Neue Hydrogenasen aus hydrothermalen Quellen und Sedimenten

Hydrogenasen sind Enzyme, die die reversible Reaktion H2 <-> 2H+ + 2e- katalysieren. Sie sind in phylogenetisch unterschiedlichen Mikroorganismen weit verbreitet und derzeit sind drei Typen Hydrogenasen bekannt: [NiFe]-, [FeFe]- und [Fe]-Hydrogenasen.

In hydrothermalen Quellsystemen wird Wasserstoff mit den hydrothermalen Fluiden freigesetzt und kann Konzentrationen von mehreren Millimol erreichen. Aufgrund von Mischungsprozessen zwischen dem Endglied-Fluid und dem Meerwasser können steile thermische und chemische Gradienten bestehen bleiben, die sowohl Elektronendonoren als auch -akzeptoren bereitstellen. Die mikrobiell vermittelte Wasserstoffoxidation liefert Energie (in Form von ATP), die die lokale Biomassesynthese antreiben kann. 

In Porenwässern von Sedimenten (wo die Wasserstoffkonzentration üblicherweise im nanomolaren Bereich liegt) hat Wasserstoff einen direkten Einfluss auf den Kohlenstoffabbau, da davon auszugehen ist, dass er die Fermentation und wasserstoffbasierte terminale Stoffwechselwege beeinflusst. 

In unserer Arbeitsgruppe wurde ein aktivitätsbasiertes Screening entwickelt, um Hydrogenase-Enzyme aus Metagenomen hydrothermaler Quellen nachzuweisen. Dieses Screening nutzt einen Fosmid-Vektor mit breitem Wirtsspektrum, sowie eine Hydrogenase-Mutante (Shewanella oneidensis DhyaB). Es wurden mehrere rekombinante Enzyme gewonnen, die sowohl zur H2-Aufnahme als auch zur H2-Freisetzung fähig sind. Auf den entsprechenden metagenomischen Fragmenten zeigten die offenen Leserahmen (ORFs) überwiegend nur sehr geringe Ähnlichkeit zu Hydrogenasen oder zu anderen bekannten Genen, oder gar keine Ähnlichkeit. Dies deutet darauf hin, dass es möglicherweise noch unbeschriebene Hydrogenasen gibt. 

Neben der Identifizierung und Beschreibung der neu entdeckten Hydrogenase-Enzyme werden Hydrogenasen mit H2-Bildungsaktivität in elektrochemischen Zellen eingesetzt. Ihre katalytische Fähigkeit wird genutzt, um Wasserstoff aus Wasser zu erzeugen und ihn in Form von chemischer Energie zu speichern. Die Hydrogenasen werden auf Elektroden mit vergrößerter Oberfläche immobilisiert (Kooperation mit Prof. Julien Bachmann, FAU, Deutschland).

Das Projekt zur Identifizierung neuer Hydrogenasen aus Metagenomen hydrothermaler Quellen wird derzeit von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) finanziert (2018-2020).

 

Beteiligte Mitarbeiter

Dr. Nicole Adam-Beyer

Projektbezogene Publikationen

Adam, N., Schlicht, S., Han, Y., Bechelany, M., Bachmann, J. & Perner, M. (2020)
Metagenomics meets Electrochemistry: utilizing the huge catalytic potential from the uncultured microbial majority for energy-storage. Frontiers in Bioengineering and Biotechnology, section Industrial Biotechnology. DOI: 10.3389/fbioe.2020.00567

Gonnella, G., Adam, N. & Perner, M. (2019)
Horizontal acquisition of hydrogen conversion ability and other habitat adaptations in the Hydrogenovibrio strains SP-41 and XCL-2.
DOI: BMC Genomics 20: 339

Adam, N. & Perner, M. (2018)
Novel hydrogenases from deep-sea hydrothermal vent metagenomes identified by a recently developed activity-based screen. ISME Journal. DOI:10.1038/s41396-017-0040-6

Adam, N. & Perner, M. (2018)
Microbially mediated hydrogen cycling in deep-sea hydrothermal vents. Frontiers in Microbiology. 9 (2873). DOI: 10.3389/fmicb.2018.02873.

Adam, N. & Perner, M. (2017)
Activity-based screening of metagenomic libraries for hydrogenase enzymes. Metagenomics – Methods and Protocols. W.R. Streit & R. Daniel (eds.), Springer. DOI:10.1007/978-1-4939-6691-2_17