Projekte RECOVER (Resilience of coastal vital ecosystems through innovative management solutions in the Danish-German border region) und KIMMCO (Leuchtturmprojekt für KI-gesteuertes Monitoring mariner Mikroalgen als CO₂-Senke im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz). Ziel von KIMMCO ist es, neue KI-gestützte Verfahren zu entwickeln, die Phytoplankton automatisch erfassen und ihre Rolle als natürliche CO2-Senke genauer bestimmen können.
Neue Technologien für die Beobachtung des Ozeans
An Bord kommen moderne Messverfahren zum Einsatz. Spezielle Kamerasysteme und automatische Analysegeräte erfassen Mikroalgen direkt im Wasser und ermöglichen hochauflösende Beobachtungen ihrer Vielfalt und Aktivität. Ergänzend nehmen die Forschenden Wasserproben, messen organische Kohlenstoffverbindungen und sammeln Umwelt-DNA (eDNA), um Rückschlüsse auf die biologische Vielfalt zu ziehen.
Die Expeditionen tragen dazu bei, den ökologischen Zustand der Ostsee besser bewerten zu können. Das Ozeanbecken leidet stark unter steigenden Temperaturen, zu hohen Nährstoffeinträgen und dem Verlust von Lebensräumen. Die gewonnenen Daten sind wichtig, um Veränderungen zu verstehen und wirksame Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen zu entwickeln.
GEOMAR-Forschende gehen im Juli mit einem besonderen Schiff auf Expedition: Gemeinsam mit dem Team Malizia geht es auf den Forschungssegler Malizia Explorer.
Foto: Janne Lene Polei, GEOMAR
Boris Herrmann (Profisegler und Skipper des Team Malizia), Prof. Dr. Anja Engel (Leitung des Forschungsbereichs „Marine Biogeochemie“ am GEOMAR, verantwortlich für Fahrtabschnitt 2), Prof. Dr. Katja Matthes (GEOMAR-Direktorin) und Jana Silva Willim (Doctoral Researcher in der Forschungsgruppe „Marine Evolutionsökologie“, verantwortlich für Fahrtabschnitt 1 und 3) (v.l.n.r.) freuen sich auf die anstehenden Expeditionen.
Foto: Julia Gehringer, GEOMAR