Ein Mann hält einen Vortrag auf einer Bühne.

Dr. Toste Tanhua, chemischer Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, koordinierte das Projekt EuroSea. Foto: UNESCO/ Fabrice Gentile

Eine Gruppe Menschen auf einer Bühne. Im Hintergrund ist eine Leinwand zu sehen. Aufschrift: EuroSea

Auf der Bühne teilten Vertreter:innen internationaler Forschungseinrichtungen ihre Perspektiven der nationalen und internationalen Ozeanbeobachtung und -vorhersage. Fiona-Elaine Straßer (4. v. l.) und Dr. Toste Tanhua (7. v. l.) vertraten das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Foto: UNESCO/ Fabrice Gentile

Eine junge Frau hält einen Vortrag auf einer Bühne. Die Menschen im Publikum schauen stehend zu ihr.

Fiona-Elaine Straßer teilte ihre Erfahrungen als Early Career Ocean Professional. Foto: UNESCO/ Fabrice Gentile

Neue Impulse für interdisziplinäre Ozeanbeobachtung und -vorhersage

53 internationale Partner:innen trafen sich zum Abschluss-Symposium von EuroSea

25.09.2023/Paris/Kiel. Im Rahmen des europäischen Projekts EuroSea arbeiteten 53 Partner:innen aus 14 europäischen Ländern sowie Brasilien und Kanada zusammen, um das europäische System für die Ozeanbeobachtung und Vorhersagen im globalen Kontext zu verbessern. Sie lieferten damit eine wichtige Grundlage zur Deckung des wachsenden Informationsbedarfs für gesellschaftliche und politische Prozesse und Entscheidungen. Jetzt trafen sich rund 200 Beteiligte in Paris zur Vollversammlung und zum Abschluss-Symposium. Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat das Projekt geleitet, das von 2019 bis 2023 von der Europäischen Union mit 12,6 Millionen Euro gefördert wurde.

Der Ozean bildet die Grundlage allen Lebens auf unserem Planeten. Er reguliert das Klima und liefert Nahrungsmittel und Sauerstoff. Vom Menschen verursachte Veränderungen wie Verschmutzung, Überfischung und Erwärmung sowie weitere Faktoren bringen die Meeres-Ökosysteme jedoch aus dem Gleichgewicht. Um die Gesundheit des Ozeans zu erhalten und einen nachhaltigen Umgang mit den Meeren zu gewährleisten, ist es essentiell, die Prozesse in den Meeren und an den Küsten zu verstehen.

Das von der Europäischen Union mit 12,6 Millionen Euro geförderte Projekt EuroSea schloss in den vergangenen vier Jahren wichtige Wissenslücken in diesen Bereichen und schuf Rahmenbedingungen für eine interdisziplinäre und nachhaltige Ozeanbeobachtung und ein System zur Vorhersage von Veränderungen. Dafür arbeiteten die wichtigsten europäischen Akteure der Ozeanbeobachtung und -vorhersage mit den Nutzer:innen ozeanographischer Produkte und Dienste zusammen. Jetzt trafen sich die Beteiligten zur Generalversammlung und einem anschließenden Symposium am Sitz der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission (Intergovernmental Oceanographic Commission, IOC) der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, UNESCO) in Paris.

Unter der Leitung von Dr. Toste Tanhua, chemischer Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Koordinator von EuroSea, kamen für das Projekt 53 Beteiligte aus 14 europäischen Ländern sowie Brasilien und Kanada zusammen. Hierzu gehörten unter anderem wissenschaftliche Einrichtungen und Partner:innen aus dem Privatsektor sowie internationale Organisationen und Netzwerke wie die IOC-UNESCO, das European Marine Board und der europäische Teil des Global Ocean Observing Systems (EuroGOOS).

Die Projekt-Partner:innen stellten die Weichen dafür, bestehende Ozeanbeobachtungssysteme einzelner europäischer Akteure zu verbinden und Ozeandaten genauer und für alle zugänglich zu machen. So sollen insbesondere Akteure der Blue Economy („Blaue Wirtschaft“) – eine umweltgerechte Wirtschaft, die auf der Nutzung der Ozeane aufbaut und unter anderem Fischerei, Hafenwirtschaft, Tourismus und Offshore-Energiegewinnung einschließt – und die Politik auf Grundlage der Daten fundiertere Entscheidungen treffen können. Bei der EuroSea-Generalversammlung tauschten sich die Arbeitsgruppen der zehn einzelnen, miteinander verknüpften Arbeitspakete über ihre Ergebnisse aus.  

