"Filmstar" Anneke spielt eine Meerjungfrau im Sommerschulen-Film über Nährstoffumsätze im Ozean. Foto: J. Dengg

"Filmstar" Anneke spielt eine Meerjungfrau im Sommerschulen-Film über Nährstoffumsätze im Ozean. Foto: J. Dengg

Vor dem Filmen steht das Lernen und Experimentieren, zum Beispiel wie der Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre funktioniert. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Vor dem Filmen steht das Lernen und Experimentieren, zum Beispiel wie der Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre funktioniert. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Aus mehreren Stunden Material muss ein kurzer, einfacher Film zusammengeschnitten werden. Foto: J. Dengg, GEOMAR

Aus mehreren Stunden Material muss ein kurzer, einfacher Film zusammengeschnitten werden. Foto: J. Dengg, GEOMAR

08.07.2013

Von Meerjungfrauen und Sandbildern

Schüler produzieren im Rahmen einer GEOMAR Sommerschule Filme über Sauerstoffminimumzonen

08.07.2013/Kiel. Zwei Wochen lang lernten 12 Schülerinnen und Schüler aus Schleswig-Holstein am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, wo und warum in den Ozeanen Sauerstoff fehlt und welche Auswirkungen das auf die Ökosysteme hat. Am Ende setzten die Jugendlichen das Erlernte in Kurzfilme um, die das Wissen um die „Sauerstoffminimumzonen“ übers Internet weiter verbreiten sollen.

Passanten staunten in der vergangenen Woche nicht schlecht, als am Schiffsanleger an der Reventloubrücke in Kiel eine leibhaftige kleine Meerjungfrau mit blauen Haaren saß und traurig ins Wasser blickte. „Was machst du denn da?“, kam prompt die Nachfrage eines kleinen Mädchens. „Wir drehen einen Film über Meeresforschung“, war die überraschende Antwort.

In dem Meerjungfrauenkostüm steckte die 14-jährige Anneke aus Langwedel in Holstein. Sie war eine von 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Sommerschule „Sauerstoffminimumzonen – wenn im Ozean die Luft dünner wird“, die das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zusammen mit dem Sonderforschungsbereich 754 der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgerichtet hat. In den ersten beiden Wochen der Sommerferien lernten die Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 dabei, wo und warum in den Ozeanen der lebenswichtige Sauerstoff rar ist, welche Auswirkungen das auf die Tiere und Pflanzen im Meer hat, und wie Wissenschaftler diese Zonen untersuchen.

Bei diesen ernsthaften wissenschaftlichen Themen kommen Meerjungfrauen normalerweise natürlich nicht vor. Aber zur Sommerschule gehört auch, das Erlernte in Filmen so umzusetzen, dass auch andere Jugendliche es verstehen. Und die Teilnehmer wählten diese spezielle blaue Nixe als Erzählerin in ihrem Videofilm über Nährstoffumsätze im Ozean. „Wir wollen das, was wir hier gelernt haben, in unserem Video auch für jüngere Schüler verständlich machen“, erläutert die 15-jährige Lea aus Bad Segeberg, „und deshalb haben wir uns einen Film ausgedacht, in dem eine Meerjungfrau alles erklärt.“

Doch nicht nur Meerjungfrauen haben in den Schülervideos tragende Rollen: Phillipp Fisch lässt sich in einer Sequenz von in Sand gezeichneten Bildern den nächsten Einbruch sauerstoffreichen Nordseewassers in die Ostsee von einem Orakelkraken vorhersagen. Und der Reporter Michel (14) aus Kiel führt den Zuschauer in verschiedene Vorgänge in der Wassersäule ein.

Das hierfür nötige Fachwissen eigneten sich die Schüler in der ersten Woche der Sommerschule in Vorträgen von Experten des Sonderforschungsbereichs 754 am GEOMAR sowie in eigenen Experimenten zu verschiedenen Themen der Meeresforschung an. Die praktische Arbeit von Meeresforschern lernten sie bei einer Tagesausfahrt auf die Ostsee mit dem Forschungsschiff ALKOR kennen. „Das Beste war, dass wir auch an Bord nicht nur zusehen durften, sondern die ganzen Arbeiten sogar selber machen sollten“, begeistert sich Michel.

In der zweiten Woche war dann die Herausforderung, die wissenschaftlichen Themen für die Videofilme in eine ansprechende Rahmenhandlung einzubauen und zu filmen. Hierbei verwandelten sich die jugendlichen Teilnehmer nach einer eintägigen Einführung in Drehbuchautoren, Regisseure, Kameraleute, Toningenieure und Cutter. Unter fachkundiger Betreuung der GEOMAR Mitarbeiter und zusätzlicher Experten für Filmtechnik entstanden viele Stunden an Videomaterial, die dann zu einem ansprechenden und aussagekräftigen Film von wenigen Minuten zusammen geschnitten werden mussten. „Ich weiß nicht, was dabei anstrengender war“, sagt die „Meerjungfrau“ Anneke dazu, „das lange Stillsitzen vor der Kamera oder die vielen Änderungen am Film während der Schnittarbeiten.“

Die Premiere der Videos findet am 18. August beim Tag der Offenen Tür des GEOMAR statt, wo die Teilnehmer noch einmal zusammen kommen, um das Ergebnis ihrer Arbeiten der Öffentlichkeit zu zeigen. Anschließend werden die Filme auf der Schülervideo-Webseite des GEOMAR unter https://sfb-outreach.geomar.de zu sehen sein.

Der Vorschlag, beim Tag der Offenen Tür für eine Autogrammstunde wieder in ihr Nixen-Kostüm zu schlüpfen, fand bei Anneke allerdings nur wenig Gegenliebe. Doch die Experimente und Filme wollen alle Teilnehmer dann voller Stolz präsentieren.

 

Ansprechpartner:
Dr. Joachim Dengg (GEOMAR, Koordinator Schulprogramme), jdengg(at)geomar.de 
Jan Steffen (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2811, jsteffen(at)geomar.de 

Dateien:
pm_2013_36_SMZ-Sommerschule.pdf64 K