Bild des Monats: Juli 2015
Das Forschungsschiff SONNE
Unser Bild des Monats Juli zeigt die SONNE, das jüngste und mit 116 Metern Länge auch das größte Schiff der deutsche Forschungsflotte. Bei ihrer Indienststellung im November 2014 löste sie ein gleichnamiges Vorgängerschiff ab, das von 1977 bis 2014 der deutschen Meeresforschung vor allem im Pazifik und im Indischen Ozean gedient hat. Die neue SONNE begab sich nach einer Vorstellungsreise durch die norddeutschen Küstenländer am 14. Dezember 2014 auf ihre erste wissenschaftliche Reise (SO237, die Nummerierung der SONNE-Reisen wird fortgesetzt), die sie von den Kanarischen Inseln quer über den Atlantik nach Martinique führte. Anfang Februar 2015 erreichte die SONNE schließlich ihr vorgesehenes Arbeitsgebiet: den Pazifischen Ozean. Hier wird sie für mehrere Jahre bleiben und als schwimmende Arbeits- und Wohnplattform für Meeresforscherinnen und Meeresforscher ganz unterschiedlicher Disziplinen dienen.
Jetzt, im Juli 2015, ist die SONNE im Golf von Mexiko im Einsatz. Bei dieser Expedition (SO241) geht es um die Wechselwirkungen von Geologie und Klima. Unter Leitung von Prof. Dr. Christian Berndt vom GEOMAR will ein deutsch-mexikanisch-schweizerisches Forscherteam herausfinden, ob geologische Prozesse, zum Beispiel die Auflösung von Gashydraten aufgrund vulkanischer Aktivitäten, Einfluss auf Klimaerwärmungen haben können. Dafür untersuchen sie den Meeresboden im sogenannten Guaymas-Becken. Das ist die einzige Region auf der Welt, in der zurzeit magmatische Gesteine in größerem Umfang in Sedimentbecken eindringen. Mit Hilfe seismischer Systeme durchleuchten – oder besser: durchschallen – die Forschenden dort den Meeresboden, um seine Strukturen und die Prozesse darin besser zu verstehen.
Anschließend widmet sich die SONNE einem Thema, das schon im Frühjahr auf dem Expeditionsplan stand: Manganknollen. Dabei handelt es sich um kugel- oder blumenkohlförmige Erzknollen, die meist in Tiefen unterhalb von 4000 Metern auf den großen Tiefseeebenen liegen. Sie bestehen nicht nur aus dem namengebenden Mangan, sondern enthalten auch Eisen sowie begehrte Metalle wie Kupfer, Kobalt oder Nickel. Schon in den 1970er Jahren gab es erste Pläne zum Abbau von Manganknollen aus der Tiefsee, die jedoch nie über Pilotversuche hinaus kamen. Im Rahmen des Projekts „Ecological aspects of deep-sea mining“ haben sich Forschungsinstitutionen aus elf europäischen Ländern zusammengeschlossen, um genauer zu untersuchen, welche Auswirkungen ein potenzieller Abbau der Manganknollen auf die Flora und Fauna der Tiefsee hätte. Die Expedition SO244 von Ende Juli bis Oktober hat das sogenannte DISCOL-Gebiet im Peru-Becken zum Ziel. Dort wurde 1989 ein eng begrenzter Bereich des Meeresbodens zu Forschungszwecken umgepflügt. Ziel des Versuches ist, die Langzeitfolgen von großflächigem Geräteeinsatz auf Tiefseesedimenten zu erkennen. Ein Vierteljahrhundert nach dem Störungsexperiment, werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die damals bearbeiteten Meeresbodengebiete beobachten, beproben und sie mit benachbarten, ungestörten Gebieten vergleichen. So wollen sie herausfinden, wie lange gestörter Tiefseeboden benötigt, um sich zu regenerieren.
Weitere Themen, die mit Hilfe der SONNE in diesem Jahr bearbeitet werden, sind der Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre sowie die Erdbebengefährdung für die Region um die chilenische Hafenstadt Antofagasta.
Damit so unterschiedliche Arbeiten von der SONNE aus durchgeführt werden können, verfügt das Schiff über eine umfangreiche wissenschaftliche Ausrüstung. Neben vier Trocken-, zwei Nass- und zwei Klimalaboren stehen weitere Spezialräume für Forschungsaufgaben zur Verfügung. Noch mehr als die Vorgängerin ist die neue SONNE damit auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Disziplinen wie Meeresgeologie, Biologie, Klimaforschung oder Biogeochemie ausgerichtet und ermöglicht interdisziplinäres Arbeiten auf See. Zahlreiche Winden und Kräne, darunter ein A-Rahmen-Kran am Heck mit einer Tragfähigkeit von 30 t, sorgen dafür, dass auch Großgeräte wie der Tiefseeroboter ROV KIEL 6000 problemlos zum Einsatz kommen können. Eine eigens entwickelte Rumpfform verhindert, dass sich Blasen unter dem Rumpf bilden, die bei der Vermessung von Meeresböden mit den schiffseigenen Sonaren stören könnten. Brauchwasseraufbereitung, spezielle Mülltrennungssysteme und die Nutzung schadstoffarmer Brennstoffe machen die neue SONNE darüber hinaus zu einem sehr umweltfreundlichen Schiff.
Weitere Informationen über das Schiff und seine Expeditionen:
http://www.geomar.de/forschen/expeditionen/ Die GEOMAR-Expeditionsseite
https://www.ldf.uni-hamburg.de/sonne.html Die SONNE auf den Seiten der Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe
http://www.oceanblogs.org/so237/ Blog der ersten wissenschaftlichen Fahrt der neuen SONNE von Dezember 2014 bis Januar 2015
http://www.oceanblogs.org/eadsm/ Blog des Projekts "Ecological Aspects of Deep-Sea Mining"