Aus dem Projekt gehen zahlreiche Innovationen hervor, die die Ozeanbeobachtung und -vorhersage auf europäischer Ebene in einem globalen Kontext verbessern. Unter anderem entwickelten die Partner:innen auf Basis von Daten an drei Teststandorten in Spanien, Italien und Kolumbien ein Instrument für Städte und deren Häfen, das Echtzeitinformationen sowie Vorhersagen über Wellen, Meeresspiegel, Meeresoberflächentemperatur liefert, wodurch die Sicherheit im Seeverkehrsbetrieb erhöht wird. Auch ein System für die Überwachung von Aquakulturen, das mittels Sensoren, einzigartiger Bojen und fortschrittlichen Modellierungsfunktionen Parameter wie Sauerstoff, Temperatur und pH-Wert misst, ist innerhalb des EuroSea-Projekts entstanden. Es ermöglicht gezielte Vorhersagen von extremen Meeresereignissen wie marinen Hitzewellen und bietet Aquakulturbetreiber:innen einen Frühwarnmechanismus.

Beim anschließenden Abschluss-Symposium konnten sich nationale und internationale Akteure aus Politik, Wissenschaft und Industrie über den aktuellen Stand der Innovationen im Bereich der europäischen Ozeanbeobachtung und -vorhersage informieren. Neben der Auseinandersetzung mit anstehenden Herausforderungen stand die Diskussion von Empfehlungen für ein effektives, nachhaltiges und interdisziplinäres System im Mittelpunkt.

In seinem Abschluss-Statement hob Dr. Toste Tanhua den richtungsweisenden Charakter des Projekts hervor und sprach sich für eine Fortsetzung der gemeinsamen Anstrengungen auf europäischer Ebene aus: „EuroSea hat den Weg hin zu einem interdisziplinären, nachhaltigen Ozeanbeobachtungs- und Vorhersagesystem geebnet. Wir, die Ozeanexpert:innen und Interessenvertreter:innen, setzen uns für eine konzertierte Aktion zur nachhaltigen Stärkung des europäischen Ozeanbeobachtungs- und -vorhersagesystems ein, um dem wachsenden Bedarf der europäischen Gesellschaft und Politik gerecht zu werden und den europäischen Green Deal und die Mission Ocean and Waters zu unterstützen.“

Auf die Kooperationen und Beziehungen, die im Rahmen des Projekts entstanden sind, wollen die Beteiligten aufbauen. Parallel fanden in Paris Workshops des Global Ocean Observing Systems (GOOS) und ein Treffen der europäischen nationalen Anlaufstellen für GOOS statt. Dort wurden Möglichkeiten für Anschlussprojekte diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. „Unsere Erkenntnisse konnten wir so direkt auf globaler Ebene weitergeben“, freute sich Dr. Toste Tanhua, der auch Co-Vorsitzender des GOOS ist.

Förderung:

Das Projekt EuroSea ist eine Innovationsmaßnahme der Europäischen Union, die von 2019 bis 2023 mit 12,6 Millionen Euro durch das Forschungsförderungsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Kommission im Rahmen einer Aufforderung zur Unterstützung der G7-Initiative „Zukunft der Meere und Ozeane“ finanziert wird.

Ein Mann hält einen Vortrag auf einer Bühne.

Dr. Toste Tanhua, chemischer Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, koordinierte das Projekt EuroSea. Foto: UNESCO/ Fabrice Gentile

Eine Gruppe Menschen auf einer Bühne. Im Hintergrund ist eine Leinwand zu sehen. Aufschrift: EuroSea

Auf der Bühne teilten Vertreter:innen internationaler Forschungseinrichtungen ihre Perspektiven der nationalen und internationalen Ozeanbeobachtung und -vorhersage. Fiona-Elaine Straßer (4. v. l.) und Dr. Toste Tanhua (7. v. l.) vertraten das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Foto: UNESCO/ Fabrice Gentile

Eine junge Frau hält einen Vortrag auf einer Bühne. Die Menschen im Publikum schauen stehend zu ihr.

Fiona-Elaine Straßer teilte ihre Erfahrungen als Early Career Ocean Professional. Foto: UNESCO/ Fabrice Gentile