Die Teilnehmenden im Hörsaal des GEOMAR. Foto: J. Dengg/GEOMAR

Die Teilnehmenden im Hörsaal des GEOMAR. Foto: J. Dengg/GEOMAR

Vortragende der Hebbelschule Kiel. Foto: J. Dengg/GEOMAR

Vortragende der Hebbelschule Kiel. Foto: J. Dengg/GEOMAR

Prof. Martin Wahl vom GEOMAR erläutert den Jugendlichen in seinem Vortrag wissenschaftliche Hintergründe. Foto: J. Dengg/GEOMAR

Prof. Martin Wahl vom GEOMAR erläutert den Jugendlichen in seinem Vortrag wissenschaftliche Hintergründe. Foto: J. Dengg/GEOMAR

21.06.2019

Biologieunterricht mal ganz anders

GEOMAR veranstaltet Forschungskonferenz für Schulklassen

21.06.2019/Kiel. Schülerinnen und Schüler von vier Oberstufenklassen aus Kiel und Umgebung haben mehrere Monate lang in verschiedenen Gewässern untersucht, welche Lebewesen sich dort auf künstlich ausgebrachten Untergründen ansiedeln. Gestern präsentierten sie ihre Arbeitsergebnisse zur „Besiedelung aquatischer Hartsubstrate“ in einer Schülerfachkonferenz am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die gesammelten Erkenntnisse fließen in den Biologieunterricht dieser Profilklassen ein.

Normalerweise diskutieren bei Fachtagungen im Hörsaal des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung wissenschaftliche Expertinnen und Experten. Doch gestern berichtetn hier Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe über eigene Untersuchungsergebnisse. Vier Schulklassen aus Kiel und Umgebung tauschten sich bei einer Fachtagung für Jugendliche über ihre Experimente mit Bewuchsplatten im Meer und im Süßwasser aus, auf denen sich sogenannte Biofouling-Organismen ansiedeln.

Grundlage war ein Versuchsaufbau des europäischen Erasmus+ Projekts VIRTUE-s. Darin liefert das GEOMAR zusammen mit Partnern in Schweden, Spanien und den USA praktische Anregungen für den Schulunterricht und setzt sie mit örtlichen Schulen um. Das Versuchsprinzip: Eine Leine mit mehreren Kunststoffplatten wird über mehrere Wochen oder Monate in einem Gewässer ausgehängt. Anschließend wird analysiert, welche Organismen sich darauf in welcher Menge angesiedelt haben. „Im Grunde genommen sieht man hier, was bei einem Kunststoffboot passieren würde, wenn es keinen Antifoulinganstrich hätte“, erläuterte die 16-jährige Florentina von der Hebbelschule Kiel - einem der Schulpartner im Erasmus-Projekt. „In der Ostsee wachsen dort schon innerhalb weniger Wochen Algen, Seepocken und Miesmuscheln, obwohl das Plastik ist.“

Ökologisch spannend wird es besonders dann, wenn man die Faktoren untersucht, die dieses Wachstum beeinflussen. Biologielehrerin Dr. Daniela Efler-Mikat von der Hebbelschule verdeutlichte dies: „Die Jugendlichen formulierten zu Beginn Hypothesen, die sie mit ihrem Versuchsaufbau testeten. So wurde zum Beispiel vermutet, dass das mit der Tiefe schwächer werdende Licht in erster Linie den pflanzlichen Bewuchs beeinträchtigt, während die Tiere davon weniger betroffen sein sollten.“ Verglichen wurde auch die unterschiedliche Besiedelung in Süß- und in Salzwasser oder in der Ost- und Nordsee. Auf diese Weise wurden im Experiment ökologische Grundprinzipien direkt erfahrbar, was das im Schulunterricht Erlernte ergänzt und vertieft.

Doch auch die in der Forschung alltäglichen Rückschläge können sich einstellen: „Als wir unsere Experimente im Mai aus dem Wasser holen wollten, fehlten nicht nur die Leinen: Der ganze Steg, an dem sie aufgehängt waren, war weg!“, berichtete Florian vom RBZ Wirtschaft in Kiel. Prof. Martin Wahl, der mit seiner Arbeitsgruppe am GEOMAR ähnliche Besiedlungsplatten in der Kieler Bucht für ein Langzeitmonitoring zum Klimawandel nutzt und gestern den Jugendlichen von den Arbeiten der „Profis“ berichtete, kann solche Erfahrungen nur bestätigen: „Man kann ein Experiment noch so gut planen, aber trotzdem ist man vor Überraschungen nie sicher“, sagt er lachend. „Wichtig ist nur, dass man sich dadurch nicht entmutigen lässt.“

Zur Forschung gehören allerdings nicht nur Versuche und Beobachtungen, sondern auch die kritische Diskussion der Ergebnisse mit anderen Forschern. „Das ist der Grund, weshalb wir die Schülerkonferenz veranstalten“, erklärte Dr. Joachim Dengg, Koordinator der Schulprogramme des GEOMAR. „Die Jugendlichen sollen ihre Ergebnisse Gleichaltrigen erklären, die an denselben Themen gearbeitet haben und möglicherweise zu ganz anderen Schlussfolgerungen gekommen sind. Das ist echter wissenschaftlicher Dialog, und da wird dann auch schon mal kritischer hingesehen.“

Und so endete der Tag für die Jugendlichen mit der Erkenntnis, dass praktisches Forschen selbst bei vermeintlich einfachen Fragestellungen doch deutlich komplexer ist, als es in den Medien manchmal scheint. Insbesondere für diejenigen, die mit dem Gedanken einer späteren Karriere in der Forschung spielen, kann dies eine wichtige Hilfe zur Selbsteinschätzung sein.

 

Bitte beachten Sie:

VIRTUE-s ist ein 3-Jahres-Projekt, das vom Erasmus+ Programm der Europäischen Union von 2017 bis 2020 kofinanziert wird.

 

Kontakt:
Dr. Joachim Dengg (Schulprogramme GEOMAR), Tel 0431 600-4006, jdengg(at)geomar.de